Begonie
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Wenn von ihm weder Bereitschaft noch eine Einsicht da sind, dass unter diesen Umständen keine Beziehung möglich ist, dann sehe ich Deine Zukunft als eine stille Dulderin, die für alles und jedes Verständnis aufbringt, den Kopf einzieht, ihn nicht noch mehr reizt und schließlich nicht mehr unverkrampft reden kann, weil jede kleine Aussage von Dir sofort als Kritik bei ihm ankommt.
Eine Bereitschaft ist bei ihm nicht vorhanden, denn "er braucht das ja nicht" und möchte anderen keinen Platz wegnehmen, was nichts weiter als eine Ausrede ist.
Wer schon bei einer beiläufigen Bemerkung wie der über einen Drink ausrastet, der hat eine sehr niedrige Reizschwelle. Ein falsches Wort und schon tickt er aus.
Du suchst nach Lösungen, er nicht. Im Gegenteil, nur Du machst Dir darüber Gedanken und möchtest es abstellen.
Wenn er nicht mitzieht, sehe ich keinerlei Chance für eine Beziehung. Geben und Nehmen sind bereits jetzt ungleich verteilt, denn Du willst die Beziehung retten und erträglich machen. Er wiegelt ab und zieht sich beim kleinsten Anlass zurück.
Was willst Du aushalten? Ist Euer Beziehungsmodell tauglich für die nächsten Monate oder gar Jahre? Sicher nicht. Wenn er keinen Willen dazu hat, daran zu arbeiten, kannst Du Dich abstrampeln wie Du willst. Es wird sich nicht bessern.
Mir scheint, Du bist die einzige, die das Kartenhaus Euerer Beziehung oder was auch immer das sein soll, zusammen hält. In Dir werden Ängste wachen, Du kannst nicht frei sprechen, wirst jedes Wort überlegen und doch immer wieder überrascht sein, was er alles als Kritik an ihm auffassen wird.
Er mag ja ein wertvoller Mensch für Dich sein, aber eine Perspektive, die auch Dich glücklich macht, sehe ich für Dich nicht. Er tickt regelmäßig beim kleinsten Anlass aus und Du hältst aus. Und wartest, bis er wieder halbwegs normal ist.
Du suchst Lösungsmöglichkeiten. Ich sehe keine, vor allem nicht, wenn er keinen Anlass dazu sieht, sein Verhalten zu hinterfragen, Gründe aufzudecken und lernt, anstatt gleich zu explodieren, mal ausnahmsweise den Verstand einschaltet. Wenn Du nicht damit klar kommst, auf einem Pulverfass zu leben, solltest Du Dir zu schade sein für so eine Behandlung.
Kaum läuft es mal halbwegs entspannt ab, bist Du wieder glücklich, weil Du die glücklichen Momente als sehr wertvoll ansiehst, was bei dem Kontrastprogramm ja automatisch erfolgt. Damit stilisierst Du den Wert der schönen Momente so hoch, dass Du alles dafür tust, um sie zu halten bzw. wieder zu erreichen.Dabei sollten die erträglichen Phasen der Normalzustand sein. Du bewertest sie über, weil sie selten sind und dann bist Du automatisch bereit, Deine Wünsche und Ansprüche hinten an zu stellen, nur damit er Dir nicht abdriftet.
Ihr habt jetzt schon ein Machtungleichgewicht und das wird nicht besser. Im Gegenteil, es verschärft sich meistens sogar noch. Ihr habt nach 6 Monaten schon riesige Probleme, wie soll das werden, wenn Ihr länger zusammen seid und nicht mal mehr der Reiz des Neuen es noch abschwächt?
Ich sehe schwarz für Euch und wie lange Du das mitmachst, liegt an Deiner Schmerzgrenze. Solange Du alles duldest und nur abwartetst, bis er wieder ankriecht, leistest Du seinem Verhalten noch Vorschub. Für wen soll er sich denn zurückhalten, anstrengen? Dich hat er ja und das weiß er auch. Also wieso sollte er sich ändern wollen?
Er kommt mit Kritik nicht klar und hat nie gelernt, sich unter Kontrolle zu halten.
Deine Entscheidung und Deine Verantwortung, was Du Dir zumuten willst und was nicht. Und außerdem begibst Du Dich damit in die Rolle eines Therapeuten, der Lösungen findet, die er dann umsetzt. Das wird Dir nicht gelingen, denn ein Partner kann kein Therapeut sein. Ein Therapeut steht immer außen vor und be- und verurteilt nicht, beschönigt aber auch nichts. Er ist neutral, Du bist es nicht.
Und wenn Du Dich hier zum Therapeuten aufschwingen willst, der den kleinen Krisenpatienten schon auf den rechten Weg bringt, mit gaanz viel Geduld und Verständnis, weil er so viel Leid erfahren musste, willst Du die Machtverhältnisse zu Deinen Gunsten.verschieben und die untergeordnete Rolle verlassen. Das wird er nie und nimmer mitmachen!
Er macht und tut und Du erträgst und willst ihm in Deiner Not zur Seite stehen und glaubst, mit dem Lesen von ein paar gut gemeinten Ratgebern wird das schon. Es wird nicht, denn es sind Persönlichkeitsmuster, die eingepflanzt sind und die man nur sehr beschränkt ändern kann. Und das auch nur, wenn ER dazu bereit wäre. Das lehnt er aber ab.
Du kannst ihm natürlich schlaue Bücher geben, die durchaus hilfreich sein können. Was glaubst Du, was passiert, wenn Du das tust? Er wird explodieren, wie immer! Und Du wirst kuschen, auch wie immer.
Wenn er nicht von sich aus sein Verhalten ändern will und Ursachenforschung betreiben will, kannst Du gar nichts machen.
Wer keine Grenzen zeigt, wer keine Konsequenzen zieht, mit dem wird verfahren. Der wird zu einer Verfügungsmasse degradiert, die man behandeln kann, wie man will.
Begonie
du siehst dies sehr richtig....du kannst ihn unterstützen, aber du bist nicht seine Therapeutin sondern seine Partnerin.....Ich kenne diese Glaubensgrundsätze zu gut....Männer dürfen dies nicht und jenes nicht.......Indianerherz kennt keinen Schmerz....was für ein Unsinn.....aber so wurden leider sehr viele emotionale Neandertaler geschaffen die weder Zugang zu ihren Gefühlen haben, geschweige denn sie zulassen.......und damit auch keine Empathie für ihr Gegenüber haben. Ich sehe für euch gute Chancen wenn dein Freund sich auf den Weg macht, sehe dies nicht so negativ wie andere Schreiber, aber jeder hat so seine eigene Meinung und Sichtweise.