manfredus
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bisher bin ich nie mit meinen eigenen Themen an die Öffentlichkeit gegangen. Ich habe Tausend Ratschläge hier gegeben, manche kamen gut an, manche kamen nicht gut an. Ich habe immer versucht, das durch eine objektive Brille zu sehen, den Vorteil des "externen Beobachters" zu nutzen und den Leuten hier Hilfestellung zu geben. In dem Forum hier bin ich Ende 2012 gelandet, weil ich Probleme mit der Bewältigung des Endes meiner 12jährigen Ehe hatte. Ich konnte für mich schon viel durch lesen gewinnen. Ich fange bei dieser Ehe an, denke ich.
Ich war fast 14 Jahre lang mit einer Frau zusammen, davon 11 verheiratet. Als ich meine Frau traf war Sie von einem anderen Mann schwanger, trennte sich aber noch vor der Geburt des Kindes von ihm, da die Beziehung sowieso am Ende war. Wir hatten zuerst eine innige, aber rein freundschaftliche Beziehung, also keine Intimitäten oder Ähnliches. Erst ein rundes halbes Jahr später waren wir "zusammen", es war sehr schön. Ich akzeptierte das Kind wie ein Eigenes, da sich der Vater sowieso nicht darum kümmern wollte. Er hat sich bis heute nicht ein einziges Mal gemeldet.
Wir haben ein paar Jahre später geheiratet. Es war eine Ehe mit Höhen und Tiefen.Es wurde im Laufe der Zeit eine destruktive Abhängigkeitsbeziehung, aus der ich mich erst nach vielen Jahren lösen konnte. Getrennt habe ich mich, weil das Selbstwertgefühl meiner Frau vollkommen am Boden war. Eifersucht und extremes "Klettenverhalten" war das Ergebnis und ich spielte mit: Ging nicht mehr aus, ging bei gemeinsamen Dingen früh nach Hause. Ich konnte meine Ehe nicht mehr handlen, ich war unfähig, meine Wünsche und Bedürfnisse auszudrücken, ebenfalls aus Angst vor Streit und Trennung. Ihr ging es wohl ähnlich. Ich war Täter und Opfer, wie Sie es auch war.
Eine Woche vor der Trennung lernte ich eine Frau kennen, die ich später lieben sollte: Meine Freundin.
Die neue Beziehung war nicht leicht, vor allen Dingen weil ich durch die Trennung von Frau und Kind, die ich ja vollzogen hatte, noch erhebliche Altlasten mitbrachte. Ich hatte Schuldgefühle, sowohl meiner Tochter als auch meiner Ex-Frau gegenüber. Ich war in einem Gefühlschaos, wusste nicht, wo ich hingehöre und was ich wollte. In all der Zeit, die auch für sie sehr schwer war, stand sie zu mir. Wir fühlten uns wohl und aufgehoben miteinander, wußten, daß wir uns gegenseitig Halt gaben.
Dann ging meine Freundin Anfang Dezember auf eine psychosomatische Reha, also Kur. Ich habe sie oft besucht und anfangs wollte sie auch, das ich mal über Nacht bleibe. Sie sagte aber, der Psychologe hätte ihr abgeraten und sie wollte, daß ich nur einen Tag komme.
Vor 2,5 Wochen hat Sie mich für einen Tag besucht, wir haben zusammen gekocht, es war wunderschön. Sie schrieb mir noch am selben Tag wie sehr sie den Tag mit mir genossen habe und wie sehr Sie mich lieben würde.
Vor 2 Wochen hat mir meine Freundin, sie befand sich 7 Wochen in der psychosomatischen Reha, eröffnet, daß in ihrer letzten Woche, ein "Faß aufgegangen" sei. Sie habe eine fürchterliche Wut verspürt gegenüber ihren Ex-Beziehungen, die sie seit vielen Jahren nicht mehr gespürt hatte. Sie meinte, sie wäre zuletzt mit 19 so wütend gewesen. Von da an wurden die Whatsapps kürzer und kälter.
Sie sagte mir am Telefon auch nicht viel mehr, nur, daß wir reden müssen und es Probleme für sie gibt, unsere Beziehung fortzusetzen. Sie hielt sich sehr bedeckt, wollte alles am Abholtag mit mir besprechen. Samstag vor 2 Wochen war sie noch bei mir, schrieb mir, wie sehr sie den Tag mit mir genossen habe. Eine Woche später will sie mich nicht mal mehr sehen. Ich sage ihr, ich liebe sie, sie antwortet nur noch "Ich weiß das".
Am Tag, als ich sie abholte, wurde ich begrüßt wie ein "Kumpel". Kein Kuß, keine innige Umarmung, nichts mehr. Sie war eiskalt. Wir fuhren nach Hause, unterwegs machten wir Halt an einem kleinen See. Wir spazierten um den See und sie klang zum Teil wie ein psychologisches Lehrbuch. Ich verstand die Welt nicht mehr. Sie wollte Ihre Eindrücke und Gefühle sortieren, auch die Gefühle zu mir, und meinte, Sie brauche eine Woche Ruhe. Kein Kontakt. Ich gab Ihr die Zeit. Das wäre bis heute, den 5.2., gewesen.
Am letzten Samstag, ohne jeglichen Kontakt zwischenzeitlich, kam eine Nachricht: Sie wolle mich am nächsten Tag sprechen, an einem neutralen Ort. Da war mir ohnehin alles klar. Ich rief Sie an und meinte, ob wir das nicht gleich am Samstag Abend regeln können, wieso soll ich auch noch eine unruhige Nacht verbringen? Sie stimmte zu, wir trafen uns um 21:00 Uhr. Um 21:26 saß ich bereits wieder in meinem Auto. Sie hatte mir erzählt, Sie müsse sehr viel aufarbeiten, hätte die letzten Tage nur unsere Beziehung überdacht und käme zu dem Schluß, daß Ihre Gefühle nicht mehr für eine Beziehung reichen. Ich wäre ein toller Mensch und Mann, es läge nicht an mir und der übliche Blafasel. Sie hatte sogar schon meine Wohnungsschlüssel parat und meine Sachen gepackt im Auto, sogar mein Duschmittel war dabei.
Das war meine Geschichte.
An diesem Montag vor zwei Jahren durfte ich Sie kennenlernen. Letzten Samstag durfte ich Sie richtig kennenlernen.
LG
Manfredus
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