@Dauerverliebt
Zitat:Ein Fehler ist sich den falschen Schuh anzuziehen oder ein Stromkabel anzubohren.
Das beides würde ich als Versehen bezeichnen. Einen Fehler kann man durchaus vorsätzlich begehen, ihn dann aber trotzdem erkennen und/oder sich dazu bekennen und daraus lernen. Und versuchen, ihn nach besten Kräften zu korrigieren. Das kann man als Schadensbegrenzung ansehen, aber eben auch als Versuch, (Eigen-)Verantwortung zu übernehmen. Die Einschätzung hängt sicherlich grundsätzlich damit zusammen, ob man einem Menschen zutraut, dass er gelernt hat. Vor allem angesichts des Leids, das er verursacht hat. Und ich glaube, die wenigsten Menschen sind so kalt und abgebrüht, dass es ihnen egal ist, wenn sie sehen, was sie angerichtet haben. Spätestens hier setzt doch dann die Erkenntnis ein, was man verbockt hat.
An der Stelle ist es eigentlich zielführender, zu schauen, warum der betrügende Part seine Bedeutung in der Beziehung so völlig unterschätzt hat. Ich kann nur für mich sprechen und vielleicht auch für deinen Mann, @Pfeifchen, dass mein Selbstwertgefühl in der Beziehung absolut im Keller war. Das lag an unseren Kommunikationsformen, an unserem ganzen Miteinander und an einigen ganz konkreten Entscheidungen seitens meines Ex-Partners, was unser gemeinsames Leben betraf. Im Grunde hat er mir das Gefühl vermittelt, er macht irgendwie mit, aber so wirklich wollen tut er das alles nicht. Was keine Rechtfertigung oder Schuldumkehr sein soll! Also bitte nicht gleich auf die Barrikaden gehen, ich berichte nur von meinem Gefühlszustand. Und so stockunglücklich und in der festen Überzeugung, dass ich meinem Partner sowieso egal bin, traf ich auf meinen AM, der genau derselben Überzeugung in Bezug auf seine Beziehung war. Und was sich da innerhalb kürzester Zeit an Emotionen und Schuldgefühlen zusammengebraut hat, kann man als emotional stabiler Mensch wahrscheinlich nicht nachvollziehen. Und bei mir und meinem AM und scheinbar auch bei deinem Mann war die Überraschung groß, dass man nicht egal ist. Und dass man einen Menschen, den man mag, sehr verletzt hat. An keiner Stelle, zu keinem Zeitpunkt, stand die vorsätzliche Intention, das Selbstbewusstsein des Partners/der Partnerin zu zerstören. Meine Affäre und so wie sich die deines Mannes liest, ist entstanden, weil die betrügenden Parts sich selbst und die Beziehung aufgegeben haben, weil sie sich selbst als unbedeutend und ungeliebt eingeschätzt haben.
Ich weiß nicht, ob dir das weiterhilft. Es geht mir auch nicht darum, um Verständnis für die Betrügenden zu werben. Aber das sind meine Erkenntnisse aus meiner Geschichte. Ich kann dir nur sagen, dass mir nichts ferner lag, als meinem Ex-Partner vorsätzlich wehzutun. Und dass meine Affäre nichts mit ihm als Person/als Mensch zu tun hatte, sondern nur mit meinem verqueren Selbstbild und meiner Unfähigkeit, konsequent und deutlich zu benennen, was in unserer Beziehung schiefläuft.
Mein Ex-Partner und ich haben lange gebraucht, um das alles aufzuarbeiten. Unzählige Gespräche... Wir sind jetzt (nach über zwei Jahren) an einem Punkt, an dem wir uns auf einer sachlichen und freundschaftlichen Elternebene befinden. Und das funktioniert jetzt (aus meiner Sicht) unter anderem aus diesem Grund: Er hat sich selbst von Anfang an nicht von der Affäre in Frage gestellt gefühlt. Er hat die Verantwortung/Schuld ganz klar bei mir gelassen und ich hab sie immer bei mir gesehen. Er war verletzt und wütend, dass ich unsere Beziehungsprobleme nicht anders kanalisiert habe. Aber er hat nie seinen Wert/sein Selbstbewusstsein von der Affäre abhängig gemacht. Und das war genau richtig so.
Dein Selbstbewusstsein, Pfeifchen, hängt nicht davon ab, dass sich jemand anderes wie sch*** verhält, aus welchen Gründen auch immer. Und vielleicht findest du so viel Vertrauen in ihn wieder, dass es ihm ehrlich leid tut und er sich bemüht.