Zitat von Sardinien11: Das Schlimme war wirklich, dass er forderte, dass wir sparen sollten während seiner Probezeiten. Und natürlich sollte ich Rücksicht nehmen auf ihn und die Einarbeitungsphase, ihn motivieren, schonen, entlasten... All das habe ich gemacht! Es gab kein Ausgehen, keine Restaurants, kein Shopping. Wir waren auch beide Gesundheit schwer angeschlagen. Ich bin immer zu ihm gependelt, um ihn zu entlasten. Keine Problemgespräche. Nur Kuscheln vor dem TV, Pizza, Rotwein. Cocooning. Und dann plötzlich springt und hüpft er für eine Andere? Eine wildfremden Frau? Und ich stand ihm die ganze Zeit zur Seite in seiner Krise? Ich komme darüber nur schwer / nicht hinweg.
Ich verstehe Deine Enttäuschund auch Deine innere Wut sehr gut. Du hast viel zurückgesteckt, Deine Interessen hintenan gestellt und er honoriert das nicht etwa, sondern profitiert stillschweigend davon und folgt dem Reiz der neuen Frau. Die hat bisher noch nichts leisten müssen, denn die beiden leben im Wolkenkuckucksheim, wo alles schöner und besser ist. Die Hormone tanzen Polka, aber leider nur bei ihr. Du bist selbstverständlich geworden und das schätzt man nicht mehr, weil es eben selbstverständich ist. Keine Sorgen, die Realität hält auch bei frisch Verliebten irgendwann Einzug und dann treten die Unterschiede und auch die Erwartungen anders zu Tage. Glaube nicht, dass die etwas geschenkt bekommen!
Ich erzähl Dir noch eine kleine Mutmachgeschichte. Ist Jahre her. Wir bekamen eine Praktikantin aus einem Programm für alleinerziehende Mutter, die beruflich den Anschluss verloren haben und zwar gleich für einige Monate. Ich war erst skeptisch, aber Yvonne arbeitete sehr gut, gewissenhaft und zuverlässig und da ich damals noch ein Sonderprojekt laufen hatte, für das ich sie einspannen konnten, verlängerte ich den Vertrag um einige Monate. Sie fiel mir vor Freude fast um den Hals und diese Verlängerung führte auch dazu, dass sie dann in einem Institut eine feste Halbtagsstelle fand, noch dazu nahe am Wohnort. Es hatte sich alles gefügt, das Pendel hatte umgeschlagen.
Monate später traf ich sie in der Stadt und wir plauderten. Sie erzählte mir: Damals, als ich das Praktikum bei Euch begann, ging es mir richtig mies und das schon seit 2 Jahren. Mein Ex. war selbstständig und ich steckte meine Ersparnisse auch in den Betrieb, denn schließlich wollten wir beide ja was auf die Beine stellen. Leider fuhr mein Mann den Betrieb gegen die Wand und wir waren pleite und mein Geld war auch weg für nichts. Dann die Scheidung, ich stand da mit den beiden Mädels und dachte mir, ich komme nie mehr auf die Beine.Und arbeitslos war ich obendrein.
Durch das Praktikum bekam ich die neue Stelle und komme mit meinem neuen Chef super aus. Die Arbeit macht Spaß und es klappt gut, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Ich konnte es gar nicht fassen, dass ich aus diesem Tränental tatsächlich rauskommen würde. Und ich habe seit geraumer Zeit auch einen neuen Freund.
Alles hat sich geändert und letztendlich kam nach der Frustphase und der Enttäuschung doch etwas Gutes heraus. Mir geht es derzeit so super, dass ich es noch gar nicht richtig annehmen kann.
Meine Freundin wurde von ihrem Mann sitzen gelassen. Sie wusste von nichts, wurde aber mit der Information überrascht, dass er ausziehen würde, zu seiner neuen Freundin. Aha, es gab 3 Kinder. Die Große studierte schon, der mittlere stand noch vor dem Abitur und der jüngste war damals 13 oder 14 Jahre alt.
Fortan hatte der Mann keine Zeit mehr für die Familie, denn er hatte ja jetzt was Neues. Eine neue Wohnstatt, eine neue Frau, ein neues Leben. Er zahlte an Unterhalt, was sein musste und keinen Cent mehr. Die Tochter wollte unbedingt für ein Jahr ein Auslandsstudiumi in Schottland machen und wer managete das alles? Meine Freundin und die Tochter, denn so einfach war es nicht, denn schon die Wohnugssuche war ein Problem. Und wer finanzierte das? Meine Freundin, denn sie wollte den abtrünnigen Mann nicht wegen des Geldes fragen und die Tochter wollte das auch nicht.
Irgendwann erhielt die Tochter eine Mail vom Vater. Wann sie nach Edinburg gehen würde? Antwort: Ich bin schon 6 Wochen in Edinburg.
Er hätte ihr locker ein paar Hunderter zustecken können, er hätte das Geld gehabt, aber seine Kinder waren nur noch schmückendes Beiwerk in seinem aufregenden neuen Leben.
Ein Jahr später die Scheidung, Verkauf des Hauses (Preisfrage: wer hat es ausgeräumt?), Erlös geteilt durch 2 und sie wollte ansonsten mit dem Ex. nichts mehr zu tun haben.
Die Tochter erkankte in Schottland an Darmkrebs (sie hatte Morbus Crohn, was das Krebsrisiko erhöht), war nicht flugfähig und meine Freundin die meiste Zeit in Schottland.
Dann war sie Monate später doch flugfähig, Krankentransport nach Deutschland, Fahrt mit dem Krankenwagen ins Krankenhaus, aber der Krebs war sehr aggressiv und hatte schon massiv gestreut. Sie starb mit 23.
Um die Beisetzung kümmerte sich meine Freundin und der Ex-Mann war nicht mal auf dem Trauergottesdienst zu sehen.
Die Lage meiner Freundin war nicht gut. Mann weg, sie bald 60, die Trauer über die Tochter, der mittlere hatte den Kompass verloren und brachte nichts zuwege, der Jüngste hat die Scheidung am besten weggesteckt. Er ist stabil, der mittlere offenbar labil, aber er hat in den letzten Jahren sich jetzt doch stabilsiert und macht jetzt eine Ausbildung. Mit 30.
Sie biss sich durch und ich merkte ihr nie an, dass sie sich aufgegeben hätte.
Und eines Tages lernt sie im Yogakurs einen Mann kennen, er Witwer mit 2 erwachsenen Kindern. Sie ist mit ihm nun schon einige Jahre verheriatet, arbeitet nicht mehr und die Sorgen wegen der Kinder ließen auch nach.
Es geht ihr wieder gut. Auch hier, nach einer Phase voller Schicksalsschläge die Wende.
Und der Ex-Mann? Die neue Beziehung hielt doch nur wenige Jahre. Er zog in eine andere Stadt und scheint allein zu sein. Das Glück war ihm wohl doch nicht so hold wie gedacht. Aber das interessiert meine Freundin schon lange nicht mehr.
Auch für Dich werden andere Zeiten kommen, vielleicht bessere. Sei zuversichtlich, denn das Glück besucht mal den einen, dann den anderen.