Zitat von chocomoko: Man kann es subjektiv empfinden aber es als objektiv verkaufen ist halt irgendwie fanatisch? Ideologisch?
Definitiv. Und man sieht ja die Wirkung. Nur wenige regen sich auf. Der Satz "Ist doch klar, dass kein Mann in eine Frau investiert, die schon viele Vorbesitzer hatte" löst bei nur wenigen einen echten wtf- Reflex aus. Und nachdem ich mich hier wirklich ausgiebig herumgetrieben habe, komme ich zu der Erkenntnis, dass die meisten Menschen wohl einfach andere Interessen verfolgen, als bei diesem Thema in die Tiefe zu gehen.---
Im Grunde ist das Thema "Unbewusste Alltagsmisogynie" , und das Threadthema und dessen Antworten auf zig Seiten nur ein Beispiel dafür, wie es läuft. Wer was zu sagen hat, und wer nicht. Wessen Wort gilt, wessen weniger.
Ganz schnell geraten Alltagssituationen, Threadthemen in Foren, Diskussionen auf YouTube etc. zu Grundsatzdiskussionen über Frauen. Nicht über Frauen und Männer! Über Frauen. Die sich nicht benehmen.
Und es laufen fast immer dieselben Muster ab. Ich bin da teilweise wirklich negativ erstaunt, wie schnell sich da Dynamiken entwickeln...
Am Anfang sind da die selbstsicheren Herren und frohgelaunten Frauen. Dann wird eine Bemerkung fallengelassen von einem Mann, die berühmte "wtf"- Bemerkung, welche ein ganzes Universum offenbart, unbeabsichtigt, aber nicht mehr zu übersehen.
Die Karten werden neu gemischt. Jetzt sind da die wütenden Frauen, die sich aufregen, das darf doch nicht wahr sein, was redet dieser Typ da, ich fasse es nicht; daneben die Frauen, die nichts mitbekommen haben und sich wundern über die Welle, und natürlich nicht zu vergessen die "ich bin anders als die doofen wütenden Kampfemanzen"- Frauen, die es einfach besser wissen, wie man sich als Frau in der Männerwelt bewegt. So. Auf der anderen Seite die männlichen Schulterklopfer, die das Gesagte bestätigen, dass es ja halt eben so ist, egal, wie man es bezeichnet, kurz: die Plumpen, dann die Edelmisogynisten, die nur öffentlich die wütenden Kampfemanzen kleinmachen und zuhause ihr Schätzchen und Family managen, und dann noch die kleine Zahl der männlichen und weiblichen "hab die Diskussion jetzt nicht verfolgt, aber ne klare Meinung dazu"- Leute.
Am Ende dieses Theaters beharken sich die Frauen gegenseitig, Frauen erklären Frauen, was Feminismus wirklich ist und vor allem, was nicht, derjenige, der den wtf- Moment geliefert hat, reibt sich zufrieden die Hände und der Rest der Männer sitzt im Schmollwinkel seines aus den Fugen geratenen Weltbildes, hackt auf seiner Lieblingsfeministin rum oder zelebriert mit den Damen, die es besser hinbekommen, das Leben - natürlich im Lichte der Öffentlichkeit.
Der Großteil bekommt von alldem natürlich überhaupt nichts mit. Wer aber in eine solche Szenerie hineingerät, geht aus ihr als anderer Mensch heraus.
Die einen sind noch selbstherrlicher, die anderen noch frustrierter, noch desillusionierter, noch verbitterter, noch ohnmächtiger, ja, und auch noch depressiver. Weil sie alle merken: Misogynie funktioniert. Und das freut die einen und ärgert die anderen.