Ich möchte in dieser Diskussion einmal meine persönliche Sicht schildern, weil die hier aufeinandertreffenden Vorstellungen über Dating und Kennenlernen teilweise sehr weit auseinandergehen. Mir ist wichtig, niemanden moralisch abzustrafen, sondern nur deutlich zu machen, dass Menschen unterschiedliche Werte haben – und dass es im Dating vor allem darauf ankommt, jemanden zu finden, dessen Werte zur eigenen Lebenshaltung passen.
Ich habe selbst über längere Zeit online gedatet und für mich galt dabei eine klare Linie: Sobald ich mit einer Frau ernsthafter geschrieben oder telefoniert habe, war für mich persönliche Exklusivität gegeben – lange bevor es zu einem ersten Treffen kam. Wenn ich gemerkt habe, dass der Kontakt angenehm ist und es sich lohnt, die Person näher kennenzulernen, dann habe ich parallel keinerlei weitere Gespräche geführt. Für mich war das eine Frage von Respekt, Verbindlichkeit und innerer Stimmigkeit. Ich wäre nicht auf die Idee gekommen, währenddessen andere Frauen anzuschreiben, mich mit jemand anderem zu treffen oder gar körperlich zu werden. Das hätte meinen eigenen Wertvorstellungen komplett widersprochen.
Und genau deshalb erwarte ich diese Exklusivität – nicht erst nach dem zweiten oder dritten Treffen, sondern bereits nach dem ersten echten Kennenlernen. Nicht, weil ich der Meinung bin, man müsse dann schon „quasi zusammen“ sein, sondern weil ich es für konsequent halte, sich auf eine Person zu konzentrieren, sobald man entschieden hat, dass man sie wirklich kennenlernen möchte. Für mich gehört das zu einem respektvollen und ernsthaften Einstieg einfach dazu.
Ich weiß, dass viele Menschen – gerade jüngere – diesen Prozess ganz anders leben. Für viele ist es völlig normal, mehrere Kontakte parallel zu halten, unverbindlich mehrere Möglichkeiten abzuklopfen und selbst nach dem ersten Date noch andere Treffen oder sogar körperliche Begegnungen zu haben. In der heutigen Datingkultur, geprägt von Apps und unendlichen Optionen, hat sich das so etabliert. Und ich verurteile niemanden dafür. Es ist einfach eine andere Art, sich der Sache zu nähern.
Für mich persönlich fühlt sich diese Art des Kennenlernens jedoch nicht richtig an. Ich hatte im Bekanntenkreis jemanden, die so viele Männer gleichzeitig schrieb, dass sie irgendwann durcheinanderbrachte, wer Fußball oder Karate machte. Das hat mich eher befremdet, weil es für mich Beliebigkeit ausstrahlte. Wiederum: Für andere ist das völlig normal. Für mich aber nicht.
Wenn ich zwei- oder dreimal mit einer Frau ausgegangen bin, war der Punkt der Exklusivität für mich längst überschritten. Ich hätte vorher schon erwartet – und selbst so gehandelt –, dass man sich gegenseitig die Zeit und den Raum gibt, sich in Ruhe aufeinander einzulassen. Hätte die Frau das anders gesehen, wäre sie für mich keine schlechte Person gewesen, aber ganz klar keine Partnerin, die zu mir passt. Ich suchte niemanden, der meine Werthaltung übernimmt – ich suchte jemanden, der sie teilt.
Und genau das sehe ich im Fall des Themenerstellers als den Kernpunkt. Es geht nicht darum, sein Gegenüber zu bewerten oder moralisch zu verurteilen. Manche leben Dating lockerer, manche verbindlicher. Manche trennen Sex und Gefühle, andere nicht. Manche brauchen eine explizite Vereinbarung für Exklusivität, andere – wie ich – fühlen sich schon im schriftlichen Kennenlernen einer Person verpflichtet. Niemand ist „richtig“ oder „falsch“.
Aber man muss akzeptieren, dass diese Unterschiede darüber entscheiden, ob zwei Menschen zusammenpassen. Wenn für den Themenersteller die Handlung seiner Freundin in der frühen Phase dauerhaft wie ein Wertbruch wirkt, wenn es für ihn ein Stachel ist, der im Fleisch hängen bleibt, oder es sein Vertrauen untergräbt, dann ist das kein Zeichen von Engstirnigkeit, sondern schlicht ein Hinweis darauf, dass ihre damaligen Vorstellungen von Dating nicht seinen entsprachen.
Wie er damit umgeht – ob er verzeihen kann oder ob es für ihn ein unüberbrückbarer Wertkonflikt bleibt – kann nur er selbst beantworten. Wichtig ist, dass man seine eigenen Werte ernst nimmt und gleichzeitig respektiert, dass andere anders ticken, ohne sie abzuwerten. Entscheidend ist am Ende nur, ob zwei Menschen in den Punkten zusammenkommen, die ihnen wirklich wichtig sind.
@Moody92
Entscheide weise nach deinem Bauchgefühl.