Zitat von Islantilla: Ich kam mir in den zwei Monaten, in denen er mich permanent belagert hat, wie eine wichtige Person vor. Und dann, als er wieder gehen musste, da habe ich mich nur noch allein gelassen gefühlt. Seitdem vermisse ich ihn.
Hat vielleicht auch etwas damit zu tun, dass ich früher von meinen Eltern emotional vernachlässigt worden bin.
Bin unbewusst auf der Suche nach jemandem, der mich versteht und mir ein gutes Gefühl gibt. Und das tut er - ohne dass er es weiß. Mein Mann gibt mir das leider nicht, aber ich liebe ihn trotzdem und ich werde so lange bei ihm bleiben wie er mich braucht.
Hallo Islantilla,
sich zu verlieben hat immer etwas Aufregendes und verändert die Stimmung und Sicht der Dinge. Manche Menschen waren in ihrer Herkunftsfamilie wie das Aschenputtel und wurden emotional vernachlässigt, liefen einfach so nebenbei mit. Daraus kann sich das Selbstbild entwickeln nichts Besonderes zu sein und sich mit einem mittelmäßigen Dasein zufriedenzugeben.
Wenn das plötzlich jemand auftaucht und dieses Selbstbild positiv in's Wanken bringt, kommt dies manchmal einem Vulkanausbruch gleich. Im Fall einer gleichzeitig guten kollegialen Zusammenarbeit, kann sich daraus leicht eine gute Freundschaft entwickeln. Doch nicht jede Verliebtheit muss eskaliert werden, bis es zum Ehebruch kommt und zwei Familien final vor einem Scherbenhaufen stehen. Hier kann Dir nämlich kein Mensch diesen inneren Durst nachhaltig stillen, das kann nur Gott selbst (vgl. Joh. 4,13-14).
Es ist letztlich die Sehnsucht nach Ewigkeit, nach unvergänglichen Eden-Momenten. Ein anderer Mensch kann zwar vorübergehend zu einem Stimmungsumschwung beitragen, doch er kann Deinen innerlichen Status Quo nicht auf Dauer ändern. Ich trage mein Selbstkonzept in mir und werde früher oder später wieder davon eingeholt. Daran wird auch ein kurzfristiger Kick nichts ändern. Es ist dieses vertrauensvolle Angenommensein, das etwas ändert. Dieses nicht mehr etwas leisten, beweisen zu müssen, um geliebt zu werden. Es ist das, was Jesus damals der Samariterin am Brunnen angeboten hat und auch Dir heute anbietet: Das Wasser des Lebens von ihm zu trinken.
Mein Rat an Dich wäre ansonsten, Deinen Mann nicht mit dem Kollegen zu vergleichen, sondern sowohl ihn, als auch die Frau Deines Kollegen mit einzubeziehen, evtl. im Rahmen gemeinsamer Ausflüge und Grillabende. Wenn Du auf diese Weise mit der Situation umgehst, wird sich das Verhältnis mit der Zeit normalisieren und Du wirst vermutlich gereifter aus der Situation hervorgehen, als wenn Du jetzt eine Grenze übertrittst und das Dein Leben lang bereuen musst.
Gruß Psalm20-8