Yoffi
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Das was du jetzt fühlst hat sowieso wenig mit deinem oder irgendeinem Mann zu tun. Die Wunde geht viel viel tiefer und ist sehr viel älter. Es ist die Wunde eines kleinen Mädchens, dass in wichtigen Momenten keine Sicherheit zu Hause erlebt hat. Die das Gefühl erfahren musste, dass sie sich immer wieder verlassen fühlte und die in diesen Momenten Todesangst hatte. Denn ein verlassenes Baby oder Kleinkind stirbt, wenn nicht irgendwann jemand kommt. Es ist alleine nicht lebensfähig. Deshalb ist der Schmerz auch soo extrem und sitzt so tief.
Es ist die Wunde eines kleinen Mädchens, das gelernt hat sich über alle Maßen anzupassen, damit die Menschen, die Eltern, nicht wieder weggehen. Um nicht erneut diesen Schmerz, diese Todesangst aushalten zu müssen.
Der absolute Kontrollverlust, der nur über die Anpassung unter Kontrolle zu bekommen war.
Du musst dieses alte Muster auf deiner Festplatte überspielen. Das Muster ist: verlassen werden bedeutet Tod, bedeutet Sterben. Um das nicht zu erfahren passt du dich an, verlierst dich selbst.
Ein neues Muster wäre: ich als Erwachsene bin jetzt in der Lage für mich zu sorgen. Ich darf Grenzen und Bedürfnisse haben. Ich bin auf niemanden außer mir selbst angewiesen.
Und das dauert. Das dauert Jahre. Keine Monate, Tage oder Wochen. Sondern Jahre. Und in dieser Zeit sind Rückschritte völlig normal. Die gehören dazu. Dein Muster ist kraftvoll, denn es hatte ja eine lebenswichtige Funktion. Diese abzulegen braucht Zeit. Und diese Zeit tut weh.
Weine und fühle deinen Schmerz. Das ist das wichtigste, was du jetzt tun kannst. Fühle wie tief der Schmerz geht. Weine, so lange deine Seele weinen muss. Und wenn es Wochen sind. Irgendwann hört das auch wieder auf. Versprochen!
Aber gleichzeitig: entscheide dich! Entscheide dich für dich und dagegen einem Muster zu folgen, dass dich wahllos an jeden Menschen anpassen lässt, der dich vermeintlich rettet, in Wahrheit aber immer wieder unter Wasser drückt.
Entscheide dich, damit deine Seele weiß, dass DU jetzt auf sie aufpasst.
Hör auf ihr diese ständige Unsicherheit, dieses ständige auf und ab zuzumuten.
Entscheide dich zu leben.
Es geht nicht um deinen Mann. Das ging es nie. In Wahrheit ist er als Person völlig nebensächlich, gradezu unwichtig.
Er hatte eine Funktion in deinem Leben. Er war ein Platzhalter. Er war da, er gab dir die scheinbare Sicherheit, aber das hatte nie etwas mit ihm oder seiner Person zu tun. Sondern mit deiner Lücke in der Seele. Mit deinem Gefühl, dass du alleine erstickst und nur mit jemandem, der die Kontrolle hat, überleben kannst.
Aber in Wahrheit hat er dich regelmäßig verletzt. Er ist die Gefahr, nicht dein Leben ohne ihn.
Entscheide dich. Und dann geh durch den Schmerz. Auf der anderen Seite wartet das Leben. Da warten Farben. Und Licht. Die Freiheit zu atmen, zu tanzen und zu singen. Da wartet dein Ich!