Zitat von struppi:Lava, ich hab ganz am Anfang mal in Deinem Thread gepostet. Deine Mailerei und vor allem das Verbergen hat euch erst mal wieder auf Anfang gestellt. War bei mir ganz genauso. An ein Aufarbeiten war nicht zu denken, bevor der Kontakt ganz eingestellt wurde bzw. wenn, dann nur in voller Transparenz lief. Die Affäre meiner Frau kam Anfang Dezember 14 raus, bis Ende Januar 15 wurde ich jedesmal, wenn noch irgendein Treffen oder ein Telefonat nötig war, immer wieder auf Anfang gestellt. Was Deinen Mann betrifft, macht er MEINER MEINUNG NACH genau die Fehler, die ich damals gemacht habe. Lies Dir mal die Beiträge von Timeslider, Helgehe, Tundil, Haselschnasel oder Weisses Papier durch. Leider habe ich erst zu spät hier ins Forum gefunden.
Ich denke, dass habe ich aus den Threads der Genannten entnommen, der Schritt zu einer neuen Beziehung ist ungleich einfacher, wenn dem Betrügenden in der Zeit nach dem Auffliegen eine klare Kante gezeigt und ein deutlicher Abstand gezogen wird. Kuscheln gleich nach der Aufdeckung bringt nichts für die Aufarbeitung. Ich habe genau wie dein Mann, gleich nach dem Schock der Entdeckung aus purer Verlustangst den Verzeihenden, Verstehenden gegeben - hab mich zum Liebeskasper gemacht. Habe mich gleich ans Aufarbeiten gemacht. Bla, bla, ja ich hab da auch Schuld usw. Die Reaktion meiner Frau war so ähnlich, wie du es in den ersten Beiträgen beschrieben hast: Unglaube, was da passiert. Eigentlich müssten doch Teller fliegen, eigentlich verdiene ich doch anderes. Wieso schmeisst du mich nicht raus? Man gibt den, der souverän mit so einer Situation umgehen kann..
In Wirklichkeit, habe ich dabei aber zwei Fehler gemacht, die mir heute, 14 Monate nach Aufdeckung immer wieder Abstürze der allerfeinsten Art bescheren: Einmal habe ich mein ohnehin kaputtes Selbstwertgefühl durch diesen Kuschelkurs noch mehr in den Dreck ziehen lassen/selbst gezogen. Andererseits wird durch dieses "Wir schaffen das gemeinsam, bitte bleib, wir fangen neu an" dem Betrügenden die Möglichkeit eröffnet (ist bestimmt nicht bewußt), ohne klare Stellungnahme in der alten, sicheren Beziehung weiter zu machen. Hätte man klare Kante gezeigt, wäre erst mal auf Abstand gegangen, hätte deutlich gezeigt, dass auch eine Trennung durchaus realisierbare Option ist, hätte der Betrügende einen ersten aktiven, entscheidenden Schritt machen müssen. Hätte Position beziehen müssen.
Ich habs geschrieben, genauso hab ich es eben nicht gemacht, mehr so wie dein Mann. Im Ergebnis geht einem dann Monate später auf, dass man durch diese Kuschelei dem Partner ein klares Bekenntnis für die Ehe abgenommen hat. Bloß, versuche die mal Monate später einzufordern! Selbstzweifel, die eh schon nach so einem Betrug da sind, werden noch größer. "Bin ja doch nur zweite Wahl, bin der sichere Hafen, wer weiß wie lange, bestimmt nur bis sich was besseres findet usw." Ein Bekenntnis ist ja durch meinen ersten Schritt nicht mehr nötig. Genauso siehts bei der fehlenden klaren Kante aus. Ich habe den ersten Schritt gemacht, hab meiner Frau die Entscheidung abgenommen, sie muss nicht mehr aktiv tätig werden. Warum auch? Ist doch alles wieder so schön wie früher.
Im Ergebnis bin ich mit der Affäre meiner Frau allein. Ich habe die Selbstzweifel. Ich denke immer noch nächtelang drüber nach. Wie konnte sie mir das antun. Klar, meine Frau teilt mir immer wieder mal mit, wie unendlich leid ihr das alles tut, das sie nicht weiß, wie sie so abdriften konnte. Was sind ein paar geschriebene Worte, wenn gerade die Affäre über WA und FB begann, man genau mit diesen Medien bis zum Aufdecken für dumm verkauft, als paranoid hingestellt und ruhig gehalten wurde? Taten wären besser, die habe ich durch mein Verhalten nicht eingefordert. Was hätte ich mir mit dem Wissen von heute damals Anfang 2015 von meiner Frau gewünscht? Ja, ein klares Bekenntnis und eine aktive Rolle bei der Bekämpfung dieser Situation. Die Erkenntnis, dass eine Therapie, in welcher Form auch immer für uns, und vor allem auch für mich hilfreich ist. Hätte sie sich um so einen Termin gekümmert, wäre das ein für mich deutliches Zeichen gewesen. Das sich an uns als Paar was ändern muss, gemeinsame Zeiten usw.
Stattdessen habe ich durch mein Verhalten meine Frau in die komfortable Rolle des Konsumenten gestellt. Gemeinsame Zeit als Paar muss ich einfordern. Alle Versuche, meine Frau mal zu einer Therapie/Beratung zu bewegen, verlaufen dann im Sande. Ich bekomme jetzt noch aus heiterem Himmel ausgewachsene Heulkrämpfe. Sieht lustig aus, ein Kerl wie ein Bär, sportlich, beruflich erfolgreich, sitzt wie ein Häufchen Unglück da und flennt sich die Seele aus dem Leib. Und auch die Reaktion meiner Frau hierauf zeigt mir, dass sie zwar über meine Situation, dass was sie mir angetan hat, bestürzt ist. Aber eigentlich nur die Situation unangenehm ist und sie DIE Situation nicht wieder haben will: "Weinst bitte nicht mehr, gell?"
Klar, es hat sich viel geändert bei uns - zum Positiven. Wir reden viel mehr, über alles, vor allem über uns. Gefühle, Stimmungen usw. Aber ich habe auch große Angst, dass wir eines Tages wieder dort stehen wie im Sommer 2014.
Und so bin ich mit dieser schei. alleine, werd alleine den Weg in irgendeine Beratung suchen um nicht in eine ausgewachsene Deppression abzudriften. Es ist gut möglich, dass sich dein Mann ähnlich entwickelt in den nächsten Monaten. Nach deiner Schilderung ist er ziemlich gestrickt wie ich.
Danke - kann ich genau so unterschreiben!
Wir waren zwar 2 x zur Therapie, aber es kam jeweils was anderes raus!
Ich dachte dann auch, ich allein brauche eine Therapie, da ja die Sache für meine Frau längst Geschichte war!
Es ging dann auch ohne.
Aber ich glaube auch, wenn der Partner für sich diesen Ausweg aus der eingeschlafenen Beziehung (nicht hauptsächlich wegen 6, den gab es, sondern wegen sich nicht mehr geliebt fühlen, wegen zu wenig Bestätigung vom Partner, wegen Alltag, weil man midlifecrisis hat, ...) gesucht hat, handelt es sich um eine Person, die nicht reden kann/will und einfach nur ihre Probleme verdrängt - bis zu diesem gewissen Moment, wo alles passt!
Da ist dann plötzlich sooo viel Liebe da, Schmetterlinge, Gefühle - da waren sie überwältigt.
Und deswegen, wenn sie soweit waren, unsere Partner, hätten wir sie verloren in diesem Moment, hätten wir nicht gekämpft, uns irgendwie verbogen, um es zu retten!
Mit uns haben sie sich in der letzten Zeit nicht glücklich gefühlt, mit dem anderen schon. Sie hätten wohl nicht erkannt, dass sich alles nur in einer Blase ohne Alltag abgespielt hatte. Wären wir erstmal gegangen, damit sie sich klar werden, was sie wollen, wären sie weg gewesen - gefühlsgesteuert eben.
Erst mit der Zeit kam die Erkenntnis, mein Partner liebt mich ja doch! Erst dann konnten sie entscheiden, wie sie reagieren! Sie hatten uns nicht mehr gekannt, gefühlt! Es kommt sicher auch auf die Dauer der Ehe an, auf's Alter, auf die Dauer der Affäre, ob Kinder da sind (wobei das nicht ausschlaggebend sein darf), wie man sich entscheidet. Aber hätten wir nicht gekämpft, wären unsere Frauen wohl weg gewesen. Ich bin mir sicher, meine Frau hätte das dann irgendwann bereut (hat mal gesagt, das hätte sowieso nicht funktioniert), hätte zurück zu mir gewollt, nachdem sie Vergleiche im Alltag hatte, dieser Weg währe aber für mich nicht gegangen - entweder/oder!
Ich habe durch mein Verhalten (Verbiegen?) unsere Ehe gerettet - auch ein gutes Gefühl letztendlich.
Es kamen bei ihr eben viele ungünstige Umstände zusammen, die ich heute verstehen kann.
Dass sie fast gegangen wäre, obwohl sie ihrem AM immer sagte, sie würde sich nie von mir trennen, lag an der Situation, die sowas immer mit sich bringt.
Der Fremdgeher entzieht der eigenen Beziehung so viel Energie, dass diese unweigerlich schlechter wird - auf der anderen Seite steht nur Vergnügen, gute Stimmung, Verständnis!
All das gab es in der Hauptbeziehung (auch durch die Affäre) so nicht mehr!
Logisch, dass sich dann die meisten Frauen in der Situation von ihrem Partner trennen, wenn er dann erstmal geht, damit sie sich finden kann.
Die, die zur Affäre gehen, haben ja auch nicht die Chance, zu erkennen, dass ihr alter Partner wohl die bessere Wahl gewesen wäre. Viele sind mit dem Neuen dann glücklich, weil sie den Alten nicht mehr wirklich kannten/gespürt haben! Diese Chance haben wir unseren Partnern gegeben, unter Schmerzen!
Aber ich glaube, dass es sich gelohnt hat - für beide! Man muss dafür nur zwischen Verlustangst und Liebe unterscheiden können - ich liebe meine Frau und toleriere ihre Schwächen inzwischen (z.B. Ordnung im Haushalt, was immer ein Streitpunkt war). Entweder liebt man einen Menschen mit seinen Schwächen, so wie er ist, oder man lässt es - diese Erkenntnis kam auch erst nach dem Crash, leider!
Aber irgendwas musste passieren, damit wieder Liebe in die Beziehung kommt - für nur reden war es zu spät, konnte meine Frau auch nie, leider!
Aber auch das haben wir dadurch gelernt - reden, wenn man Probleme hat! Ich hoffe und glaube jetzt auch, meine Frau macht das, wenn sie sich in unserer Ehe nicht wohl fühlt!
Nochmal sowas geht nicht - für mich nicht und auch für sie nicht (so ein Gefühlschaos will sie nicht nochmal erleben und wegen dem Schmerz, den sie mir zugefügt hat). Genau in dieser Reihenfolge - Egoist eben, sonst hätte sie das auch nicht tun können! Aber egal! Sie ist wieder 100%ig bei mir - auch wenn ich eben den Anstoss geben musste und mich anfangs verbogen habe. Wir haben beide gewonnen, sie zu 100% und ich noch nicht ganz, weil mich die Sache eben noch beschäftigt, gelegentlich, aber immer seltener!
Wenn ich sie anschaue, verspüre ich Liebe - und nur so kann das funktionieren, denke ich!
Und die Zeiten, wo ich sie in den Himmel hebe, aus Angst, sie könnte gehen, sind vorbei!
Das war anfangs der Weg für mich - hat uns wohl damals gerettet!
Heute ist es wieder eine Beziehung auf Augenhöhe, mit Toleranz auf beiden Seiten für die Schwächen des anderen! Nur so kann es funktionieren und es geht uns besser, als vor der blöden Geschichte!
Man muss es als Weckruf für die Ehe sehen, beide! Und so fühlt es sich auch an!
Wir planen gemeinsam unsere Zukunft, Urlaube, .... Das konnte ich lange Zeit nicht (habe nur gefragt, was sie will). Jetzt ist wieder WIR wichtig und nur so geht es auch, denke ich!