Servus Pinky,
hier meine two cents und es wird vielleicht zunächst ein bissl grantig:
Ich weiß ja nicht, wie es Dir geht, aber ich kann diese Nummer, Du bist nicht zu dick, zu hässlich, zu klein, zu unerfolgreich, zu geschädigt, weil nämlich stell dir vor, der Hamster meines Schwippschwagers hat seine große Liebe gefunden, als er/sie es gar nicht mehr erwartet hat und deswegen, darfst weder Du noch jemand anders auch nur ein bissl mal ne realistische Einschätzung von sich geben, super nervig.
Es ist völlig ok, wenn man für sich selbst solche Geschichten als aufbauend empfindet, es ist einfach ziemlich daneben, auch wenn es mega gut gemeint ist, diese immer reflexartig herauszuhauen, weil man glaubt damit jemandem anderen etwas Gutes tun zu wollen, ohne sehen zu können, daß man selbst einfach nicht in der Lage ist, die zum Teil eben tragische Geschichte des gegenüber nur mal auszuhalten.
Fakt ist, wer gut ausschaut, recht viel in seinem Leben geschafft hat und gesund ist, kann ein unverbesserlicher Pessimist sein, aber die Chancen auf Partnerschaft sind nun mal höher, als mit gewissen Handicaps aber Optimismus an die Sache zu gehen.
Nicht von der Hand zu weisen, ist aber, daß Pessimismus nun mal keine Punkte bringt, schon gar nicht wenn man ein bissl schwer zu tragen hat.
Was mich zu meinem nächsten Punkt bringt: Jede noch so kleine Überlegung in Richtung, mah vielleicht ist das romantische monogamer Zweierideal, welches mir bisher nachweisbar (!) kein Lebensglück beschert hat, eher nicht für mich geeignet, sofort als "traurig" oder als "ach komm, gib doch zu, eigentlich wünschst du dir das" (Fuchs und Trauben) abzustempeln, ist wirklich, wirklich anstrengend. Und es ist gemein.
Ich, liebe Pinky, applaudiere Dir, weil du es nämlich genau richtig machst. Erstens nicht für jeden ist, "und dann wirst du geheiratet und dann ist alles toll", wahr, aber so viele, weil es uns so sehr eingetrichtert wird, suchen danach viel zu lange, um dann nur immer wieder mit dem Kopf durch die gleiche Mauer zu wollen.
Und zweitens, sich einfach mal auf sich selbst zu besinnen, sich zu sagen mah, Leute, ich habe Jahre meines Lebens damit verbracht, es wieder und wieder zu versuchen und es hat mich wirklich nicht glücklich zurückgelassen, ist Zeichen von Reife und Weiterentwicklung.
Es ist absolut ok, eine Phase oder eben eine Lebenseinstellung zu haben, die sagt, mah, ich höre auf, mich um dieses Lebensmodell zu bemühen, welches mir kein Glück gebracht hat. Ich höre auf, meinen Wert als Mensch im Beziehungsheil zu suchen, insbesondere als Frau.
Es ist so heilsam sich auf die Dinge zu konzentrieren und diese zu genießen, die da sind, ohne ständig aus denen etwas machen zu müssen (wollen), die uns andere vorgeben. Es ist toll, Sex zu genießen, ohne diesen als Mitte,l um den anderen in die Beziehungsform zu manipulieren oder zu zwingen, ansehen zu müssen. Es ist phantastisch tolle Gespräche zu führen, Freundschaftsdienste anzunehmen ohne sich ständig im Hintergrund zu fragen, welchen Status man beim anderen einnimmt.
Ich kann dieses, arbeite an Dir und sei Du selbst, dann wirst Du eines Tages den Hauptpreis "die romantische Zweierbeziehung" bekommen, nicht mehr lesen!
Denn der Hauptpreis ist, einfach nur ein ein bissl netteres, angstfreieres, lustigeres und entspannteres Leben zu führen, weil man einfach mit sich selbst ne Runde besser klar kommt.
Können wir bitte, bitte aufhören die romantische Zweierbeziehung als das Lebensziel für alle zu propagieren?
Können wir bitte, bitte damit aufhören, jedem, der das für den Moment, eine Zeit, eine Dekade oder eben für immer lebt, zu erzählen, daß er oder sie unvollkommen ist, wenn er/sie das nicht hat (Ergebnis des eines Tages wirst Du)?
Können wir auch bitte, bitte aufhören, einem Menschen, der das für sich so sagt, sofort zu unterstellen, er würde sich nur mit den zu tief hängenden Früchten abgeben?
Denn seien wir ehrlich, es gibt Dinge, die werden nicht wieder gut, es gibt Ereignisse, Voraussetzungen, Kindheiten und einfach das Leben, welche passieren und dann ist zu sagen, wisst ihr was, seit dem ich aufgehört habe, diesem einen Ding nachzujagen, habe ich so viel mehr Zeit und Freiraum, für mich ist der zweite Platz kein Trostpreis sondern Lebensglück.
Meine Perspektive ist folgende, seit dem Katzenglück aka Pinki aufgehört hat, sich darum zu drehen, ihre Wunden durch das Pflaster des romantischen Zweierglücks "heilen" zu wollen, nimmt sie ihre Gesundheit wahr, erlebt kleines Glück und ist durch und durch so viel weniger feindselig.
Mal ehrlich, glaubt irgendjemand, daß in 12 Romanen und 20 Kurzgeschichten die ausgesprochen bissige Miss Marple, in ihrem hübschen eigenen kleinen Cottage wohnend, und auf Augenhöhe mit den höchsten von Scotland Yard plaudernd auch nur einmal den Satz gesagt hätte, schade, daß ich mich nicht um den drittklassigen Typen bemüht hätte, sonst wäre ich vielleicht doch geheiratet worden?
Männer und Beziehungen sind etwas sehr, sehr feines. Aber nicht für jede, jeder Zeit und nicht jede bringt die Voraussetzungen mit, die es braucht, den richtigen auszusuchen, eine Beziehung glücklich zu gestalten und sich eben nicht ständig schlecht behandeln zu lassen. Das bedeutet aber nicht, daß es da nicht ein ganz, ganz tolles Leben zwischen aufregenden Begegnungen, schönen Freundschaften, ständig Miss Marple Style die Nase in fremde Angelegenheiten steckend, beruflichem Erfolg, Rosen züchten, Tiere retten oder einfach nur glücklich auf dem Sofa Kuchen essend geben kann.
Wie sagt meine Freundin immer so treffend, man kann auch keine Kinder haben und keine Karriere.
Also, ich bin natürlich die erste, die auch hinterfragt, bin ich für bekannt. Aber mir geht das so am Nerv, das jeder permanente oder vorübergehende Ausflug zu mah was gibet denn sonst noch außer in einer Beziehung sein, immer zu so einer Du willst es doch, aber Du kannst es nicht zugeben Nummer verkommt, da ergreife ich hier einfach mal Partei.
Nicht jede aufgrund verschiedener Dinge ist von Anfang an ihr eigener Prinz, aber jede hat das Recht und meine Unterstützung wenn sie gedenkt ihre eigene Miss Marple zu werden.
In diesem Sinne Pinky, mach mal. Ich lese mit und wie immer sichere ich Dir Unterstützung und Widerspruch zu. Bei zu vielen Kochrezepten steige ich hin und wieder aus, noch habe ich kochen nicht als Hobby entdeckt.
You go!