Hey Ennovy,
bei allem, was du schreibst, hab ich gedacht, dass du erst einmal wieder lernen musst Dich über jede Geste von ihm zu freuen. Das ist eine Sache, die ich auch lernen musste, aber inzwischen gelernt habe. In einer Beziehung ist alles selbstverständlich, es ist selbstverständlich, dass man 100mal am Tag mit dem anderen schreibt, abends telefoniert oder den Abend zusammen verbringt, egal, ob man eigentlich zusammen wohnt oder nicht. Es ist selbstverständlich, dass jede freie Minute mit seinem Partner geteilt wird. Aber das ist nicht selbstverständlich, manchmal braucht der Partner einfach mal Zeit mit seinen anderen Freunde, mit seinen Eltern oder auch einfach mal Zeit für sich – eine ruhige Minute. Du darfst nichts davon als „selbstverständlich“ ansehen und vor allem nicht, dass es falsch ist, wenn es nicht so ist. Nur weil er Dir nicht schreibt, heißt das nicht, dass er nicht an Dich denkt. Führ Dir das bitte vor Augen. Ich musste daran denken, was Till mal zu mir gesagt hat, als ich ihm ein P.S. hinter einer anderen Nachricht hinterher schickte: „Ich hab Dich lieb!“, weil ich es in der vorherigen nicht geschrieben hatte. Er hat zurückgeschrieben: „Darf ich das nicht immer denken, auch wenn du es nicht schreibst?“ Und genauso ist es. Nur weil der andere Dir nicht schreibt oder Dir nicht immer sagt, wie lieb er Dich hat, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass es nicht der Fall ist. Mach Dich frei von diesem Gedanke. Freu Dich lieber über jedes Mal umso mehr, wenn er sich meldet – da hast du viel mehr von.
Und gestern hattet ihr doch dann einen schönen Abend und er hat von sich aus gefragt. Das ist doch perfekt. Lerne das wieder schätzen zu können und es nicht als negativ anzusehen, wenn es mal nicht so ist, sondern freue Dich über schöne Momente und verfluche nicht die Momente, die du ohne ihn verbringst/verbringen darfst.
Das mit dem langsam angehen, verstehen viele nicht. Ich tue mir da zeitweise auch ein wenig schwer, aber wenn er emotional unsicher ist oder einfach etwas langsamer, dann braucht er unter Umständen einfach wirklich wieder die Zeit, um zu merken, dass er sich bei Dir wieder 100% wohl fühlen kann, dass er mit Dir glücklich sein kann. Sei Dir darüber bewusst und zerrede es nicht. Damit setzt du ihn unter Druck. Natürlich kannst du es mal ansprechen, aber nicht jeden Tag, bei jedem Treffen. Lass ihn erst selbst wieder mit euch sicher sein. Du kannst nichts anderes machen als dass er sich wohl fühlt bei Dir. Aber verstell Dich dafür bitte nicht! Sonst wirst du in dieser Beziehung nie wirklich glücklich werden…deswegen meinte ich gestern auch, höre bitte auch in Dich rein, ob sich das gut und richtig anfühlt im Moment.
Und auch das mit Pflegeurlaub und dass er es mit seinem Vater und nicht mit dir gemacht hat. Interpretier da nichts Böses rein. Vielleicht wollte er Dich damit entlasten, weil du Dir dann nicht frei nehmen musstest oder es fühlte es für ihn einfach richtig an, das mit seinem Vater zu machen. Aber leg nicht alles negativ gegen Dich aus. Oder gegen euch. Wie gesagt – erfreue Dich eher an den Gelegenheit, wenn ihr zusammen seid als, dass du dich über die ärgerst, wenn ihr dies nicht seid. Lerne diese Momente bitte zu schätzen. Du tust Dir selbst damit einen irren großen Gefallen, machst Dich lockerer und weniger abhängig und vor allem bist du nicht mehr sooft traurig und niedergeschlagen.
Und das mit dem Festival – so what? Dann sind halt Freunde von ihm mit. Das hält Dich doch nicht auf eine schöne Zeit zu haben. Er möchte das Festival vielleicht nicht nur mit Dir, sondern auch mit seinen anderen Freunden teilen, aber das heißt doch nicht, dass du ihm unwichtig sein musst. Wie gesagt – leg nicht alles negativ aus^^.
Dass mit dem nicht mehr Bescheid geben, finde ich allerdings doof. Er hätte ja sagen können, nein heute schlaf ich nicht bei Dir. Wäre ja in Ordnung gewesen, aber er sollte sich schon melden, wenn er es sagt. Das ist auch eine Sache, die ich ansprechen würde, weil du sonst in dieser Warteposition bist. Betone aber dabei vielleicht auch, dass auch ein nein eine mögliche und eine Antwort ist, die in Ordnung ist, aber er soll es Dir bitte sagen. Das ist eigentlich das Einzige, was ich wirklich von deinem Post auch ansprechen würde.
Ich weiß, das willst du nicht hören, aber – es wird nicht mehr so wie früher. Du musst Dir deine Unabhängigkeit erhalten und gönne ihm auch seine. Nur weil ihr beide euren Weg geht, heißt das nicht, dass ihr ihn nicht auch zusammen geht. Eng ihn nicht ein. Das musst Du Dir zu Herzen nehmen – er hat sein Leben und du deins. Außerhalb von euch. Deswegen will er es wahrscheinlich auch langsam angehen lassen, weil er Dir nicht glaubt, dass du das wirklich akzeptieren kannst. Zeige es ihm, dass du es kannst. Bzw. frag Dich vorher für Dich – kannst du es? Bist du dann ehrlich zu Dir selbst? Wieder ein Punkt, an dem du in Dich reinhören musst. Ich geb deiner Freundin voll und ganz recht. Ihr dürft nicht in das alte Schema fallen – es muss wenn ein Neuanfang sein und nicht die Weiterführung eurer alten Beziehung.
Du bist in den beschriebenen Situation teilweise wirklich zwanghaft und damit übertreibst du es auch. Du solltest probieren es lockerer zu sehen, lockerer zu werden, weil sonst wird es wahrscheinlich mit euch scheitern. Jedoch muss Dir klar sein, du darfst das nicht nur für ihn und für euch machen, du musst es auch ernst meinen und selbst damit glücklich sein. Hör in Dich rein. Kannst du das? Willst du das? Passt eure Vorstellung einer Beziehung gerade noch zueinander?
Mehr kann ich Dir nicht raten. Du musst Dich wirklich fragen, ob du es ehrlich langsam angehen kannst und ob du so glücklich sein kannst. Du darfst Dich nicht quälen, weil dann ist die Basis eurer Beziehung, dass du dich verstellst und das ist keine Basis. Beobachte die Situation noch ein bisschen und entscheide für Dich auch, ob es das ist, was du möchtest.
Liebe Grüße
Luzifel