Vor ihr (die nun Ex, Ex) war sie (die Ex, Ex) nach eigener Aussage nur mit Männern zusammen gewesen, die ihr nicht gutgetan hatten. Einer davon saß sogar wegen einer schweren Straftat im Gefängnis. Sie sagte immer, dass sie sich endlich eine echte Beziehung mit einem guten Menschen wünsche.
Sie kannte mich sehr gut, da sie früher die beste Freundin meiner Schwester war. Über viele Jahre hatten wir keinen Kontakt mehr, bis wir uns aus einem bestimmten Anlass wieder begegneten. Dadurch kamen wir erneut ins Gespräch.
Sie erzählte mir täglich, wie schlimm ihre damalige Beziehung gewesen sei. Sie berichtete von Traumata, therapeutischen Behandlungen und davon, ständig in Angst gelebt zu haben. Zu diesem Zeitpunkt war ich Single und hatte selbst gerade eine siebenjährige Beziehung hinter mir. Ich war für sie da, hörte ihr zu und ging immer mehr auf sie ein.
Mit der Zeit suchte sie zunehmend meine Nähe, und irgendwann entwickelte sich daraus eine Beziehung. Wie ich bereits erwähnt habe, war ich während der „On“-Phasen angeblich das Beste, was ihr je passiert sei. Sie zeigte mir das auch immer wieder. Doch sobald sich nach mehreren Monaten eine „Off“-Phase ankündigte, wurde ich behandelt, als wäre ich ein Niemand gewesen – als hätte ich nie existiert.
Das löste meine Verlustängste aus. Ich verstand die Welt nicht mehr und hatte oft nicht einmal einen Monat Zeit, um mich zu erholen, bevor sie wieder zurückkam. Nach jedem Kontaktabbruch dauerte es länger, bis sie sich erneut meldete – am Ende teilweise bis zu drei Monate. Jedes Mal schwor ich mir, dass ich diesmal Nein sagen würde. Doch wenn sie wieder auftauchte, konnte ich es nicht. Es fühlte sich an wie eine Sucht.
Am Ende stellte sich heraus, dass sie während unserer Beziehung weiterhin Kontakt zu ihrem Ex hatte und ihn sogar bereits hinter meinem Rücken getroffen hatte.
Wie bereits erwähnt, war ich danach über Monate in Therapie. Ich machte viel Sport und nahm mir fest vor, nie wieder eine solche Situation in mein Leben zu lassen und künftig klare Grenzen zu setzen.
Irgendwann lernte ich dann die nächste Frau kennen. Wie so oft waren die ersten Monate nahezu perfekt. Diesmal überschüttete sie mich regelrecht mit Liebe. Doch innerlich war ich noch nicht bereit für eine neue Beziehung. Nach einem langen Gespräch zog ich mich deshalb zunächst zurück.
Mein Fehler war, dass ich mich nach drei bis vier Monaten wieder bei ihr meldete. Sie antwortete sofort, und so begann alles erneut. Da ich mir jedoch vorgenommen hatte, meine Grenzen konsequent zu schützen, zog ich mich immer wieder zurück. Genau das konnte sie nie akzeptieren, weshalb es immer wieder zu Situationen kam, die Ihnen bereits bekannt sind.
Warum ich Dinge zugelassen habe, bei denen die meisten Menschen längst gegangen wären, kann ich mir heute nur durch die Punkte erklären, die ich zuvor genannt habe. Hinzu kommt vermutlich, dass mein Kopf und mein Körper bereits über Jahre an eine toxische und belastende Beziehungsdynamik gewöhnt waren. Und genau deshalb, weil ich immer wieder versucht habe, Grenzen zu setzen – auch wenn ich sie leider nicht konsequent genug durchgehalten habe –, wurde mir ständig vorgeworfen, ein Monster zu sein. In ihren Augen bedeutete jede Grenze, jede eigene Entscheidung und jedes Bedürfnis meinerseits automatisch Ablehnung.
Immer wieder sagte sie mir, niemand dürfe sie ablehnen, niemand dürfe sie wegdrücken. Sie wollte nur eines sehen: dass sie das Wichtigste in meinem Leben ist. Und dieses Gefühl wollte sie jeden einzelnen Tag spüren – egal, was gerade passiert ist oder welche anderen Verpflichtungen, Menschen oder Probleme es gab. So kam es immer wieder vor, dass ich das Gefühl hatte, mich beinahe zwischen ihr und meiner Familie entscheiden zu müssen.
Und manchmal frage ich mich nur eines: Was wäre eigentlich passiert, wenn ich niemals versucht hätte, Grenzen zu setzen? Was wäre geschehen, wenn ich tatsächlich der Mensch gewesen wäre, als den sie mich dargestellt hat? Wenn ich sie ständig beleidigt hätte oder, im schlimmsten Fall, sogar körperlich verletzt hätte? Was wäre passiert, wenn ich jedes Mal, wenn sie eine Grenze gesetzt hätte, mit Trennung gedroht hätte oder noch Schlimmeres getan hätte? Wäre das in ihrem Universum dann normal gewesen?
Dieser unstillbare Drang nach Aufmerksamkeit, Liebe, Nähe und täglicher Bestätigung war irgendwann allgegenwärtig. Das Bedürfnis, jeden Tag zu hören, wie schön sie ist, wie besonders sie ist, dass sie das Beste sei, was mir jemals passiert ist, dass keine andere Frau existiert außer ihr. Tägliche Komplimente. Ständige Erwartungen. Immer wieder dieselben Forderungen: „Du musst, du musst, du musst.“
Und vor allem musste ich mich ständig für Dinge rechtfertigen, die ich nicht einmal nachvollziehen konnte. Für die Art, wie ich etwas gesagt habe. Für die Art, wie ich geschaut habe. Dafür, dass ich etwas nicht gesagt habe. Manchmal hatte ich sogar das Gefühl, mich dafür rechtfertigen zu müssen, wie ich atme.
Ich glaube, hätte ich diesen Weg weiter beschritten, hätte ich mich irgendwann selbst aufgegeben. Stück für Stück. Bis von mir nichts mehr übrig geblieben wäre außer jemandem, der nur noch versucht, Erwartungen zu erfüllen und Konflikte zu vermeiden. Und dabei hätte ich am Ende mich selbst für immer verloren.