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Meine neue Arbeit- Langeweile ohne Ende

Gorch_Fock

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Die lieben Akademiker... ich hab um die Jahrtausendwende mal nen guten Vortag von Michael Friedmann zum Thema Eliten an unserer Uni gehört. Ein wichtiger Punkt war, dass es auch Leute geben muss die das Pult bauen, an dem er gerade spricht. Und dafür auch die notwendige Anerkennung gebührt.
Der Job klingt in der Tat recht langweilig. Du tauscht Lebenszeit gegen Geld. Du könntest Deine Zeit daher sinnvoller verbringen, z.B. Weiterbildung.

08.05.2022 13:40 • x 1 #31


aquarius2

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@Fanta1
Du musst mit dem Job klarkommen, nicht ich und auch sonst niemand anders. Bei mir ist es gerade komplett umgekehrt. Ich weiß nicht wo mir der Kopf steht, Work Life Balance kannst du vergessen und inzwischen geht sich das Team, was sich sonst immer gegenseitig gestützt hat an die Kehle oder Leute bekommen auf der Arbeit einen Nervenzusammenbruch!
Ich orientiere mich gerade um, denn sowas mache ich nicht bis zur Rente mit. Gute Seele, ja es könnte sein, dass irgendwann Mal einer der Akademiker oder seine Teamassistentin an dich ran tritt ob du nicht netterweise einen Flug für ihn buchen kannst, für seine Frau Blumen besorgen, die Sachen in die Reinigung bringen oder mit den Hund eine Gassirunde machen kannst, wenn es denn Hundearbeitsplätze gibt. Oder ein Mitarbeiter hat geheiratet und du besorgst ein Geschenk, wie gesagt ich würde mit sowas rechnen...
Eine Bekannte arbeitet in einer Bank, da haben die Chefs auch Assistenten die wissen wann der Chef geheiratet hat, wann die Familienmitglieder Geburtstag haben und wohin sie verreisen, wo sie wann essen gehen, welche Blumen sie gerne auf dem Tisch haben etc.
Diese Assistenten bekamen ein Blackberry oder Smartphone und die wurden teilweise in ihrer Freizeit noch angerufen...

08.05.2022 15:35 • x 1 #32



Meine neue Arbeit- Langeweile ohne Ende

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Fanta1

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Um den Kollegen jetzt nicht ungerecht zu werden muss ich dazu sagen, dass die wirklich übermäßig freundlich sind, niemand hat auch nur im Geringsten auf mich herab geschaut, ganz im Gegenteil, man merkt förmlich, wie sich jeder noch fast überbieten möchte, besonders nett zu sein, um bloß nicht in den Verdacht zu geraten, aufgrund seiner akademischen Ausbildung überheblich rüberzukommen. Dennoch fühle ich mich ausgeschlossen und zwar nicht dieses Fremdeln, das wohl jeder Neue am Anfang in einer neuen Firma hat. Das kenne ich natürlich auch, das legt sich dann ja nach und nach aber dieses Mal ist es anders, ich merke einfach sehr deutlich,dass ich in dieser Firma einen Sonderstatus habe. Ich bin die einzige ohne Büro, die einzige, die nur ein paar Stunden pro Tag kommt , die einzige, die keinen richtigen Vorgesetzten hat und in keine richtige Abteilung gehört, die einzige, die keinen eigenen Haken für ihre Jacke und Tasche hat...etc.... ich fühle mich nicht als Teil eines Teams sondern fast wie jemand aus einer Leiharbeiterfirma, der abbestellt ist, um da ein Mal am Tag ein bisschen klar Schiff zu machen.

Dass die im Büro arbeiten und ich eine körperliche Arbeit mache, stört mich null. Dafür habe ich mich beworben, das ist nun mal meine Aufgabe, die haben andere Aufgaben in der Firma und ich beneide sie keineswegs darum. Ich habe schon oft im Büro gearbeitet, auch durchaus anspruchsvolle Stellen mit einer gewissen Verantwortung und ich weiß, dass das kein Zuckerschlecken ist. Man nimmt oft Arbeit im Kopf mit nach Hause und macht sich Gedanken über Projekte, die man am nächsten Tag in Angriff nehmen muss und die eventuell Schwierigkeiten bereiten. Man bekommt ständig irgendwelche neuen Vorschriften und Regeln, muss gewisse Zahlen bringen und sich verantworten, wenn das nicht gelingt. Auch das ständige Telefonieren, das stundenlange Sitzen vorm PC- ich möchte es nicht mehr machen und habe ja den direkten Vergleich zu den Indianer-Jobs und die sind mir mittlerweile lieber. Wenn du deine Arbeit fertig hast, hast du sie fertig und gehst nach Hause, du bist in Bewegung, kannst dich körperlich auspowern und die Kollegen sind meiner Ansicht nach einfach lustiger- hauen Sprüche raus, dass man sich biegt vor Lachen, motzen auch mal rum, alles ist irgendwie lockerer. Bei dieser Stelle- und das gebe ich ehrlich zu, das habe ich vorher nicht bedacht- habe ich keine Kollegen, mit denen ich Witze machen kann, ich bin allein, ich kann mich mit niemandem austauschen, der die gleiche Arbeit macht wie ich . Es kommt also zu der frustrierenden Nichtbeschäftigung und dem damit verbundenen Gefühl, gar nicht gebraucht zu werden auch noch das Gefühl der Isolation hinzu. Das hatte ich bisher auch noch nie- egal wo ich bislang beschäftigt war und egal wie kacke man seinen Job gerade fand, man hatte immer Kollegen mit denen man in einem Boot saß und denen es auch nicht besser ging.

Die nächste Woche schaue ich mir das ganze nochmal an, vielleicht wird es wirklich besser, wenn ich meinen eigenen PC bekomme, aber ich wage es zu bezweifeln und sollte alles beim Alten bleiben werde ich von meinem Recht Gebrauch machen, in der Probezeit mit ganz kurzer Kündigungsfrist zu kündigen, vielleicht überdenken sie dann mal ihre Stellenbeschreibung.

08.05.2022 15:41 • x 4 #33


Jane_1

Jane_1


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Zitat von Fanta1:
Nein, ich bin und war immer eine fleißige, zupackende, schnelle und effektiv arbeitende Kollegin, Teamplayer, in der Lage dazu, unter größtem Stress viel wegzuarbeiten.

Geht mir genauso und ich arbeite aber auch schon mein ganzes Leben in stressigen und verantwortungsvollen Jobs (inkl. intensive Gastro-Erfahrung als Studentin ), in denen ich nicht merke, wie die Zeit vergeht.
Wo ich aber auch durchaus nach Job-Ende völlig ausgepowert bin. Es ist ein ständiger Balanceakt work-life im Gleichgewicht zu halten. Aber: es macht mir Spaß und befriedigt mich, dass ich GUT bin, dass ich einen wichtigen Beitrag leiste.

Daher kann ich dich sehr gut verstehen, bore-out würde mich auch wahnsinnig machen. Auch wenn es sich erstmal sehr entspannt anhört.

Aber du scheinst finanziell nun nicht unbedingt auf diesen einen Job angewiesen zu sein.
Schau es dir noch ´ne Woche an, wenn sich nichts ändert, würde ich das bei HR ansprechen, dass du dich zu Tode langweilst (finde, das darf man auch ruhig so offen sagen). Und dass du kündigen wirst, wenn sich da nichts tut.

08.05.2022 15:58 • x 2 #34


Fanta1

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Zitat von Jane_1:
Schau es dir noch ´ne Woche an, wenn sich nichts ändert, würde ich das bei HR ansprechen, dass du dich zu Tode langweilst (finde, das darf man auch ruhig so offen sagen).

Das hatte ich ja bereits am Donnerstag getan, zuerst in der HR und dann nochmal bei meiner direkten Vorgesetzten. Und ich habe wortwörtlich gesagt, dass ich bekloppt werde, wenn ich keine Arbeiten bekomme, dass ich derzeit 6 Mal mit dem Lappen über die gleiche Stelle gehe um so zu tun als wenn ich arbeiten würde und dass ich mich zu Tode langweile. Ich denke, noch deutlicher kann man es kaum sagen. Daraufhin hat ja die Vorgesetzte veranlasst dass ich einen PC bekomme und hat meine Kollegin aus dem 1. stock damit beauftragt, eine Aufgabenliste zu erstellen. Die HR-Dame kam dann am Freitag nochmal zu mir und meinte, wenn ich Arbeit haben wolle dann brauche ich nur zu Frau G. zu gehen, diehätte eine ellenlange Liste für mich und Langeweile sollte damit wohl der Vergangenheit angehören. Also auf den ersten Blick haben beide sofort reagiert um meine Situation zu verbessern. Auf den 2. Blick allerdings ist beides blinder Aktionismus ohne Sinn gewesen . Die ellenlange Liste mit Arbeiten entpuppte sich als Witz-Liste mit lauter völlig sinnlosen oder nur sehr sporadisch mal vorkommenden Aufgaben, die zudem überwiegend dann auch noch in einer Minute erledigt sind ( schauen ob die Putzfrauen richtig geputzt haben- obwohl diese laut Aussage völlig korrekt arbeiten und es nie Probleme gab.... oder Catering organisieren was auf Nachfrage 2 Mal im Jahr vorkommt... und so geht die Liste munter weiter). Auch der PC ist ja gut und schön aber wenn als einziger Arbeitspunkt für mich das Bestellen der Küchenutensilien ist ( ein Mal die Woche, geschätzt ca. 10 Minuten Arbeitsvolumen), bringt der mich auch nicht weiter außer dass man vielleicht mal heimlich privat surfen kann.

Ich muss mich morgen dazu zwingen, einfach nochmal offen und positiv dorthin zu gehen, aber ich kenne mich eigentlich: wenn ich ein Mal im Kopf eigentlich schon durch bin mit dem Thema, dann dauert es nicht lange, bis ich die Reißleine ziehe. Bin gerade selber gespannt, wie lange ich noch durchhalte.

08.05.2022 18:23 • x 2 #35


Jane_1

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Ok, hatte das anscheinend überlesen.
Ja, dann schaue es dir und wenn sich nichts ändert, ziehst du halt die Reßleine und suchst dir etwas anderes.
Bin gespannt, was du zu berichten hast!

08.05.2022 19:13 • x 1 #36


Gorch_Fock

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Also fassen wir mal zusammen:
- Du machst einen fast sinnfreien Job, der sich in einer Mischung aus Reinigungskraft / Thekenkraft / Eventkraft ergibt.
- Du hast keinen ausfüllenden Arbeitsbereich.
- Dazu bist Du weder organisatorisch noch kollegial irgendwo angebunden.
- Du hast in der Tat den Status einer Leiharbeitskraft. Da wüsstest Du aber zumindest, wo Du hingehörst und hättest dort Ansprechpartner. Dazu scheint das ganze Arbeitsumfeld (Glaskasten, kein Rückzugsort, kein eigenes Küchenbüro, etc.) absolut ungeeignet.
Dazu gehören zur Berufszufriedenheit auch Team-Kollegen. Ebenfalls fehl am Platze. Ich würde mir das max. noch 1-2 Wochen anschauen und dann in der Probezeit kündigen. Hier fehlen in der Tat die Strukturen. Es ging wohl einfach darum, die vorhandenen Kräfte um Routinetätigkeiten zu entlasten. Dazu hätten aber alle Aufgaben überprüfte werden müssen (Du bist zuständig für alle Stockwerke, alle Küchen, Kaffeeautomatenbestückung, etc.).
Und was heißt PC hinstellen? Darfst Du darauf dann Solitäre spielen? Das bedeutet ja auch ergonomischer Arbeitsplatz, Beleuchtung, etc. Und wohin das Ganze? In den Konferenzraum?

08.05.2022 20:47 • x 4 #37


Fanta1

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Super zusammen gefasst . Wenn man es so auf den Punkt gebracht liest, wird es einem noch viel klarer. Du hast vollkommen Recht, bei einer Leiharbeitsfirma hätte ich wenigstens einen Ansprechpartner und vorher festgelegte Arbeitszeiten und auch echte Kollegen.

Ich warte diese Woche noch ab, dann werde ich ja den PC bekommen . Der wird in das Büro von Frau G. gestellt ( die mit der ellenlangen Liste), also ihr direkt gegenüber, was nochmal zusätzlich ein Unwohlsein-Faktor ist weil ich ja nun jedesmal in IHR Büro muss, um was am PC zu schauen und da diese Bürotür ständig geschlossen ist, ist es sowieso jedes Mal eine kleine Überwindung anzuklopfen, sie bei der Arbeit zu stören , um was zu fragen . Nun ständig dort ein und aus zu spazieren, halte ich für völlig unmöglich ohne ihr zur Last zu fallen. Sie ist es gewohnt, ein Büro allein zu haben und wird nicht begeistert sein, dort jetzt einen Dauer On-Off-Gast zu haben. Bedeutet für mich also : ohne dass ich mich selber schlecht fühle, kann ich dort maximal ein Mal am Tag für ein paar Minuten hin.

Wie der heutige Tag läuft, ist für mich ziemlich entscheidend. Gibt es Bewegung in irgendeine Richtung? Stellt mir die IT heute wirklich den PC hin oder haben sie wieder zu viel zu tun- so wie Freitag? Laufe ich nach den ersten 10 Minuten Routine-Arbeit wieder rum wie Falschgeld ? Da ich Donnerstag und Freitag ja mehr als deutlich klar gemacht habe, dass ich unter diesen Umständen total gelangweilt und unzufrieden bin, müsste ja eigentlich klar sein, dass ich das nicht lange mitmache. Wenn sich trotzdem nichts bewegt, ist das ja auch ein Statement in Richtung: bleib zu unseren Bedingungen oder geh !

09.05.2022 04:53 • x 3 #38


Catalina

Catalina


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Zitat von Fanta1:
dann werde ich ja den PC bekommen . Der wird in das Büro von Frau G. gestellt ( die mit der ellenlangen Liste), also ihr direkt gegenüber, was nochmal zusätzlich ein Unwohlsein-Faktor ist weil ich ja nun jedesmal in IHR Büro muss, um was am PC zu schauen

Naja, vielleicht freut sie sich ja auch, wenn sie jemanden hat, mit dem sie zwischendurch mal quatschen kann. Alleine im Büro zu sitzen stelle ich mir sehr eintönig vor und ich wäre froh über (nette) Gesellschaft.

Außerdem wäre es dann ja auch dein Büro, wenn dein PC da steht.

Aber insgesamt klingt es so, als ob man sich vor der Stellenausschreibung kaum Gedanken darüber gemacht hat, welche Aufgaben derjenige dann hat und wie und in welchem Rahmen diese zu erfüllen sind. Und jetzt wird mit der heißen Nadel schnell was zurechtgestrickt. Bin gespannt, wie und ob sich das entwickelt...

09.05.2022 15:50 • x 1 #39


Fanta1

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Zitat von Catalina:
Naja, vielleicht freut sie sich ja auch, wenn sie jemanden hat, mit dem sie zwischendurchn mal quatschen kann

Das ist eher unwahrscheinlich. Sie hätte ja in der letzten Woche jeden Tag die Gelegenheit dazu gehabt. Sie braucht nur in die Küche zu kommen und sich einen Kaffee zu holen- ich stehe ja immer da ( untätig). Sie hat aber die Tür grundsätzlich geschlossen, ich fand das nicht gut, das demonstriert irgendwie immer bitte nicht stören.

Zitat von Catalina:
Aber insgesamt klingt es so, als ob man sich vor der Stellenausschreibung kaum Gedanken darüber gemacht hat, welche Aufgaben derjenige dann hat und wie und in welchem Rahmen diese zu erfüllen sind. Und jetzt wird mit der heißen Nadel schnell was zurechtgestrickt.

Ganz genau so ist es. Wurde mittlerweile mehr oder weniger zugegeben.

Zitat von Catalina:
Bin gespannt, wie und ob sich das entwickelt

Und wie sich da was entwickelt hat . Nachdem heute kurz nach Ankunft alles wie immer war, fragte ich mal nach, was denn mit dem PC sei. Jaaaa, der IT-Mensch ist LEIDER jetzt erst mal im Urlaub...Ich bin dann LEIDER sofort in die Personalabteilung und habe gekündigt . Der HR-Dame fiel die Kinnlade runter, sie wurde ganz hektisch, sprang auf, sprintete in den Nebenraum zu ihrem Chef, dem Personalleiter und dieser bat mich dann in seinen Raum und schloss die Tür hinter uns. Also, man merkte sehr deutlich, dass das in dem Laden glaube ich ein ganz großes DIng ist, wenn einer kündigt und dass die das um jeden Preis vermeiden wollen- keine Ahnung, warum. Der Personalleiter- wie könnte es anders sein- war super-super freundlich, wirklich ein außerordentlich angenehmer, empathischer Mensch. Ich schilderte ihm alles so wie ich es euch hier im Forum erzählt habe, er hatte großes Verständnis, war fassungslos, meinte das sei ÜBERHAUPT nicht in seinem Sinne, dass Mitarbeiter da wie Falschgeld rumstehen und nichts zu tun haben und dass man ihm damals gesagt habe, dass man händeringend Personal brauche, dass die Arbeit viel zu viel sei und dass auch 2 Stunden täglich eigentlich zu wenig sei und man lieber eine 4 Stunden-Kraft haben wolle aber dass er ( also der Personalleiter) gesagt habe, man fange erstmal mit einer kleinen Stelle an. Der war echt fertig, sagte, er bedauere das zutiefst, zumal er mich jetzt kennengelernt habe und jemand wie ich extrem schwierig auf dem Arbeitsmarkt zu bekommen sei und ob es Sinn machen würde, wenn er nochmal mit denen unten redet, ob ich es mir nochmal anders überlegen würde. Ich sagte, ich sehe da keinen Sinn mehr drin, weil dann wieder ein blinder Aktionismus ausbrechen würde und man weitere völlig unnötige Dinge aufzählen würde, die ich machen könne und dass diese Stelle einfach komplett undurchdacht sei. Er sah das alles ein und entschuldigte sich 1000 Mal bei mir und dann war ich weg. Bin sofort zur AA gefahren und habe mich alo gemeldet, morgen ist dann persönlicher Termin um 10 Uhr.


Es dauerte keine ganze Stunde, da rief auf einmal meine direkte Vorgesetzte an. Bat mich inständig, ihr noch eine Chance zu geben ( ich glaube, die hat vom Personalleiter richtig Stoff gekriegt, anders kann ich mir ihr devotes Verhalten nicht erklären), sie würde sich jetzt RICHTIG Gedanken zu meiner Stelle machen, so etwas würde nie wieder passieren und ob ich ihr nicht die Chance geben würde, dass wir uns Mittwoch nochmal treffen und sie mir in aller Ruhe erklären kann, wie sie mich demnächst einsetzen möchte. Ich könne es mir dann trotzdem gerne noch zwei Tage überlegen, ob mir das zusagt, sie wolle nur die Möglichkeit bekommen, nochmal das neue Konzept vorzustellen. Alter Schwede, dachte ich, so ein Aufriss wegen einer popeligen Aushilfs-Stelle knapp über Minijob-Niveau, was ist denn hier los ? Da sie immer sehr nett war ( wie alle da), sie möglicherweise richtig Ärger kriegt, wenn sie dem Personalleiter nicht zumindest den Teilerfolg verkünden kann, mich nochmal zu einem Treffen bewegt zu haben und weil ich neugierig bin, was sie mir da vorstellen will, gehe ich Mittwoch morgen nochmal hin , ich habe ja jetzt Zeit. Dass sie mich nochmal überzeugen kann, halte ich jedoch für extrem unwahrscheinlich, ich habe jetzt eigentlich innerlich abgeschlossen und werde mich auch definitiv morgen ganz normal beim Termin arbeitslos melden ( heute war nur die Kurzmeldung ohne Termin) und einen Antrag auf ALG 1 ausfüllen ( was mehr als doppelt so hoch sein wird als das GEhalt, das ich jetzt bezogen hätte, da ich noch als Bestandskundin Anspruch auf die Berechnung nach einem sehr viel höheren ehemaligen Gehalt habe). Aber vielleicht kommt sie ja noch mit einem Knaller um die Ecke, der mich dann doch überzeugt. Schauen wir mal....

09.05.2022 16:31 • x 3 #40


LeTigre

LeTigre


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Ich kann verstehen, dass nur rumstehen und putzen einen total frustriert, aber jetzt gib dem Job mal eine Chance, wenn die Leute da korrekt sind, sich so um dich bemühen und es nur um 2 Stunden täglich geht. Das sind doch Probleme, die lösbar sind. Ansonsten würde ich mir den Job zu eigen machen und schauen, ob ich Botengänge für die Kollegen machen kann, Einkäufe, Kopierarbeiten o.ä.

Warte erstmal das Gespräch ab und geh da offen rein.

09.05.2022 17:07 • x 3 #41


Catalina

Catalina


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Zitat von Fanta1:
Es dauerte keine ganze Stunde, da rief auf einmal meine direkte Vorgesetzte an. Bat mich inständig, ihr noch eine Chance zu geben

Ist ja schon interessant, wie die sich um dich bemühen. Das nenne ich mal, den roten Teppich ausrollen.

Ich finde die Idee von @LeTigre gut, vielleicht kannst du deinen Job ein gutes Stück weit selbst gestalten. Die Möglichkeit hat ja auch nicht jeder und es wäre bestimmt eine spannende Herausforderung, die Stelle, die bis jetzt ja eher theoretisch existiert, mit Leben zu füllen.

09.05.2022 18:05 • x 1 #42


Fanta1

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Zitat von Catalina:
vielleicht kannst du deinen Job ein gutes Stück weit selbst gestalten.

Das mag sein, leider ist das- was für andere vielleicht total erstrebenswert aussieht- für mich zunächst mal abschreckend. Ich bin jemand, der klare Strukturen mag, klar vorgegebene Aufgaben, davon gerne viel und die möchte ich dann gerne abarbeiten. So wurde mir der Job damals angeboten und beschrieben und so würde ich ihn dann auch gerne haben. Rumlaufen, mir selber Beschäftigungen suchen bzw. mich bei Kollegen für irgendwelche Zuarbeiten oder Botengänge anzubieten, das liegt mir nicht, das stellt mich auch nicht zufrieden. Es birgt auch die hohe Gefahr, entweder die Kollegen zu nerven, weil sie sich selber ihren Tag so einteilen, dass sie ausgelastet sind und auch mal gerne selber zum Kopierer laufen oder dass man in Nullkommanix für jeden Mist angefragt wird und dann irgendwann nicht mehr Nein sagen kann.

Ich muss mal abwarten, was sie mir am Mittwoch erzählt, wie sie sich das vorstellt. Leider habe ich die Befürchtung, dass sie sich eine maximale Flexibilität meinerseits vorstellt, also nicht wie abgesprochen jeden Tag von 8-10, sondern quasi auf Abruf bereit zu stehen irgendwann zwischen 8 und 18 Uhr täglich, weil ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, wo ansonsten der Arbeitsumfang herkommen soll. Und ich meine auch, das aus einer Andeutung ihrerseits rausgehört zu haben, vielleicht höre ich aber auch die Flöhe husten. Ich höre es mir an, habe ja nichts zu verlieren und entscheide dann ob es für mich in Frage kommt oder nicht.

09.05.2022 19:05 • #43


Fanta1

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Zitat von aquarius2:
Ich weiß nicht wo mir der Kopf steht, Work Life Balance kannst du vergessen und inzwischen geht sich das Team, was sich sonst immer gegenseitig gestützt hat an die Kehle oder Leute bekommen auf der Arbeit einen Nervenzusammenbruch!
Ich orientiere mich gerade um, denn sowas mache ich nicht bis zur Rente mit.

Da wollte ich die ganze Zeit noch drauf eingehen und bin dann immer wieder drüber weg gekommen. Jetzt aber :

Totale Überlastung auf der Arbeit bis zur Erschöpfung kann ich ansatzweise auch nachvollziehen, weil ich 6 Jahre lang in einer Betriebskantine gearbeitet habe ( nicht selten 10 Stunden ohne Pause), aber es wäre komplett am Thema vorbei wenn ich mir anmaßen würde, mich mit dir zu vergleichen oder zu behaupten ich wüsste was du meinst, weil ich mir nicht vorstellen kann wie das ist, auf einer Intensivstation arbeiten zu müssen. Dass unsere Pflegekräfte dermaßen verheizt werden, ist ein Skandal und dass du dich umorientierst, die logische Konsequenz, man hat ja nur das eine Leben und jeden Tag auf der Arbeit so eine Tortur mitzumachen, hat niemand verdient. Daher kann ich es auch total verstehen, dass es dir schwer fällt, mein derzeitiges Problem nicht als Luxus-Problem anzusehen. Aber es gibt Studien darüber, dass bei einem Bore-Out die Symptome die gleichen sind wie bei einem Burnout und dazu kommt noch die soziale Ächtung. Wer zu viel Stress hat, wird sozial anerkannt, bewundert und man kann das Problem vollkommen nachvollziehen. Wer zugibt, sich auf der Arbeit zu langweilen, wird komisch angeguckt und dafür verurteilt, unfähig zu sein, sich Arbeit zu suchen und nicht selten hört man sei doch froh, ist doch toll. oder aber so gut wie du möchte ich es auch haben. Dabei spreche ich noch nichtmal von mir selber, mein Problem ist wirklich nicht sehr groß, ich hatte letzte Woche eine echte schei., habe schlecht geschlafen und war antriebslos aber ich bin dann auch schnell durch mit so einem Thema und könnte mir schnell wieder einen anstrengenderen Job suchen wo ich ausgelastet bin. ABer wenn du mal an Vollzeitkräfte denkst, die seit 10 Jahren Beschäftigung vortäuschen müssen, obwohl sie nur 2 Stunden was zu tun haben- das ist wirklich Psycho-Terror.

So, kleiner Ausflug in die Welt von Burn-Out versus Bore-Out. Ist ja mein Thread, ich muss mich also bei niemandem entschuldigen für meinen Abschweifer . Wer über das eine oder das andere auch ein Liedchen singen kann, darf gerne sein Leid klagen....

09.05.2022 19:32 • x 3 #44


Gorch_Fock

Gorch_Fock


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Hey Fanta, sehr spannender Bericht von Dir. Mitte der 2000er Jahre hätte die Kündigung niemand gejuckt. Es ist schon krass, was für einen Aufriss jetzt um eine einfache Servicestelle gemacht wird. Das zeigt einfach, dass der Markt für zuverlässige Menschen mit dem Willen auch etwas einfaches auszuführen faktisch leer ist. Anders kann man sich den Aufriss jetzt nicht erklären.
Ich finde die Kündigung von Dir sehr richtig und würde mich persönlich da jetzt nicht mehr drauf einlassen. Zum einen ist für den AG eh schon klar, dass das Verhalten ziemlich zerrüttet ist. Zudem werden die direkten Vorgesetzten jetzt auch Lack von der HR-Abteilung bekommen haben. Sowas kann sich nur negativ auswirken, zudem Du dort keine Lobby oder Standing hast. Wenn alles so fürsorglich wäre, hättest Du die entsprechende Ausrüstung und Betreuung bekommen. Daran hapert es aber bei den meisten Firmen und Behörden, weil heute kaum noch Personal für solche Aufgaben frei ist bzw. durch die Arbeitsverdichtung normalerweise jede Stelle gut ausgelastet sein sollte.
Allein vom beschriebenen Umfeld sehe ich gar keine Möglichkeiten, Dich jetzt ohne anderen Arbeiten weg zunehmen, sinnvoll zu beschäftigen. Du kannst ja mal das doppelte Gehalt für die Tätigkeit als Schmerzensgeld verlangen.
Ich würde den Termin freundlich absagen und bei der Arbeitsagentur bzw. privat eine neue Stelle suchen. Du bist zuverlässig und wirst sehr schnell eine wirklich angenehme Stelle mit Kollegen / sozialer Anbindung finden. Ggf. wäre ja etwas im sozialen Bereich (ggf. Verbindung mit Versorgung / Küchenbetreuung / Kiosk-Betreuung / Lebenshilfe-Cafe) für Dich geeigneter. Mit Menschen in Kontakt aber auch etwas sinnvolles tun. Dazu feste Strukturen. Würde ich Dich jetzt eher sehen, als in einem Glaskasten.

09.05.2022 20:51 • x 2 #45



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