Hey MrGrey,
Danke für Deine Zeit und dass Du so ausführlich antwortest. Ich finde Deine Sichtweise sehr interessant.
Zitat:Aber du scheinst auch irgendwo hin und her gerissen zu sein. Du sagst es klingt alles irgendwie „paradox“. Die Mitglieder hier im Forum können ja auch nur auf das Antworten was du aus besten Wissen und Gewissen schreibst und können weder dir noch deinem Freund in den Kopf gucken.
Klar, ich bin gerade einfach nur durcheinander. Ich hab wenig geschlafen, an Essen ist irgendwie auch nicht zu denken. Mich belastet das ja auch sehr was da passiert ist. Und selbstverständlich weiß ich auch, dass man hier nur auf das, was ich schreibe eingehen kann. Bemühe mich halt, keine Romane zu schreiben

Ich muss mich einfach mitteilen, und das hat mir hier bisher gut geholfen. Ich erwarte hier keine Glaskugel-Prognosen

Zitat:Wenn ich mir das so anhöre das dein Freund DJ ist, Partyurlaube macht, klingt das für mich als sei er viel unterwegs und hätte zu wenig Zeit für dich – ist das so, oder stehst du bei ihm doch an erster stelle?
Im Detail: er produziert selbst Musik, legt gelegentlich auf und er organisiert Parties. Ich habe DJ geschrieben, weil es kurzum das Ganze knapp umfasst. Der Party-Urlaub vor Kurzem war der erste, den er jemals gemacht hat. Er hat zwar immer viel um die Ohren, aber die meiste Zeit verbringt er mit mir. Danach kommt seine Familie und seine besten Kumpels. Wir verbringen soviel Zeit wie möglich, wenn man nicht zusammen wohnt.
Er sagt, ich bin der wichtigste Mensch in seinem Leben. Er sagte auch kurz vor dieser Ex-Freund-Sache noch, dass er lieber die Zeit mit mir verbringt als mit Party-Planung etc. und dass er sich dafür jeden Tag aufs neue entscheidet. Ich sei von morgens bis abends allgegenwärtig. Es war sehr schön, das zu hören. Und es bestätigt auch sein sonstiges Handeln.
Wir schreiben sehr viel tagsüber, telefonieren oder sehen uns die meiste Zeit dann nach der Arbeit und die Wochenenden. Natürlich macht auch jeder noch seine Sachen. Aber in meinem Empfinden verbringen wir sehr viel Zeit miteinander.
Diese Zeit mit ihm ist einfach wunderbar, ich bin glücklich. Wenn er bei mir ist, dann ist die Welt da draußen still. Ich komme zur Ruhe, er gleicht mich aus. Wir unternehmen viel, sind beide vielseitig interessiert. Ich gehe mit, wenn er auflegt oder helfe ihm bei den Parties, die er organisiert. Wenn meine Tochter versorgt ist bin ich bei ihm, ansonsten ist er bei mir. Wir wohnen leider nicht in direkter Nähe, haben immer einen Fahrtweg von 40 Minuten. Aber den nimmt er auch abends um zehn noch in Kauf, auch wenn wir um halb zwölf im Bett liegen. Ich weiß, dass ihn das manchmal nervt, aber er tut es, ist da. Und das weiß ich auch zu schätzen.
Wir planen viel, verreisen so oft wir können, wir lachen viel, machen Blödsinn, erzählen uns allen möglichen Kram. Wir können sehr tiefgründige Gespräche führen, auch unterschiedlicher Meinung sein. Ich kann mich fallen lassen bei ihm, und er sagt auch immer, dass er das auch bei mir kann. Dass ich sein Ruhepol bin, seine Wellness-Oase. Er sagte kurz vor seinem Urlaub noch, dass ihm mein Leben wichtiger sei als seins, dass ich die beste Frau bin wo gibt.. Wenn wir uns nicht sehen vermisst er mich genauso wie ich ihn. Von 100% Zeit sind mindestens 95% vollkommen.
Zitat:Darüber hinaus bin ich mit den anderen einer Meinung das ihr beide schon Probleme mitgebracht habt an denen ihr auch (unabhängig von einander) für euch selbst klären müsst, aber ihr habt euch ja irgendwann füreinander entschieden.
Natürlich, das sehe ich ja auch so und das ist mir auch bewusst. Er hat mir auch oft erzählt, wieso er Probleme hat zu vertrauen, woher seine Probleme kommen. Ich weiß das und ja ich verstehe das auch. Ich habe genauso meine Päckchen zu tragen, und mir ist es anfangs auch nicht gelungen, dass nicht auf seine Kosten auszutragen. Ich hab meine Therapie wieder aufgenommen als mir das bewusst wurde. Er soll selbstverständlich nicht unter den Fehlern von anderen Menschen leiden und meinen schlechten Erfahrungen.
Zitat:Kann es vielleicht sein das dein Freund einfach eine schwierige Phase durchmacht und einfach mal Zeit für sich braucht? Er hat ja schließlich genau darum gebeten und du ihm nicht gegeben, wenn ich das richtig verstanden habe.
Gut möglich, klar. Aber dann hat er mir nicht offen davon erzählt (was er aber von mir im Gegenzug immer erwartet). Ich habe mich schon gefragt, ob es nicht zuviel "Feierei" und allem was dazu gehört war. Er war seitdem übelst reizbar, aufgefallen ist es mir beim Autofahren. Wo er sonst ausgeglichen war, ist er aggressiv und regte sich schnell auf.
Ja ich weiß, ich habe ihn übergangen gestern. Er hat mich um Zeit gebeten, ich bin hingefahren. Als ich da war sagte er mir das auch und ich sagte dann, dass ich dann auch wieder fahre. Ich wollte einfach für ihn da sein. Ich war schon fast aus der Tür und er rief mich zurück. Es war falsch, dass ich hingefahren bin.
Zitat:Für mich klingt das als würdest du deinen Freund in die Ecke treiben, obgleich ein guter Gedanke dahinter steckt.
Was den Besuch gestern Abend angeht: ja gut möglich. Aber womit treibe ich ihn denn sonst in die Ecke? Wir haben sonst ein sehr entspanntes Verhältnis, ohne Zickereien, Stress etc. Er sagt selbst immer wie schön es ist, dass es mit mir so unkompliziert ist. Naja gestern sagte er natürlich, dass es alles zu kompliziert sei. Ging mir aber auch so.
Zitat:Und ich glaube das er sich an deiner Vergangenheit aufhängt, weil sie akkut Thema bei euch ist (jedenfalls für ihn). Er ist sicherlich Jünger als du und ihr werdet über solche Themen wie dem Kindesvater reden, das beunruhigt ihn sicherlich und ist für ihn auch schwer. Wenn er sich dann auch noch mit alten Exfreunden auseinandersetzen muss, von denen du erzählt hast das du keinen Kontakt mehr zu ihnen hast, klingt das für ihn zweifelhaft. Er ist unsicher.
Hmmm. Er sagte mir ja immer, er wolle mehr oder alles über meine Vergangenheit wissen. Ihm würden da Teile fehlen für ein Bild von mir. Ich habe kürzlich erst alles wirklich wichtige erzählt und hatte keine Absicht, was auszulassen. Ich schäme mich für diese Vergangenheit und die RainbowDash aus dieser Zeit gibt es nicht mehr. Deswegen fand ich es immer suspekt warum er das immer genau wissen wollte. Ich habe da (für mich) einen ziemlich harten Cut gemacht und neu angefangen. Ich habe das auch mal erwähnt, bin mir aber nicht sicher, ob ihm das so klar ist.
Natürlich spreche ich auch mit ihm über den Kindesvater. Das habe ich ihm auch alles gleich erzählt als das Thema aktuell wurde. Und klar beunruhigt es ihn und ich kann nur ansatzweise erahnen, wie seltsam und schwierig das für ihn ist. Er macht sich Sorgen, dass dieser Mensch mir wieder weh tut und auch der Kleinen schaden könnte. Ich würde ihn auch gerne als Begleitung zu dem Termin mitnehmen, aber ich bin mir nicht mehr sicher, ob er das packt oder dann auch noch darunter leidet.
Was den Kontakt zu den Exfreunden angeht: ich HABE keinen aktiven Kontakt mehr. Nur weil jemand bei Facebook in der Freundesliste ist heißt das nicht, dass man Kontakt pflegt. Ich versteh ja auch noch, dass er das kontrovers findet, dass ich einerseits sage, wenn ich mich trenne reiße ich alle Brücken ein und er taucht dort auf. Aber wäre es umgekehrt, dann hätte ich ihn gefragt wieso genau diese eine Ex noch in der Liste rumdümpelt, wenn doch kein Kontakt besteht. Und ich hätte mir seine Antwort angehört. Und ihm geglaubt, was er sagt.
Als ich das gestern aufklären wollte hat er mich ständig unterbrochen: Lüge. Du lügst. Ich hatte nichtmal einen Satz komplett beendet. Angeblich hat er ihn ja angeschrieben, wollte sich aber zuerst anhören, was ich zu sagen habe. Und hat dann letztendlich wieder davon abgelenkt.
Meine Ex-Freunde, meine Vergangenheit, das ist für ihn aktuell weil er alles darüber wissen wollte. Und ich frage mich einfach: warum ist er denn unsicher? Warum? Ich habe ihn nie hintergangen, es gab seitdem ich ihn kennen keinen anderen Mann in meinem Leben, ich bin treu, ich flirte nicht rum, mache keine neuen Bekanntschaften bei denen er sich Sorgen machen müsste. Wir verbringen soviel Zeit miteinander, dass da gar kein Platz für jemand andern wäre. Er glaubt mir einfach nicht wenn ich ihm sage wie toll er für mich ist, dass er mir wichtig ist, dass ich ihn liebe. Wieso nicht? Warum kann er das nicht einfach annehmen?
Zitat:Vielleicht musst du ihn nur etwas sanfter anfassen, wie er es mit dir zu machen scheint, wenn er nicht gerade emotional geladen ist und keine inkongruenten Geschichten erzählen, das er sich keinen Kopf machen muss.
Wie denn?
Zitat:Denn wenn ihm so viel daran liegt das man Ehrlich ist, kann das entweder daran liegen das ihm selbst viel schlechtes wiederfahren ist, oder er selbst viel gelogen hat, oder beides.
Ja, beides. Weiß ich ja auch. Aber mit mir ist ihm nichts schlechtes widerfahren sodass er Angst haben müsste, dass ich gehe, dass ich ihn verletze, ihn betrüge.
Zitat:Aber in allen fällen weiß er um die Wirkung der Lüge, darum ist ihm das so wichtig. Er denkt da bestimmt wie ich in einem Prinzip, wo man 100% ehrlich zueinander ist.
So ist es. Genau wie Du. Vermutlich definiere ich diese 100% anders als er. Von mir aus kann er kleine Geheimnisse haben, solange er mir die Dinge mitteilt, die wirklich wichtig sind. Mir ist seine Vergangenheit mehr oder weniger egal, denn für mich zählt der Mensch der vor mir steht, den ich kennen gelernt habe. Natürlich möchte ich verstehen, woher seine extreme Verletzbarkeit, diese Verlustangst, diese Unsicherheit, diese Eifersucht kommt. Aber dazu brauche ich keine Nacherzählung seines Lebens. Ich muss nicht die Anzahl seiner Bettpartnerinnen kennen oder wissen, wen er mal wann wegen was belogen hat.
Er ist selber oft "verplant", es kam auch schon oft vor, dass er sich in Widersprüche verwickelt, dass mir etwa seltsam vorkommt. Ich bewerte das eben anders als er. Und ich reite da nicht drauf rum sondern sehe den ganzen Menschen. Ich suche nicht akribisch nach seinen Fehlern, um mich in meinem Misstrauen bestätigt zu fühlen. Er ist auch nicht 100%ig ehrlich. Aber wenn ich zweifele frage ich ihn und glaube ihm.
Ich will ja auch keine unstimmigen Geschichten erzählen. Ich will ihn nicht verunsichern sonder ihm helfen, diese Unsicherheiten loszuwerden denn er braucht sie beim besten Willen bei mir nicht. Aber in diesen Momenten ist er stur, ist nicht offen für meine Antworten. Er ist kalt, ablehnend. Was mich verunsichert ohne Ende. Und ich wirke dann auch unsicher. Und vielleicht denkt er deshalb, dass das alles nicht stimmt. Ich weiß es auch nicht.
Ich habe jedenfalls das Gefühl, dass ich die einzige bin, die sich stets reflektiert und an sich arbeitet und die auch ihre großen Probleme anfasst, während er passiv bleibt und die Schuld gern bei mir ablädt. Und sein großes Misstrauen verletzt mich sehr. Ich würde mir wünschen, dass er sagt: ja, ich muss da echt was dran tun. Aber ich habe das Gefühl, wie WhyNot das schon schrieb, dass die Wahrscheinlichkeit, dass das passiert sehr gering ist.