Margerite
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Zitat von ZeitlosEcht:Ein grosses Thema bei uns ist der Selbstwert. Wir beide haben damit zu kämpfen. Bei mir führt das dazu, dass ich extrem kritisch mit mir selbst bin. Das Problem: Diese massiv hohen Erwartungen habe ich unbewusst auf meine Familie übertragen. Da niemand diesen Ansprüchen gerecht werden kann, entstand eine Dynamik aus Frust und Vorwürfen.
Und die hohen Erwartungen kommen auch nicht von ungefähr. Meist litt man schon als Kind unter einem Erwartungsdruck, den man dann unbewusst weiter trägt. Man stellt an sich hohe Erwartungen, die sich oft nicht erfüllen lassen, dann kommen Enttäuschung und Unzufriedenheit mit sich und der Familie und das ganze bewegt sich, wenn man nicht aufpasst, in eine Abwärtsspirale.
Man sieht dann sich und die Angehörigen sehr kritisch und stuft sich selbst und die anderen als ungenügend ein.
Davon kann man sich lösen, indem man lernt, dass man selbst kein Erfüllungsgehilfe eigener überzogener Erwartungen ist und die anderen erst recht nicht.
Zitat von ZeitlosEcht:Es gab oft Streit und verbale Entgleisungen meinerseits; ich habe meine Liebsten kleingemacht und mich dann hinter Mauern zurückgezogen. Meine Frau hat darauf mit Distanz reagiert – was ich fälschlicherweise als Bestrafung empfunden habe, während es für sie wohl purer Selbstschutz war.
Eine ungesunde Dynamik weil eine Aktion die Reaktion des Partners hervorruft. Am Ende steht man vor einer Aussichtslosigkeit, ehemalige emotionale Verbundenheit und Zusammenhalt gingen verloren und es sind 2 Einzelkämpfer im System. Da es dir offenbar nicht gelingt, deine Emotionen zu regulieren und einen sozial verträglichen Kanal dafür zu finden, hättest du schon längst Maßnahmen ergreifen können. Z.B. eine Therapie in Angriff zu nehmen in der du Handwerkszeug an die Hand bekommst, um mit den Gefühlen angemessen umzugehen.
ADHS ist eine Diagnose, aber keine Entschuldigung.
Das alles zermürbt den Parnter und er zieht sich logischerweise hinter seine Burgmauern zurück, denn auch er muss ja mit emotionalen Eskapaden zurecht kommen. Geht das nicht, bringt er sich in Sicherheit. Und am Ende steht die Trennung. Auch nicht weiter verwunderlich, weil sich auch der Partner nach Ruhe und Frieden sehnt. Wenn der Unruheherd im eigenen System ist, ist das dann eben nicht möglich, denn der andere wird als eine Art Zeitbombe oder Pulverfass empfunden. Abgesehen davon, dass der Respekt verloren geht und der ist ein Grundpfeiler jeder Ehe.
Beigetragen haben beide, es ist nie nur einer Schuld, aber eine objektivere Sicht ist meist erst möglich, wenn man sich emotional abgenabelt hat. Dann kann man die Dynamiken wie in einem Zweipersonendrama anschauen, aber dann ist es meist zu spät.
Zitat von ZeitlosEcht:Ich habe massive körperliche Symptome, Herzrasen, kann kaum schlafen oder arbeiten.
"Normale" Schockreaktion weil du von Stresshormonen geflutet wirst. Die führen zu innerlicher Unruhe, Panikgefühlen, Aussichtslosigkeit und dem Gefühl keinen klaren Gedanken fassen zu können. Man ist mit dem Überleben beschäftigt und alles andere wie Schlaf, Ernährung, Konzentration treten in den Hintergrund.
Das ist wahrscheinlich auch evolutionär bedingt, denn steht man vor einem Säbelzahntiger, geht es ums *beep* Überleben. Da waren die Stresshormone hilfreich, weil sie einen Fluchtreflex ermöglichten. Aber auch da waren logische Überlegungen nicht möglich.
Zitat von ZeitlosEcht:Die Angst, mit über 50 alles zu verlieren und noch einmal ganz von vorne anfangen zu müssen, lähmt mich völlig.
Auch eine völlig "normale " Reaktion. Du hast Angst vor einer weitreichenden Änderung Deines Lebens. Und das ist fremdes Terrain, vor allem weil Du das Alleinsein überhaupt nicht gewöhnt bist und dich immer nur als Beteiligter eines Systems gesehen hast.
Wenn es zur Trennung kommt, steht man vor einem Neuanfang, der nicht gewollt ist und Angst macht und Zweifel sät. Man wird wohin geworfen, wo man nie hin wollte und das bedeutet auch Kontrollverlust. Das Selbstbild wankt und liegt dann in Scherben, die Angst regiert und lähmt auch.
Ihr lebt noch zusammen, ihr habt angeblich ahnungslose Kinder (wobei die oft mehr Ahnungen haben als die Erwachsenen glauben, denn Kinder merken alles) und es ist vielleicht nicht alles verloren. Aber ohne Paartherapie wird da wohl nicht mehr viel möglich sein und oft ist die Paartherapie die Vorstufe zur Trennung. Aber auch das ist dann eine Erkenntnis. Und es bräuchte den Willen beider, es nochmals miteinander zu versuchen, sich in Minischritten wieder anzunähern. Aber die Bereitschaft einer Person reicht da nicht aus.
Sie trennt sich ja nicht aufgrund eines spontanen Einfalls, sondern sie hat schon lange darüber nachgedacht, während du deine Mechanismen agespult hast.
Allzu viel Hoffnungen würde ich mir an deiner Stelle nicht machen, denn sie hat die Gedanken über ein Nachher schon lange im Kopf. Sie weiß was sie will und Du bist überfahren und gestresst und hast nicht viel zu sagen. Die Frau hat einen Vorsprung, den du nicht wahrgenommen hast.
Mach jetzt erst Mal nichts. Einigt Euch, wie ihr euer Eheleben übergangsweise gestaltet, am besten mit getrennten Schlafzimmern und spielt vor den Kindern kein Theater von happy family, denn damit verkauft ihr sie für dumm.
Es ist besser, wenn ihr ihnen sagt, dass ihr eine Ehekrise habt, aber egal wie die ausgeht, beide nach wie vor für sie da sein werdet.
Zitat von ZeitlosEcht:Ich werde durch die bevorstehende Trennung wahrscheinlich gezwungen mein Leben neu aufzustellen - weil meine Frau nicht mehr an mich glaubt...
Logische Konsequenz. Aber was dir jetzt unfassbar erscheint, wird eintreten und du wirst das auch eines Tages schaffen. Aber der Weg dorthin ist hart und steinig, weil du dein gesamtes gewohntes Leben verlierst und keinerlei Kompensation zu sehen ist. Oftmals auch durch eigene Schuld, wei man kein eigenes Netzwerk aufgebaut bzw. gehalten hat. Also auch noch Angst vor der Einsamkeit und Verlassenheit.
Die Zukunftsaussichten erscheinen dir nur düster und das sind sie erst Mal auch. Das alte "Normal" ist im Wanken, ein neues "Normal" in weiter Ferne und diese Umbruchsituation ist am schlimmsten. Stress, Unruhe, Zukunftsängste nisten sich ein. Aber es wird - sollte es definitv zum Bruch kommen - irgendwann ein neues "Normal" ein. Beispiele hier für bewältigte Trennungen findest Du hier haufenweise.
Vielleicht setzt du dich mit deiner Frau nochmals zusammen und ihr besprecht wie es jetzt weiter gehen soll. Aber deine Unfähigkeit Emotionen zu kontrollieren, darf da keinen Platz haben. Sprecht erst Mal sachlich miteinander und bitte bettle nicht, denn das wirkt extrem unattraktiv und befördert die Abwertung des anderen. Sie sieht sich dann in ihrer Einschätzung bestätigt. Du kannst im Moment nur punkten, indem du dich auf die Sachebene zurückziehst. Aber Jammern bringt sie sicher nicht zurück. Wenn ihr Entschluss feststeht, musst du dich eh fügen.