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Nach +20 Jahren am Abgrund - brutale Ungewissenheit

Verzweifelt79
@Juli007 ❤❤❤

#61


J
Zitat von ZeitlosEcht:
Wenn beide einverstanden sind können wir uns mit einer gemeinsamen Einigung - ohne Anwalt scheiden lassen. Das wäre doch die ehrlichere Variante. Und wir müssten uns damit auseinandersetzen, was für ein Familienmodell wir in Zukunft leben

Wenn ich jetzt alles richtig verstanden habe, dann geht es bei euch in Richtung Trennung.
Ich hatte mit meiner Ex-Frau eine Zeitlang Elternberatung, die wurde kostenlos von der Kirche angeboten. Da ihr es zusammen für die Familie "harmonisch" die Trennung durchführen wollt. Könnte ich mir das gut vorstellen. Da hier eine Fachkraft mit dabei ist, denke ich, dass diese auch anmerken würde, bzw. man kann sicher nachfragen, wenn man selbst Unterstützung braucht.
Ich drücke euch die Daumen, dass alles harmonisch ablaufen wird.

#62


A


Nach +20 Jahren am Abgrund - brutale Ungewissenheit

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Ameise_78
Zitat von ZeitlosEcht:
Wenn beide einverstanden sind können wir uns mit einer gemeinsamen Einigung - ohne Anwalt scheiden lassen. Das wäre doch die ehrlichere Variante

Eine Scheidung ohne Anwalt ist in Deutschland nicht möglich/zulässig. Leider.
Aber wenn ihr euch einig seid, dann könnt ihr einen gemeinsamen nehmen und viel Geld sparen.

#63


euggen
@ZeitlosEcht
Nicht ausziehen, wenn es geht! Es wird dann besonders schwer für dich. Spreche aus Erfahrung.
Wenn du mit Kindern im Haus bleiben kannst (auch wenn die Kinder die hälfte der Zeit in ihrer neuen Wohnung verbringen. Zu Hause wird immer eurer Haus sein, wo sie aufgewachsen sind und ihr soziales Umfeld haben). Dann wirst du dich weniger einsamm füllen.
Soll sie ausziehen wenn sie ihre Freiheit haben will.
Wenn du ausziehst und zusätzlich Pech hast so wie ich, dann hast du noch irgend ein Befall mit irgend welchen Schädlingen, oder Schimmel etc. Dann wirst du seelisch krepieren, anstatt dich zu erholen und an dir zu arbeiten.

x 2 #64


J
Zitat von euggen:
@ZeitlosEcht Nicht ausziehen, wenn es geht! Es wird dann besonders schwer für dich. Spreche aus Erfahrung. Wenn du mit Kindern im Haus bleiben kannst (auch wenn die Kinder die hälfte der Zeit in ihrer neuen Wohnung verbringen. Zu Hause wird immer eurer Haus sein, wo sie aufgewachsen sind und ihr soziales Umfeld ...

Ich kann deine Aussage verstehen, dass @ZeitlosEcht das Haus nicht verlassen soll, für ein stabiles bekanntes Umfeld. Ich fände es etwas egoistisch alleine im Haus zu bleiben und die Nochfrau mit den Kindern auf die "Straße" zu schicken. Mich würde täglich das soziale Umfeld, das Haus alle Räume, einfach alles an dem Objekt an meine Familie erinnern und die Trennung würde sich emotional sehr in die Länge ziehen.
Da es ein kompletter Neustart für dich wird, ist es sehr zu überlegen wie du den gestaltest, mit neuer Umgebung oder nicht. Wolltest du schon immer auf dem Land / in der Stadt wohnen, dann hast du jetzt die Möglichkeit. Vielleicht näher an die Arbeitsstelle, damit die zu Fuß, mit dem Fahrrad, den Öffis leichter zur Arbeit kommst. Mit der Wohnsituation, könntest du dir Gedanken machen, wie hättest du es gerne unabhängig mit wem - ja kann schwer sein.

Nicht in jeder neuen Wohnung sind Schädlinge

x 1 #65


euggen
Im Haus bleiben und Kinder auch.
Die Kinder können dann die Mutter besuchen in ihrer neuen Wohnung wenn sie nicht gerade irgendo wo mit irgend wem ihre Freiheit genießt.

#66


Birkai
Zitat von euggen:
Im Haus bleiben und Kinder auch.

Bis alles geklärt ist, sehe ich das genau so. Aber wie es weiter geht, sollte doch jeder selbst für sich entscheiden.

Für mich war der Auszug aus dem gemeinsamen Haus der Wendepunkt in der Verarbeitung der Trennung.

@ZeitlosEcht wie wären denn deine Wünsche für die Zukunft nach der Trennung? Kannst du dir vorstellen weiter in dem Haus zu leben? Habt ihr gemeinsam schon überlegt, wie es für eure Kinder weiter geht?

#67


M
Zitat von ZeitlosEcht:
Wir alle starten mit einem "emotionalen Erbe" - das ich jetzt erst kennenlerne, und wundern unter dem Druck des Alltags, warum das Fundament plötzlich Risse bekommt.

Der Autopilot: Wir
Warum wird mir jetzt erst so richtig schmerzhaft klar dass ich und meine Frau die Muster unserer Eltern unbewusst, wie im Autopilot, wiederholen.

Emotionales Erbe ist ein sehr guter Ausdruck für das, wie wir alle geprägt wurden und was wir weiter mit uns rumschleppen - in der Regel unbewusst. Da bilden wir uns noch ein, wir seien Wunder wie selbstständig und autark und würden es anders, was nichts anderes heißt als besser machen als unsere Eltern.
Und dann spulen wir doch das erlernte Programm ab und laufen im Hamsterrad weiter wie blöd und dumm und kurzsichtig.

Und dann kommt eine Krise, die alles auf den Kopf stellt. Und wir sind hilflos, überfordert, voller Angst und Zweifel. Kaum ist mal für einige Minuten innere Ruhe eingekehrt, kommen schon wieder die innere Unruhe und vor allem die Ängste.

Es wissen hier viele, wie du dich fühlst. Allein gelassen, wies der einsame Steppenwolf, der keine positiven Gefühle mitteilen konnte und jetzt vor dem gefühlten Nichts steht. Die Frau, die sich abgenabelt hat und womöglich den Kollegen als Sprungbrett in ein Leben ohne Dich benützt.
Und diese Gedanken drehen sich ständig weiter, sie hören nicht auf und sie werden nicht ruhiger.

Nimm die Trennung deiner Frau als gegeben hin. Sie eiert auch rum und weiß auch nicht, wie sie ihr künftiges Leben aufstellen wird. Sie hat nur den Vorteil dass sie eine Entscheidung getroffen hat durch die du die Kontrolle über euch verloren hast. Das ist megahart, wenn über einen entschieden wird weil es Machtverlust bedeutet und Ausgeliefertsein.

Ich finde die Paartherapie dennoch eine gute Idee. Es kann euch helfen, eure Mechanismen besser zu erkennen, wenn ein unparteiischer Dritter zuhört und vielleicht auch neue Gedanken ins Spiel bringt. Das kann auch zu mehr Verständnis führen.

Es dauerte sehr lange, bis ich erkannte, wie mich meine Mutter drangsaliert hat. Mit ihrem Leistungsanspruch, ihren Erwartungen. Erst musste ich das gute Kind sein, das anständig ist, sich gut benimmt und später die gute Schülerin. Ich wurde alles was man von mir erwartete. Ein gutes Kind, das sich benehmen konnte und eine gute Schülerin. Ich ging gern in die Schule und schaute schon in der Vorschulzeit voller Neid auf die älteren Kinder die schon zur Schule gehen durften.
Ich glaube, es war unbewusst so, dass ich die Schule als legitime Chance begriff, mich von daheim absentieren zu können.

Am zweiten Schultag saß ich auf meinem Stühlchen und bemerkte irritiert dass viele Kinder weinten. Wieso weinen die denn, die sollen doch froh sein, dass sie in die Schule gehen dürfen? Ich begriff es dann, dass sie nach ihrer Mama weinten. Ich weinte nicht, ich war froh und stolz, dass ich nun Schülerin war.

Eigentlich kein Wunder, denn meine Hauptbezugsperson, also meine Mutter, war launisch und ich hatte sehr schnell gelernt, ihre Befindlichkeit zu lesen. Heute singt sie, heute ist sie fröhlich. Gott sei Dank es könnte ein friedlicher Tag werden. Aber das konnte am nächsten Tag schon anders aussehen. Sie war gereizt, innerlich wütend, unzufrieden und ich ging in Deckung um sie nicht noch mehr zu reizen. Ich begriff irgendwann dass ihre Wut nicht unmittelbar mir galt, sondern andere Ursachen hatte, aber ich bekam sie ab und das habe ich ihr lange nicht verziehen. Auch heute noch nicht richtig. Aber ich weiß heute dass sie vermutlich durch die Kriegserfahrungen traumatisiert war. Sie hat sich nie mit den inneren Dämonen auseinandergesetzt, sondern fand einen anderen Weg zur Bewältigung, die keine war. Sie wurde chronisch krank und litt unter einer unheilbaren Autoimmunerkrankung, die schubweise auftrat. Ein allmählicher Abbau, ständig schwere Medikamente, die immer mehr wurden, lange Krankenhausaufenthalte die mir Ungewissheit bescherten. Obwohl sie schwierig war, wirkte die Wohnung leer ohne sie, wenn sie wieder mal in einer Klinik war.

Das nur nebenbei, dass seelische Defizite die den Menschen quälen, auch Krankheiten auslösen können. Die Krankheit muss nicht daher kommen, aber ich glaube schon, dass es bei ihr der Fall war. Auch sie perfektionistisch, supergründlich, womit sie sich selbst oft unter Druck setzte. Es musste alles perfekt sein, aber es war selten perfekt und dann wurde sie unzufrieden und unleidlich. Vielleicht erkennst du dich selbst wieder in dieser Beschreibung.

Jede Krise hat ihr Gutes. Wenn wir was draus machen.Liest sich jetzt blöd für dich, aber es ist was Wahres dran. Denn durch Krisen werden wir mit uns selbst konfrontiert und fangen an uns über uns selbst Gedanken zu machen.. Und wir erkennen viel, wie wir geformt wurden und das einfach weitergelebt haben ohne einen Gedanken daran, dass es auch anders sein könnte.
Du bist jetzt auf dem Weg, dich anzuschauen, Zusammenhänge und dein emotionales Erbe, w ie du es so schön sagst, zu erkennen. Das ist gut denn du beginnst dich selbst zu hinterfragen. Das tut oft ganz schön weh, aber auch das ist heilsam denn dann kommen wir darauf, dass wir auch anders leben könnte. Innerlich zufriedener, wenn wir uns vom eigenen Antrieb der uns peitscht, ein wenig verabschieden. Es ist nichts perfekt im Leben, gar nichts. Das Unperfekte ist Bestandteil des Lebens.

Selbsterkenntnis ist eine Voraussetzung dafür dass wir mit uns und den inneren Fallstricken besser zurecht kommen können und letztendlich auch in ein friedlichicheres Leben finden, in dem wir nicht perfekt sein müssen. Gut reicht schon, perfekt ist unerreichbar und das brauchen wir auch nicht.

Du bist jetzt auf dem Weg in ganz neue Gefilde, denn nachgedacht über dich hast du bisher nicht. Nur fremdgesteuert gelebt, funktioniert, aber die emotionale Seite kam nicht zu Wort. Die wurde weggedrängt, ist ja auch nicht hilfreich, wenn man perfekt sein will. Perfektsein kann eine Maschine, ein gut programmiertes Programm, aber da ist kein Platz fürs Menschsein.

Du wirst davon profitieren, denn gerade der Verlassene steht vor riesigen Mauern die Angst machen. Aber es findet sich auch immer eine Tür, durch die wir gehen können. Mal schauen, was dahinter ist. Vielleicht was Gutes?

Schön, dass du einschlägige Bücher liest. Such dir Möglichkeiten friedlicher mit dir selbst zu werden. Du musst nur passende Mechanismen finden.

Mir wurde irgendwann bewusst, dass ich beständig auf meinen inneren Kritiker hörte. Schwarze Kobolde saßen auf meiner Schulter und machten mich schlecht. Haha, du willst wieder mal was, ja, aber schaffst es doch eh nicht. Du bist nicht wie Sandra und Anna die leistungsfähig, selbstbewusst und stark sind und die nichts umwirft. Du tätest ja gerne was wollen aber du scheiterst eh wieder. Und dann können wir dich wieder hämisch auslachen und dir sagen, dass du es einfach nicht bringst.
Wir wissen Bescheid über dich.
irgendwann schickte ich die Kobolde in einen Schrank und drehte den Schlüssel um. Ich war es leid mich ständig in Frage zu stellen und mich als schlechter einzuordnen als ich war. So übel war ich doch gar nicht, auch ich durfte an mich glauben. Neuland für mich. Heute bin ich anders, ich gehe gnädiger mit mir um. Selbstachtsamkeit ist etwas was wir lernen sollten, wenn sie zu kurz kam. Du kannst sie auch nicht, denn du peitscht dich selbst durchs Leben und dann wirst du grantig weil du ja doch überfordert bist.

Du darfst auch schwach sein, ängstlich und verzagt. Aber du darfst den kleinen Buben in Dir auch an die Hand nehmen und ihm sagen, gemeinsam schaffen wir es. Du lernst die andere Instanz in Dir wahrzunehmen und sie zu pflegen. Es könnte sogar sein, dass sich dein allzu impulsives Verhalten dadurch abschwächt.

Du bist auf dem Weg zu Dir, gehe ihn weiter. Durchlebe den Kummer, die Verzagtheit, lass Ängste und Trauer zu, der kleine Bub in dir wird darüber froh sein, wenn er auch mal zu Wort kommen darf. Aber dann nimmst du ihn wieder an die Hand und machst ihm Mut weil du weißt, dass auch dunkle Zeiten hellere kommen.
Jede Krise ist auch eine Chance!

x 3 #68


Z
Besten Dannk für eure Texte! Wie geht es mir aktuell?

Wir leben immer noch unter einem Dach, aber es gibt ausser den Familienzeiten immer weniger Berührungspunkte. Wir ziehen uns beide in unsere eigenen Räumlichkeiten zurück – ich verbringe viel Zeit in meinem Studio, sie nutzt den Rückzug, um für sich zu sein und ihre Gedanken zu ordnen.

Wie schon erwähnt, hat sie noch keinen Plan, wie sie sich unser Familienmodell in der Zukunft vorstellt. Ich thematisiere das aktuell nicht mehr, um sie nicht zu bedrängen. Doch solange keine Klarheit herrscht, hänge ich in dieser zermürbenden Zwischenwelt fest.

Ich frage mich immer wieder, in welcher Trauerphase ich mich befinde. Phase 1 und 2 – das Nicht-wahrhaben-Wollen, die Wut und die erste Panik – habe ich wohl hinter mir gelassen. Ich merke jedoch, wie ich fliessend durch die Phasen wandere: Mal will ich kämpfen, mal packt mich die Angst vor der totalen Leere...

Dass sie mir zwischendurch immer wieder von ihren Alltagssorgen im Job erzählt, macht es nicht leichter. Es schürt bei mir sofort wieder die Hoffnung auf ein „Wir“ – eine gefährliche Falle.

Nach meinem letzten Zwischenbericht hier habe ich eine Aussprache initiiert. Zum ersten Mal seit Jahren konnten wir wirklich offen reden – über unsere Gefühle und darüber, was uns in der Kommunikation blockiert hat. Am Ende haben wir uns umarmt und gemeinsam geweint. Rückblickend war das wohl wieder einer meiner „Phase 3“-Momente (Verhandeln, Suchen nach Erklärungen).

Sie sagte anschliessend, dass sie Ihre Offenheit bezüglich ihren Problemen bereut. Sie fühlt sich jetzt schutzlos und hat Angst, dass ich ihre gezeigte Verletzlichkeit gegen sie verwenden könnte. Das zeigt mir, dass ihre inneren Blockaden mindestens so gross sind wie meine.

Seitdem bin ich noch zurückhaltender – einerseits, um ihr den Raum zu geben, andererseits, weil es nun an ihr ist, auf mich zuzukommen. Ich verspüre oft den Drang, ihr zu sagen, dass ich für sie da bin, wenn sie mich braucht, aber ich behalte das aus den genannten Gründen für mich. Das ist nicht einfach.

Um nicht komplett in ein tiefes Loch (Phase 4) zu fallen, versuche ich, aktiv zu bleiben. Ich hatte ein Date mit einer attraktiven Frau, die mich angesprochen hat. Es war ein gutes Treffen und hat mir gezeigt: Ich bin noch wer, und es gibt ein Leben nach dieser Ehe. Diese Bestätigung hilft mir einerseits, aber gleichzeitig verfluche ich mich dafür.
Ich frage mich, warum ich so etwas mache und wie ich da wieder herauskomme, ohne jemanden zu verletzen. Es fühlt sich unfair gegenüber dem Date und auch gegenüber meiner Noch-Frau an – obwohl das Date genau weiss, in welcher Lage ich stecke, und meine Frau mir sagt, sie habe kein Recht zu erfahren, wo ich war.
Objektiv habe ich niemanden betrogen. Es war ein flirtiges Gespräch mit einer anderen Frau. Trotzdem fühlt es sich wie Verrat an – etwas, das ich in all den Jahren nie getan habe. Warum handeln wir Männer oft so impulsiv? Wahrscheinlich, weil ich panische Angst davor habe, in die Depression abzurutschen, und ein innerer Zwang nach Aktionismus mich antreibt.

#69


M
Zitat von ZeitlosEcht:
Ich merke jedoch, wie ich fliessend durch die Phasen wandere: Mal will ich kämpfen, mal packt mich die Angst vor der totalen Leere...

Das ist normal, weil man die Phasen nicht scharf voneinander trennen kann und sie sich ja auch überlappen, je nachdem, welche Gefühle gerade aktiviert werden.
Eine Ablösung läuft ja auch nicht linear ab, sondern eher in Wellenbewegungen. Manchmal glaubt man es geschafft zu haben, um dann wieder vor einem Rückfall zu stehen und sich wieder verstärkt mit dem Expartner zu befassen. Bis man da richtig durch ist, dauert es oft sehr lange. Es geht zäh und manchmal nervt es einen nur noch, dass man immer noch an einem Thema kleben bleibt. Es ist eine hochstressige Phase die einen stimmungsmäßig in die Mangel nimmt. Es ist regelrecht anstrengend für Körper und Seele.

Zitat von ZeitlosEcht:
Ich bin noch wer, und es gibt ein Leben nach dieser Ehe. Diese Bestätigung hilft mir einerseits, aber gleichzeitig verfluche ich mich dafür.

Das weißt Du doch sicher auch eine Date. Was brauchst Du, wenn du eh noch so labil bist, schon wieder die Bestätigung von der Außenwelt. Du siehst ja selbst, was Dein Inneres dazu sagt. Es findet es nicht toll, weil du wieder nicht bei dir bleibst.

Zitat von ZeitlosEcht:
und ein innerer Zwang nach Aktionismus mich antreibt.

Den hatte ich auch. Kaum war die Trennung ausgesprochen, die erste Heulphase war noch nicht mal abgeschlossen, wollte ich es mir beweisen. Andere Männer, Dates interessierten mich überhaupt nicht, was sollte ich damit, wo mein Herz ja noch an dem Einen hing? Aber für Unternehmungen war ich viel unterwegs. Kino, Theater, Mädelsstammtisch, Dienstreisen ... immer her damit. Die Botschaft an mich war: ich lass mich nicht hängen und nur weil der mich nicht mehr will, so kann ich auch vieles alleine unternehmen.
Einerseits tat es mir gut, andererseits laugte es mich auch aus. Eine Zeit, an die ich nicht gerne zurückdenke.

Zitat von ZeitlosEcht:
– obwohl das Date genau weiss, in welcher Lage ich stecke, und meine Frau mir sagt, sie habe kein Recht zu erfahren, wo ich war.

Dann warte doch damit bis Du sozusagen clean bist. Es bringt nichts, einerseits etwas durchzuziehen und hinterher schlechte Gefühle zu haben. Das ist kontraproduktiv.

Zitat von ZeitlosEcht:
Doch solange keine Klarheit herrscht, hänge ich in dieser zermürbenden Zwischenwelt fest.

Irgendwann braucht es eine Entscheidung, wenn es einen zermürbt. Die Seele braucht Gewissheit um weiter machen zu können.

x 1 #70


Z
Gestern wieder kaum geschlafen, um 02:00 hingelegt um 04:15 aufgestanden und die Jungs zum Angeln gebracht. Zugeschaut, wie sie vier grosse Fische ausgenommen haben. Diese Melancholie, wenn ich ihnen zuschaue – wie zufrieden sie sind. Nicht wissend, was mit ihren Eltern los ist. Panische Angst davor, dass das vorbei ist, ihnen diese Unbeschwertheit genommen wird. Für sie wird eine Welt zusammenbrechen; wir sind alle komplette Familienmenschen.
Am Abend dann ein weiteres Date mit meiner neuen Bekanntschaft. Ein super netter Abend, gute Gespräche, komplett offen. Einander in die Augen geschaut, geflirtet, mitten auf der Bahnhofstrasse in Zürich rumgeknutscht wie zwei verliebte 16-Jährige. Grinsend in der S-Bahn nach Hause gefahren. Sie so: «Ich weiss es, und meine Freundin hat es mir auch gesagt: Unsere Treffen sind in deiner Phase das Dümmste.» Trotzdem werden wir uns wieder treffen...

Zum Glück kann ich mit den Jungs über Ostern zu meiner Schwester. Gehen nochmals in die Alpen Skifahren. Meine Noch-Frau ist weg an einem Oster-Retreat.

Ich habe nie alleine gelebt. Leere Wohnungen beziehungsweise ein leeres Haus sind ein Albtraum für mich. Feiertage sowieso. Alleine hier zu sitzen, gelähmt, irgendetwas Sinnvolles zu tun – keine Ahnung, wie man das lernen kann. Ich brauche ein Nest, um zu leben. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich keines mehr. Keinen Ort, an dem ich mich geborgen fühle.

Dieses brutale Auf und Ab der Gefühle.

In einer Woche dann unser letzter gemeinsamer Urlaub. Ich und die Jungs werden surfen, meine Noch-Frau ihr Ding machen. Wieder eine Diskussion, ob sie nicht zu Hause bleiben soll. Wäre vermutlich das Beste, aber ich kann mich nicht überwinden, «inkomplett» wegzufahren. Sie würde zu Hause vermutlich auch leiden ...

Ihr geht es ähnlich wie mir, manchmal gut, manchmal schlecht. Sie verarbeitet es komplett anders als ich – vermutlich nachhaltiger. Sie hat mir auch gesagt, dass sie sich sicher ist, dass ich bald eine neue Frau haben werde, während sie alleine bleiben wird.
Sie will einfach nicht mehr, hat aber keinen Plan, wie unser zukünftiges Lebensmodell aussehen soll. Ich frage mich, ob sie nicht in einer kompletten Midlife Crisis rsp. Depression steckt. Sie meint nein sie funktioniere ja....

Sie trauert wie ich darüber, dass wir unsere Ehe hätten retten können, hätten wir vor zwei Jahren angefangen. Keine Ahnung, wie es weitergeht. Ich bin nicht bereit, einfach so aus unserem Nest zu verschwinden. Sie genausowenig. Sie meint, ich kann ihr nicht einfach die Kinder wegnehmen, sie könne nicht ohne. Ich aber genausowenig.
Angst vor dem Therapeuten. Angst davor auszuziehen. Angst, alles verloren zu haben.

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Z
Jetzt sitze ich hier und heule während die Jungs noch schlafen - anstatt das Auto zu packen und loszufahren.

#72


Stella31
Zitat von ZeitlosEcht:
Am Abend dann ein weiteres Date mit meiner neuen Bekanntschaft. Ein super netter Abend, gute Gespräche, komplett offen. Einander in die Augen geschaut, geflirtet, mitten auf der Bahnhofstrasse in Zürich rumgeknutscht wie zwei verliebte 16-Jährige.

Und immer wieder kann ich es nicht verstehen, wie man völlig unabgeschlossen von der vorherigen Beziehung schon in was Neues reinhaut, nur um den eigentlichen Schmerz nicht zu spüren und sich allem nicht zu stellen.
Ja es ist sch.ei ße, allein zu sein. Aber deshalb jemand neuen in die ganze unverarbeitete k.a.cke mit reinzuziehen, ist ungerecht, unreif und vermeidend

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Z
Ich weiss @Stella31. Es ist vermeidend. Es ist ein Fluchtreflex. Und ja, es ist unreif, sich dem Schmerz nicht 24/7 ungefiltert zu stellen. Ich kann nicht anders. Bin wie ein Kind dass dem Bonbon nicht widerstehen kann.

Aber was ist die Alternative? Wenn man nach +20 Jahren, mit Kindern und einem gemeinsamen Haus, plötzlich vor dem emotionalen Nichts steht, fühlt sich das an wie ein freier Fall ohne Fallschirm. Dieses Date ist für mich kein „Neustart“ und keine neue Beziehung – es ist ein Gegengift, um nicht in eine Depression abzustürzen.

Mein Date ist eine erwachsene Frau, die selbst eine Trennung hinter sich hat. Sie kennt jedes Detail meiner Situation. Ich verheimliche nichts. Aber ja, sie ist eine tolle Frau und das letzte was ich will ist sie in ein Gefühls Chaos zu stürzen. Aber ja. Sie ist kein Mensch die mit allen Männer dated. Ich weiss dass du Recht hast. Bin nicht stolz auf mich

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Stella31
Zitat von ZeitlosEcht:
Aber ja, sie ist eine tolle Frau und das letzte was ich will ist sie in ein Gefühls Chaos zu stürzen. Aber ja. Sie ist kein Mensch die mit allen Männer dated. Ich weiss dass du Recht hast. Bin nicht stolz auf mich

Und trotzdem, egal ob erwachsen, es kommen Gefühle ins Spiel. Und es ist einfach so, dass bei Frauen das Bindungshormon schneller anspringt. Da kann sie noch so viel von dir wissen und du dich noch so sehr auf deine Ehrlichkeit zurückziehen.
Dann fällt das Kind in den Brunnen und du hast noch eine unglückliche Frau.


Zitat von ZeitlosEcht:
Aber was ist die Alternative? Wenn man nach +20 Jahren, mit Kindern und einem gemeinsamen Haus, plötzlich vor dem emotionalen Nichts steht, fühlt sich das an wie ein freier Fall ohne Fallschirm

Und du meinst, du bist der Einzige, der das durchmacht?
Was glaubst du wohl?
Ich finde es auch sch.e.iße, alleine zu sein und würde mir einen liebevollen Partner wünschen.
Aber deshalb irgendwas halbgares anzufangen, nur um meinen Schmerz zu betäuben?
Nein!
Lerne allein zu sein!
Und abzuschließen, BEVOR du wieder was anfängst!

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A


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