×

Lieber Forenbesucher,

wer bei uns Unterstützung sucht, soll sie finden, und wer helfen möchte, ist hier herzlich willkommen. Moderatoren und Mentoren begleiten das Forum und achten darauf, dass Beiträge respektvoll bleiben. Sachliche, tröstende, wohlwollende und empathische Beiträge sind ausdrücklich erwünscht, damit sich alle Mitglieder wohl fühlen. Abwertende oder verurteilende Inhalte haben hier keinen Platz.

25

Nach +20 Jahren am Abgrund - brutale Ungewissenheit

Z

ZeitlosEcht
Mitglied

Beiträge:
6
Themen:
1
Danke erhalten:
15
Mitglied seit:
Hallo zusammen,
ich schreibe mir das gerade mit zitternden Händen von der Seele. Ich bin seit über zwei Jahrzehnten mit meiner Frau zusammen, wir haben Kinder im Teenageralter, Haus, Hund – das volle Programm.
Die Realität sieht jedoch düster aus: Wir haben uns über die Jahre komplett auseinandergelebt. Ich hatte vor einigen Jahren eine Depression und eine persönliche Krise. Letztes Jahr ging es meiner Frau ähnlich, während ich beruflich vollkommen unter Strom stand und ihre Notlage schlichtweg nicht erkannt habe rsp. nicht erkennen wollte.

Ein grosses Thema bei uns ist der Selbstwert. Wir beide haben damit zu kämpfen. Bei mir führt das dazu, dass ich extrem kritisch mit mir selbst bin. Das Problem: Diese massiv hohen Erwartungen habe ich unbewusst auf meine Familie übertragen. Da niemand diesen Ansprüchen gerecht werden kann, entstand eine Dynamik aus Frust und Vorwürfen.

Ich habe ADHS, genau wie eines unserer Kinder. Es gab oft Streit und verbale Entgleisungen meinerseits; ich habe meine Liebsten kleingemacht und mich dann hinter Mauern zurückgezogen. Meine Frau hat darauf mit Distanz reagiert – was ich fälschlicherweise als Bestrafung empfunden habe, während es für sie wohl purer Selbstschutz war.

Jetzt kam der Knall: Sie hat mir gesagt, dass sie nicht weiss, ob sie noch mit mir zusammen sein kann. Sie fühlt sich leer, emotional nicht mehr verbunden und orientiert sich innerlich wahrscheinlich schon neu.

Ich stehe unter Schock. Ich habe ihr mein Bedauern bereits mitgeteilt, aber jetzt sitze ich in der Warteschleife. Der Alltag läuft „normal“ weiter, die Kinder wissen von nichts, aber die emotionale Kälte und die Ungewissheit bringen mich um. Ich habe massive körperliche Symptome, Herzrasen, kann kaum schlafen oder arbeiten. Die Angst, mit über 50 alles zu verlieren und noch einmal ganz von vorne anfangen zu müssen, lähmt mich völlig.

Wie haltet ihr diese Ungewissheit aus? Wie geht man damit um, wenn man erkennt, dass der eigene Perfektionismus und der eigene Selbsthass die Beziehung vergiftet haben?
Dass wahrscheinlich alle verloren ist? Die Familie ist und war mein Lebensmittelpunkt, ein anderes sozialen Leben habe ich kaum.

x 2 #1


A
Zitat von ZeitlosEcht:
Jetzt kam der Knall: Sie hat mir gesagt, dass sie nicht weiss, ob sie noch mit mir zusammen sein kann. Sie fühlt sich leer, emotional nicht mehr verbunden und orientiert sich innerlich wahrscheinlich schon neu.


Zitat von ZeitlosEcht:
Dass wahrscheinlich alle verloren ist?

Ist das wirklich so oder sind das deine Ängste? Ist ja normal irgendwie nach alle dem, dass deine Frau an ihre Gefühle gerade nicht dran kommt.

Seid ihr im Gespräch? Was unternimmst du (Paarberatung etc.) oder bist nur in der Kanninchen-Schock-Starre?

x 1 #2


A


Nach +20 Jahren am Abgrund - brutale Ungewissenheit

x 3


F
@ZeitlosEcht : egal wie es ausgeht - nichts ist verloren.

Du bist Du ... und das ist auch gut so!
Du bist ein starker Mann und es wird gut werden (auf welche Weise auch immer)

x 3 #3


B
Zitat von ZeitlosEcht:
Wir haben uns über die Jahre komplett auseinandergelebt.

Gibt es außer den Kindern -wie alt sind sie- und der Gewohnheit, Klebstoff, der euch zusammenhält, innerliche Bindung, die zu einem Wunsch führt, eine Liebesbeziehung neu zu erfinden?
Zitat von ZeitlosEcht:
Wie haltet ihr diese Ungewissheit aus? Wie geht man damit um, wenn man erkennt, dass der eigene Perfektionismus und der eigene Selbsthass die Beziehung vergiftet haben?
Dass wahrscheinlich alle verloren ist? Die Familie ist und war mein Lebensmittelpunkt, ein anderes sozialen Leben habe ich kaum.

Du hast durch die Ansage deiner Frau ganz offensichtlich ganz neue Erkenntnisse über dich gewonnen. Was wirst du damit anfangen, wie willst du damit umgehen?
Zitat von ZeitlosEcht:
Der Alltag läuft „normal“ weiter,

Hm, ehrlich gesagt, empfinde ich das als deutlichstes Anzeichen, dass eure Geschichte auserwählt ist. Was ist mit dir, wirst du, außerhalb des Bedauerns, an dir arbeiten, dein Leben neu aufstellen wollen?

x 2 #4


B
Zitat von Brightness2:
auserwählt

🙈 Auserzählt. Sorry!

#5


Z
@Akelei76 Nein die Trennung ist keine bloße Befürchtung oder Angst meinerseits.

Meine Frau hat sich emotional komplett abgekapselt. Sie ist im Alltag zwar physisch da, aber innerlich überhaupt nicht mehr präsent. Ich spüre, dass sie sich eigentlich schon entschieden hat. Sie hat mir gegenüber klar signalisiert, dass sie „wieder leben“ will – und in ihrer aktuellen Wahrnehmung bedeutet das wohl ein Leben ohne mich und ohne diesen emotionalen Ballast der letzten Jahre.
Paartherapie steht zwar im Raum, aber ich weiss ehrlich gesagt nicht, ob das ein echtes Rettungsangebot ist oder nur der letzte Versuch, das Ende „sauber“ zu moderieren.

@Brightness2
Ja du hast Recht, das ist die wohl schwierigste und ehrlichste Frage. Wenn die Kinder (13J, 15J) und das Haus (der "äußere Klebstoff") wegfallen würden – bliebe dann noch ein Fundament? Meine Frau ist dran in Diskussionen mit Ihren Freundinnen das für Sie herauszufinden - Mit einer wahrscheinlich für mich vernichtenden Antwort.

Und Ich? Ich vermisse die Frau, die unter diesem Schutzpanzer vergraben ist. Ich bin sehr introvertiert, die Familie ist mein Umfeld an dem ich mich festhalte. Ich gebe Dir Recht - nur weil ich es mir komfortabel eingerichtet habe und ich sonst kaum Kontakte habe ist das - zumindest für sie - kein Klebstoff.
Aber ich denke schon, dass unser Klebstoff unsere tiefe Vertrautheit, unser Werte-Fundament ist.

Und ja. Ich habe den Wunsch nach einer "Neuerfindung unserer Beziehung". Aber meine Frau glaubt nicht daran, dass wir es schaffen. Sondern dass wir in sie selben alten Muster zurück fallen.

Habe ich neue Erkenntnisse über mich gewonnen? Ja und nein. Meine emotionale Dysregulation kenne ich. Ich weiss, dass ich daran arbeiten muss. Meine Frau hat jetzt einfach genug davon. Habe ich damit gerechnet, dass unsere Beziehung zu ENde ist? Nein. Habe ich meine Frau genug gewürdigt? Nein. Aber ich denke das ist jetzt zu spät.

Was ist mit mir? Ja das ist das Problem. Ich habe viel zu wenig an mir gearbeitet und heule jetzt. Wahrscheinlich typisch Mann. Ich werde durch die bevorstehende Trennung wahrscheinlich gezwungen mein Leben neu aufzustellen - weil meine Frau nicht mehr an mich glaubt...

x 3 #6


QueenA
@ZeitlosEcht Hallo!

Tut mir leid für dich!
Such ein ehrliches Gespräch, vielleicht bei einer beratung, wo es tatsächlich moderiert wird. Niemand kennt das Ende, vielleicht klappt es zwischen euch wieder mit externer Hilfe, vielleicht hilft es auch zu einem friedlichen Ende einer langen gemeinsamen Zeit.

So oder so, solltest du dich neu aufstellen und dein Konzept des Umgangs mit deinen Lieben überdenken. Die wichtigsten Menschen sind nämlich diese und besonders diese haben es verdient maximal gut behandelt zu werden, damit drückt man Liebe und Respekt aus!

Alles Gute!

#7


hotte
Zitat von ZeitlosEcht:
Hallo zusammen, ich schreibe mir das gerade mit zitternden Händen von der Seele. Ich bin seit über zwei Jahrzehnten mit meiner Frau zusammen, wir haben Kinder im Teenageralter, Haus, Hund – das volle Programm. Die Realität sieht jedoch düster aus: Wir haben uns über die Jahre komplett auseinandergelebt. Ich ...

Lieber @ZeitlosEcht

willkommen im Forum auch wenn der Grund nicht so dolle ist. Ich bin 49 und stand (wie viele andere hier auch zuvor) letztes Jahr genau da wo du jetzt auch stehst. Auseinandergelebt, Frau sagte die Gefühle seien weg etc. etc....

Ich habe diese Krise für mich genutzt um Energien freizuschalten die ich im mich selbst investiert hatte, da ich der Meinung war das alles an mir liegt (Spoiler, mittlerweile habe ich gelernt das es immer Beide sind!). Ich habe mich also mit mir selbst beschäftigt und Bücher gelesen (Ich empfehler immer gerne Björn Süfke - Männerseelen, ein Buch das mir echt die Augen geöffnet hat), mir ne Therapie gesucht, Tagebuch geschrieben usw.

Diese Ungewissheit die du spürst, bezeichnet eine Freundin als "Tiger im Käfig". Das Problem ist (Achtung, These) das du dich immer auf deine Frau zur Regulation verlassen hast und selbst nicht wirklich viel Resilienz aufgebaut hast. Das funktioniert aktuell nicht (bei mir war es zumindest genau so) und du darfst nun lernen diese Skills in dir selbst aufzubauen.

Selbsthass und Perfektioniesmus ist in der Regel nur die Auswirkung von etwas was wir früher erlebt haben (das kommt ja nicht einfach so). Hier spricht man oft auch von dem Inneren Kind, da viele Ursache in der kindzeit zu suchen sind. Das wäre etwas das du wirklich mal mit einem Therapeuten besprechen solltest. Natürlich gibt es auch gute Bücher dazu (z.B. Stefanie Stahl - Dein inneres Kind muss Heimat finden) aber das Thema ist super sensibel und kann traumata nochmal hochholen und dich noch weiter "runter" bringen.

Super wichtig aktuel..... vorsicht mit Alk. und Medikamenten (und grundsätzlichen Suchtmitteln). Sport und Bewegung hilft ganz gut. Vor allem Spazierengehen ist super niedrigschwellig und hilft den Tiger in dir etwas zu beruhigen weil du dich auf die Gefühle in deinem Körper konzentrieren kannst (das Gefühl wie sich die Beine bewegen, dein Atem, das Gefühl deiner Füsse auf dem Boden etc.). Das funktioniert ähnlich wie Meditation. Auch ganz wichtig ist ein "stabiles" solziales Netzwerk. Social Media ist gerade NICHT dein Freund. Du brauchst Menschen bei denen du reden, weinen und schweigen kannst.

Zu guter letzt lass dir gesagt sein das mit 50 das Leben noch nicht vorbei ist. Ich habe mir auch bei der Trennung so viele Gedanken gemacht das nun alles vorbei sei und das ich bestimmte dinge niemals wiederfinden würde aber das ist quatsch. Ich kenne soviele Menschen die ne Scheidung hinter sich haben und danach wieder glücklich geworden sind das ich diesbezüglich schon fast schon sicher bin das da wieder was positives kommt.

Aber, so wie ich dich verstanden habe, steht bei euch ja noch gar nicht fest ob es soweit kommt. Habt ihr über das Thema der Eheberatung bzw. Paarberatung nachdgedacht?

x 5 #8


Verzweifelt79
@ZeitlosEcht Zuerst einmal, das tut mir unbeschreiblich leid für dich. Mein Mann hat sich letzten Mittwoch nach 20 Jahren von mir getrennt mit ungefähr den selben Aussagen wie deine Frau. Er muss wieder zu sich selbst finden, er weiß gar nicht mehr, welche Wünsche er eigentlich hat, wir werden sonst eh immer wieder in alte Muster zurück fallen, vielleicht ist er glücklicher alleine… Ich war auch wie vor den Kopf geschlagen. Das wir Probleme hatten - ja. Das eine Trennung anstehen könnte habe ich aber nie im Leben erwartet.
Jetzt hänge ich hier im Gedankenkarussell fest und hoffe die ganze Zeit, dass er es sich doch noch anders überlegt. Das ist echt zermürbend. Wird aber bestimmt irgendwann besser.
Und ich habe auch das Gefühl, dass ich mein ganzes Leben neu sortieren muss. Alle Pläne, Träume, Hoffnungen… alles ist weg. Und das auch nur weil er nicht mehr an mich/uns glaubt. Das ist schon echt bitter.
Ich denke aber, dass du hier im Forum gut aufgehoben bist. Mir tut es wirklich gut regelmäßig hier zu schreiben und egal wie viel ich jammere und mich ständig wiederhole (Kommt er wohl zurück, das kann doch nicht auf einmal alles weg sein etc.) ich bekomme trotzdem immer Trost und Zuspruch.

x 3 #9


Winza
@ZeitlosEcht
Zitat von ZeitlosEcht:
Ich habe ADHS

Wie äußert sich das im Alltag?

Zitat von ZeitlosEcht:
Meine emotionale Dysregulation kenne ich. Ich weiss, dass ich daran arbeiten muss

Siehe oben.
Ist in den letzten Jahren diesbezüglich etwas unternommen worden?

#10


M
Zitat von Verzweifelt79:
Und ich habe auch das Gefühl, dass ich mein ganzes Leben neu sortieren muss. Alle Pläne, Träume, Hoffnungen… alles ist weg. Und das auch nur weil er nicht mehr an mich/uns glaubt. Das ist schon echt bitter.

Das alte Leben liegt in Scherben und die Scherben sind so viele, dass man sie nicht mehr zusammenkleben kann. Es ist eine Ausnahmesituation, die extremen Stress verursacht. Dementsprechend sind im Körper die Stresshormone unterwegs, die die Ungewissheit noch weiter anstacheln. Man sieht kein Ziel, sondern steht vor einem unbekannten Terrain, das man nicht betreten will. Innere Panik kommt auf.
Und es kommt noch mehr. Kommt die Trennung, kommen on top noch organisatorische Probleme oben drauf. Wie wird die Wohnsituation, was kann ich mir leisten, wie ist es mit Unterhaltszahlungen, Kindern usw.?

Und dann muss man sich daran gewöhnen, dass man erst Mal alleine leben wird, was für viele auch Neuland ist. 1000 Sorgen und es kommt eins zum anderen, was geregelt werden muss. Und das gelingt nicht immer friedlich.

Helfen kann der Kontakt mit Menschen, die ein Beziehungsende schon bewältigt haben. Wenn man sieht, dass die es auch geschafft haben, wächst das Zutrauen in sich selbst ein wenig. Bei rechtlichen Fragen immer einen Awalt einschalten, denn wenn man auf diesem Gebiet schon Bescheid weiß, ist das auch sehr hilfreich.

Und manchmal muss man sich einfach sagen: es wird nicht so heiß gegessen wie es gekocht wird. Viele vor mir haben es auch geschafftft und ihr neues Leben erfolgreich aufgestellt. Es ist machbar, nur ungewohnt und der Mensch ist ein Gewohnheitstier, denn Gewöhntes schafft Sicherheit. Die ist aber jetzt außer Kraft.

x 3 #11


Verzweifelt79
@Margerite Du beschreibst sehr gut all das was in meinem Kopf rumgeistert. Wobei diese Gedanken immer wieder unterbrochen werden durch ein: Er muss und wird es sich bestimmt noch anders überlegen. Na ja, ich glaube inzwischen das ist eine Schutzreaktion, weil der Schmerz sonst einfach zu heftig wäre.

#12


Arella
Wenn man sich überfordert, den eigenen Stress nicht managen kann, kriegen das in manchen Situationen die Angehörigen ab.

#13


Arella
Zitat von ZeitlosEcht:
Es gab oft Streit und verbale Entgleisungen meinerseits; ich habe meine Liebsten kleingemacht und mich dann hinter Mauern zurückgezogen.

Also rumgebrüllt, ausfallend geworden? Deine Familie entwertet. Und danach silent Treatment? Tagelang nicht reagiert?

#14


Arella
Zitat von ZeitlosEcht:
Ein grosses Thema bei uns ist der Selbstwert. Wir beide haben damit zu kämpfen. Bei mir führt das dazu, dass ich extrem kritisch mit mir selbst bin. Das Problem: Diese massiv hohen Erwartungen habe ich unbewusst auf meine Familie übertragen. Da niemand diesen Ansprüchen gerecht werden kann, entstand eine Dynamik aus Frust und Vorwürfen.

Ist dir das jetzt erst klar geworden? Das ist ja nicht ungewöhnlich, dass man sich erst Gedanken macht, wenn man in der Ruine steht. Wenn man so veranlagt ist, das macht ja nun mal nicht jeder Mann.

#15


A


x 4