Zitat von KPeter:Grüß dich liebe Holly,
ich habe deinen Hilferuf gerade erst gesehen und mich mal durch die 7 Seiten gearbeitet. Es berührt mich sehr, wie du diese Zeit meisterst, obwohl sie zum Schwierigsten gehört, was ein Mensch durchmachen kann. So wie du das machst tieftraurig, aber ohne Hass und Rachegelüste wirst du das bewältigen. Da bin ich ganz sicher. Und ebenso sicher bin ich, dass es dir in spätestens einem Jahr wieder wirklich gut geht, wenn du das willst. Ob das mit einem neuen Partner, als glückliche Alleinerziehende oder nach einem ernsthaften Neuanfang sein wird das ist offen. Und ebenso offen scheinst auch du bisher noch zu sein.
Hallo Peter. Diese magische Grenze von 1 Jahr strebe ich an. Ich hoffe, ich kann dann positiv Bilanz ziehen. Und natürlich wünschte ich, es wäre schon so weit.
Zitat von KPeter:Tatsächlich ist es nicht ungewöhnlich, dass Menschen diese Ausbruchstendenzen zeigen, wenn sie ihre Jugendliebe geheiratet haben. Und tatsächlich haben sie dem dann oft wenig entgegen zu setzen. Du kannst (wenn du willst) deinem Mann also glauben, dass er ziemlich wehrlos war gegenüber dem, was da mit ihm passiert ist. Entscheidend ist, dass er jetzt verantwortungsvoll damit umgeht und dazu steht, was er getan hat und weiterhin tut.
Das glaube ich ihm auch irgendwo. Und gegen Gefühle kann man sich wirklich schlecht wehren.
Ich mache ihm halt wirklich den großen Vorwurf, nicht geredet zu haben. Nicht erst dann, als er sich in die Nachbarin verguckte, sondern vorher, als ihm bewusst wurde, dass ihm etwas fehlt. Er kommt jetzt in Gesprächen teilweise damit um die Ecke, dass es wohl schon mit der Geburt unseres Kindes schleichend angefangen hat. Dass er sich dachte, naja, das erste Jahr nach der Geburt des ersten Kindes verändert halt alles, da muss man zurückstecken als Paar. Was ja auch stimmt. Und dann merkte er, dass auch im zweiten Jahr sich nicht wirklich etwas änderte. Und dann hat er trotzdem nichts gesagt. Immer nur gehofft, es würde sich von allein geben. Das ist auch der Punkt, wo ich unsere letzten Jahre mittlerweile in Frage stelle. Ob alle Liebesschwüre gelogen waren.
"Ernst" wurde es für ihn wohl im letzten Sommer, passend zu seinem 40. Geburtstag. Ab da hat er wohl wirklich gemerkt, dass er Gefühle für sie entwickelt und die Gefühle für mich zeitgleich schwächer werden. Und dann hat er trotzdem noch 9 Monate weiterhin geschwiegen. Mir gegenüber so getan, als wäre alles okay. Das ist das, was ich ihm wirklich vorwerfe. Nicht, dass er sich verliebt hat.
Seit Monaten spielt er die Situation in Gedanken durch. Und als ich dann sagte "Du tauschst mich einfach ein...Denk doch genau darüber nach...Weißt du, was du alles aufgibst... etc.", kam von ihm einfach "Ich habe mir die Entscheidung nicht einfach gemacht. Ich habe lange darüber nachgedacht". DAS fehlt mir. Es ging einfach so schnell. Von "Ich bin glücklich und alles ist in Ordnung" zu "Mein Leben ist ein Scherbenhaufen" in 10 Sekunden "Ich habe mich in eine andere verliebt".
Ich wünschte, wir hätten vorher Probleme gehabt, oft gestritten, irgendetwas, was es mich leichter verstehen und nachvollziehen lässt.
Zitat von KPeter:Es wäre in den letzten Wochen auch schon viel zu spät gewesen, um daran etwas zu ändern. Das hätte eher passieren müssen. In den letzten Wochen hat er vermutlich gegen sich und seine Gefühle gekämpft, weil das, was er gefühlt hat, einfach nicht sein durfte. Und meistens verliert man in der hormonellen Hochphase diese Kämpfe. Während dieser Zeit konnte er dich also schon nicht mehr an seinen Gedanken teilhaben lassen, da war er schon in einer anderen Welt.
So wird es wohl gewesen sein...
Zitat von KPeter:Ja, so fühlt sich das an für ihn. Es fühlt sich so an, als sei es unmöglich, diesem Zwang nicht nachzukommen. Allerdings ändert sich das noch. Meist ist es dann zu spät und der Jammer ist groß. Und ja, es ist unfair, dass er dir und eurer Beziehung keine Chance gegeben hat. Vielleicht tröstet es dich ein wenig, dass es auch ihm damit sicher nicht durchgehend gut geht. denn die konsequenzen sind ja auch für ihn nicht ohne.
Jeder war doch schon mal unglücklich verliebt. Und jeder weiß, dass es möglich ist, sich wieder zu entlieben. Warum zieht er das nicht wenigstens in Betracht? Wenn er in 3 Monaten nach Kontaktabbruch immer noch verliebt gewesen wäre, hätten wir es wenigstens versucht gehabt. Aber ich drehe mich im Kreis. Er hat sich entschieden, das alte Auto nicht zu reparieren, sondern lieber den neuen Sportwagen zu kaufen.
Und ja, es tröstet mich in gewisser Weise, dass es ihm auch nicht nonstop gut geht. Dass er seinen Sohn vermissen wird. Vielleicht demnächst auch unser Familienleben an sich, wenn die rosarote Brille sich verabschiedet und es drüben auch stressig im Alltag wird. Aber er hat es sich verdammt noch mal ausgesucht.[/quote]
Zitat von KPeter:
Was heißt "obendrauf". Er ist glücklich verliebt und hat ja offenbar auch nicht vor, 22 Jahre Beziehung zu verarbeiten, sonst würde er sich ja nicht gleich in die nächste Beziehung stürzen. Also dürfte es bei ihm gerade rein um "Schuldgefühle" gehen.
Momentan sieht es aber leider danach aus. Ich kann nicht einfach so umziehen, das geben die Umstände einfach nicht her, und da er - wie er bislang sagt - erstmal eine Wohnung für sich alleine sucht und nicht mit ihr zusammen, wird sie nebenan wohnen bleiben.
Daran versuche ich gerade aktiv zu arbeiten. Ich schreibe seine schlechten Seiten auf, will mir vor Augen führen, dass er nicht perfekt ist, dass er viele Dinge falsch gemacht hat. Ich muss Wut auf ihn bekommen, ihn von seinem Sockel stürzen, damit ich voller Überzeugung sagen kann, dass ich ihn nicht mehr will und alleine mit meinem Sohn zurechtkommen und - mehr noch - wieder glücklich sein werde!
Welche zwei Wege sind das, die du ansprichst?
Er hat den Brief bedauerlicherweise (laut eigener Aussage "noch") nicht gelesen. Das trifft mich. Aber auch das muss ich akzeptieren. Bleibt mir ja nichts anderes übrig.
Vielen Dank für deine Worte, Peter!