Begonie
Mitglied
- Beiträge:
- 2495
- Danke erhalten:
- 7772
- Mitglied seit:
Du bist ja noch sehr jung und es war wohl die erste Beziehung, die Du hattest und die immerhin 8 Jahre lang gehalten hat. Allein das ist schon bemerkenswert. Allerdings erlebt fast jeder, dass die erste Beziehung selten ewig hält. Insofern ist es sozusagen normal, dass sie auseinander geht.
Liebeskummer ist langwierig und schmerzhaft und auch das Kopfkino tut ein Übriges dazu, dass man sich ständig mit dem Ex. befasst. Und dass man eine Zeitlang heult, hadert und in Selbstmitleid versinkt ist auch normal. Schließlich hat jeder Verlassene einen geschätzten und geliebten Partner verloren.
Das hilft natürlich keinem weiter, denn der Schmerz steckt tief in einem drin. Hört man dann über Bekannte oder über soziale Medien noch ganz andere Dinge über den Ex., tut es gleich noch mehr weh.
Zitat von Pusteblume26:Natürlich dann beim heimfahren kam er mir mit dem Auto entgegen.. Er hat total gestrahlt und wie wild gewunken, habe ihn erst später erkannt und deshalb nicht zurück gewunken
Ich würde Dir empfehlen, ihn, wenn Du ihn im Auto siehst und er winkt Dir zu, dann winke halt lässig, aber nicht überschwänglich zurück oder hebe kurz Deine Hand als Signal, dass Du ihn wahrgenommen hast. Auch wenn Du ihm begegnest und Ihr habt Augenkontakt, grüße ihn, wenn es geht freundlich, aber nicht erfreut. Aber nicht mehr. Nach Möglichkeit kein Gespräch anfangen, das dann doch nur weh tut. Aber grüßen ist doch selbstverständlich, wenn man mit einem Menschen zusammen war. Alles andere ist meiner Ansicht nach kindisch und hat keinen Stil. Grüßt man nicht und übersieht man den Ex. gezielt, zeigt man nur, dass man mit der Trennung nicht klar kommt und mit dem Ex. nicht abgeschlossen hat. Der muss aber nicht merken, wie schwer man sich tut, denn was hilft es denn? Er hat ein neues Leben begonnen und Du hängst noch dauernd in der Vergangenheit rum.
Ich bin immer dern Ansicht, ich lasse es keinem anmerken, wenn es mir miserabel geht. Die Freunde können es irgendwann einfach nicht mehr hören und der Stolz gebietet, dass man sich nicht hängen lässt. Und ihm schon gar nicht zeigt, wie verletzt man ist. Womöglich triumphiert er dann innerlich noch. Mann, die leidet ja immer noch. Naja, nicht mal grüßen kann sie mehr. Sie hatte ja schon immer einen Hang zum Drama.
Solche Gedanken könnten ihm durch den Kopf gehen.
Ich sah meinen Ex. nur ab und an dienstlich, weil wir in der selben Sparte arbeiten, aber Gott sei Dank in verschiedenen Städten. Immer wenn ich Gefahr lief, dass er auch kommen könnte, zog ich mich besonders gut an, richtete mich her und ging aufrecht und redete mit Kollegen, aber nicht mit ihm.
Man kann mit seiner Körperhaltung auch seine Gefühle beeinflussen. Also nicht Kopf und Schulter hängen lassen, sondern sich bewusst aufrecht halten, den Kopf oben behalten, freundlich zu anderen zu sein und ihn ebenfalls freundlich grüßen, ihm aber keinen Anlass zu Smalltalk zu geben. Er ist nicht mehr in Deinem Leben.
Auf keinen Fall sich vor Angst vor einer Begegnung zu Hause verkriechen. Im Gegenteil, mit Freunden ausgehen und sich darüber freuen und Spaß haben. Und wenn er zufällig auch da ist? Na, dann ist er halt da und Du behandelst ihn freundlich, aber neutral. Wenn die erste Begegnung geschafft ist, die man gut gemeistert hat, wird es schon leichter.
Möglichst viel ausgehen, ins Kino, ins Theater, ins Konzert (im Moment zugebenermaßen schwierig), aber das kommt auch wieder. Auf keinen Fall daheim rum sitzen und nur die Kissen voll heulen und sich selbst leid tun. Im Gegenteil, jetzt erst recht! Auch wenn Du "entsorgt" wurdet, so seid bist Du doch nicht wertlos!
Ständiges Selbstmitleid tut nicht gut und hilft nicht. Im Gegenteil blockiert man sich selbst und tritt weiterhin auf der Stelle und fragt sich immer nur "Warum, warum nur?".
Darauf gibt es eine einfache Antwort: Der Partner wollte diese Beziehung nicht mehr. Er wollte ein anderes Leben anfangen, sich vielleicht noch die Hörner abstoßen und frei sein. Das ist auch sein gutes Recht, genauso wie Deines.
Aber lass den Ex. nicht zweimal gewinnen. Er hatte einen Vorsprung, denn er hat die Beziehung gelöst. Was er vorher mal so daher sagte von gemeinsamer Wohnung, womöglich Ehe und ewiger Liebe, sind Worte von gestern Sie gelten heute nicht mehr. Es ist schlimm genug, gesagt zu bekommen, dass die Beziehung zu Ende ist. Hängt man dann aber nach Monaten noch immer wie ein trauriger Waschlappen in der Gegend rum, dann gewinnt er sozusagen zweimal. Denn er macht Dein Leben immer noch kaputt.
Lass das Nachschnüffeln sein, Du hörst eh nichts, was Dich weiter bringt. Sag Deinen Freunden, sie sollen das Thema nicht mehr ansprechen. Und lerne, den Kopf aufrecht zu halten und Dein Selbstwertgefühl zu aktivieren.
Irgendwann wird es dann auch besser, auch wenn es dauert. Aber keinesfalls in der Opferrolle bleiben, denn ein Opfer tut nichts außer zu leiden. Wem bringt es was? Keinem, am allerwenigsten Dir selbst. Deswegen lerne, Dich auch am Riemen zu reißen und Dir selbst ab und an einen Tritt zu verpassen. Die Beziehung ist es nicht wert, unmäßig lange darüber zu jammern. Denn wäre sie so toll gewesen, so bestünde sie ja noch.
Er ist nicht der allein Schuldige. Wenn man später mal neutral darauf schauen kann, erkennt man, dass man selbst auch seinen Anteil zum Scheitern beigetragen hat. Die sogenannte Schuld ist oftmals gleich verteilt.
Wenn Du vom Ex. schlecht behandelt wurdest, warum bist Du dann geblieben?. Warum hast Du Dein eigenes Leben vernachlässigt und nicht verteidigt? Der eine tut was, der andere steckt es ein und nimmt es hin. Das hätte aber nicht sein müssen, denn man darf nicht alles hinnehmen, am allerwenigsten eine Beschneidung der eigenen Freiheit. Er hatte aber die Chance dazu und die nahm er sich raus, weil ihm keiner was entgegen setzte.
Der eine schlägt zu und der andere lässt sich schlagen. Wer ist nun schuldig? Im Endeffekt beide.
Auch wenn die Zeit nach der Trennung sehr hart und schmerzhaft ist, man kann sich selbst auch ein wenig helfen. Selbstmitleid ist eine Zeitlang erlaubt, aber man muss auch mal dagegen arbeiten. Warum? Weil man es sich selbst schuldig ist und weil man Verantwortung für sein eigenes Leben übernimmt. Daher hat eine Trennung auch was Gutes. Sie bringt einen weiter, wenn man was daraus lernt. Und auch Du bist nun wieder frei und kannst Dein Leben ohne Rücksicht auf ihn gestalten, vergiss das nicht!
Begonie
