Oha, da sind ja in den letzten Tagen noch einige Antworten dazu gekommen. Erstmal vielen Dank dafür, dass Ihr Euch so mit meinem Problem auseinander setzt.

Ich versuche mal die (für mich) wichtigsten Anregungen zu "bearbeiten"...
Erstmal grundsätzlich:
Bitte bedenkt bei meinen Texten, dass ich mitten drin stecke in einem Prozess. Wenn ich etwas neues poste, dann habe ich an den Abenden zuvor wirklich lange Gespräche mit meiner Frau geführt, aus der neue Erkenntnisse erwachsen sind. Ich stelle für mich selbst auch fest, dass manche Antworten für mich im ersten Moment einen totalen Sinn ergeben, nach zwei Tagen aber schon wieder völlig unsinnig erscheinen. Ich befinde mich da wirklich gerade in einem Wechselbad der Gefühle und Gedanken. Ich denke, dass zeigt dieses Topic auch ganz gut.
Zitat:Ich meine, *beep* zu verschicken ist ja schon ein Statement...
Es waren
keine *beep*. In einem anderen Kontext betrachtet waren es Bilder, wie man sie vielleicht auch bei Facebook hochgeladen hätte. Dass sie mich so hart getroffen haben liegt einfach daran, dass er sie bekommen hat und nicht ich.
Zitat:Die Frage ist ja eher, warum ist es bisher NICHT wieder zu einem neuen realen Treffen gekommen?
Wie wäre es denn ihrer Meinung nach weiter gegangen, wenn es jetzt nicht heraus gekommen wäre?
Hat sie mal gesagt, sie habe es ohnehin bald beenden wollen?
Oder hätte sich nicht vielleicht auch mit der Zeit (wieder) so ein Verlangen aufgebaut, dass es eben doch zum realen Betrug gekommen wäre?
Ja, das ist ganz eindeutig eine Frage, die für mich auch noch nicht annähernd geklärt ist und die mich offen gestanden am meisten beschäftigt im Moment. Natürlich liegen fast 400 km zwischen den beiden, aber hey, ich bin kein Idiot. Es gibt Autos, es gibt Hotels... es hätte also durchaus die Möglichkeit bestanden. Ich habe ihr diese Frage bisher noch nicht gestellt, weil ich gar nicht weiß, ob es darauf überhaupt eine Antwort gäbe, die mir weiter hilft. Ein "NEIN! Natürlich nicht!" könnte ich nur versuchen zu glauben, ein "Ja, womöglich hätte er mich noch mal rum gekriegt." würde uns ziemlich weit zurück werfen in unserer Restaurierungsarbeit... ich weiß noch nicht, wie ich damit umgehen will und soll.
Zitat:Thomas muss aus eurer Beziehung raus.
Derzeit ist es quasi ein "dreierding"
Er ist raus. Sie hat wirklich jeden Kontakt zu ihm abgebrochen. Zumindest glaube ich es ihr. Überprüfen kann ich es freilich nicht. Das ist jetzt halt so eine Art Vertrauensvorschuss. Auch wenn's schwer fällt.
Zitat:An deiner stelle würde ich mal mit ihr eine Trennung durchspielen. Mal eben so zum Anwalt gehen und unterhalt berechnen lassen.
Oha! Das ist aber schon mal die Hardcore-Variante, wenn man gleich zum Anwalt rennt. Natürlich haben wir auch über Trennung gesprochen. Natürlich weiß sie, was auf dem Spiel steht. Aber ich habe es mal so "verpackt" dass ich nicht das Gefühl haben muss, sie bliebe nur aus Angst vor einer Scheidung bei mir. Eher habe ich ihr vor Augen gehalten, was wir alles haben (Kinder, Haus, Familie, Freunde....), verbunden mit dem Hinweis, dass ich nur einmal bereit bin, einen solchen Vertrauensbruch mit ihr durchzustehen. Beim nächsten Mal gibt es nur eine mögliche Konsequenz für mich.
Zitat:Den Seitensprung damals würde ich an deiner Stelle tatsächlich so hinnehmen. Du hast hier sicher auch schon eine Weile mitgelesen und es gibt durchaus schlimmeres als einen einmaligen Fehltritt. Die wenigsten Menschen die ein Leben lang zusammen sind waren immer treu. Wichtig ist wie man danach weiter macht und laut deiner Aussage habt ihr ja sehr gut weiter gemacht (Heirat, Kinder, etc.).
Letztlich weiß ich, dass ich es irgendwann als "passiert" akzeptieren muss und dass es letztlich für alles, was sie mir dazu sagt keine Beweise geben wird. Ich werde es auch irgendwann sicher so hinnehmen, aber momentan bin ich noch nicht bereit dazu. Noch will ich wissen, was es war. Es mag jetzt vielleicht etwas blöd klingen, aber ich vergleiche das jetzt mal mit meinem Auto: Manchmal höre ich beim Fahren ein fremdes Geräusch oder es tritt ein Defekt auf, der kurz danach wieder weg ist. Trotzdem fühle ich mich dann beim Fahren nicht mehr ganz so sicher. Also lege ich mich drunter und schaue nach, was da los ist. Meistens finde ich nichts, was mich natürlich wahnsinnig macht, weil ES MUSS ja irgendeinen Grund dafür geben. Ich prüfe dann wirklich jedes Bauteil ganz genau... und finde den Fehler noch immer nicht. Und dann setzte ich mich irgendwann wieder ins Auto und fahre. Ich horche, ich fühle... und der Defekt tritt nicht wieder auf. Nach und nach vergesse ich es dann und ich fühle mich auch wieder sicher mit dem Wagen. Kurzum: ich glaube, ich prüfe gerade noch die Bauteile. Aber der Moment, in dem ich wieder losfahre und den Defekt als einmaliges Mysterium zu akzeptieren wird auch noch kommen.
Zitat:Jaaa, das sagt sie natürlich. Was soll sie auch sonst sagen "Verdammt, du hast mich leider erwischt bevor ich es wieder tun konnte. Dabei hab ich mich so drauf gefreut"?
Ist glaube ich oben schon beantwortet.

Zitat:Und noch etwas. Irgendwelche zurückliegenden Kindheitstrauma für Seitensprünge verantwortlich zu machen ist absoluter Unsinn. wenn es ihr aktuell wirklich nicht gut geht dann hat das was mit eurer aktuellen Lage zu tun. Such mehr das Gespräch mit ihr und farg sie konkret daran was ihr an dem Leben mit dir gefällt und was auch anders sein könnte.
Naja, das war jetzt auch nicht so gemeint, dass ich sage "Hey, hast halt ne schei. Kindheit gehabt, da kann man halt schon mal fremd gehen.". Das wäre mir dann auch ein wenig zu einfach. Ich versuch es mal zu erklären was mein Gedanke dabei war:
Ich selbst habe das große Glück gehabt, dass meine Eltern ein gutes Vorbild in Sachen Zusammenhalt für mich waren. Natürlich haben auch sie sich mal in die Haare bekommen (Himmel, ich weiß nicht wie oft ich geshen habe, wie meine Mutter irgendwelches Porzellan vor den Füßen meines Vaters zerdeppert hat... meist seinen Essteller...). Aber sie haben mir auch immer vorgelebt, dass man als Paar nebeneinander steht, wenn es hart auf hart kommt. Egal was passiert, man kann sich aufeinander verlassen. Restlos. Vielleicht ist Treue auch deshalb so selbstverständlich für mich. Es ist ja nun nicht so, als hätte ich in den letzten 15 Jahren nie die Gelegenheit gehabt. Aber für mich hat sich nie die Frage gestellt, denn die war zu jeder Zeit vollkommen klar für mich beantwortet: "NEIN!".
Die Eltern meiner Frau hingegen waren da völlig anders. Die haben immer ihr eigenes Leben geführt und haben niemals wirklich zueinander gestanden. Das weiß ich aus vielen Erzählungen meiner beiden Schwager. Ich kann mir also vorstellen, dass dort viele "Wert" gar nicht vorgelebt wurden. Naja, und dann kam irgendwann vor 12 Jahren die Versuchung... und vielleicht war es bei ihr einfach deshalb nicht so selbstverständlich "NEIN" zu sagen. Ich weiß es nicht.
Mal ein Beispiel, dass es vielleicht besser erklärt was ich mir dabei denke: Ich habe ja selbst jetzt zwei Kinder zu Hause. Die Große hat damals gesehen, wie ich mir ganz gewaltig die Hand an einer Bratpfanne verbrannt habe, die auf dem Herd stand. Danach gab es auch nie ein "Achtung! HEISS!", wahrscheinlich weil sie selbst gesehen hat, dass das nicht gut ist. Der kleine hingegen musste das tatsächlich auf die harte Tour lernen. Da haben auch alle Warnungen (Achtung! Heiß! Macht aua!) nicht geholfen. In einem unbeobachteten Moment hat er's probiert. Danach nie wieder. Weil er gemerkt hat, dass es keine gute Idee war.
Mag sein, dass das jetzt sehr nach Begründung an den Haaren herbei ziehen klingt, aber letztlich versuche ich gerade mir zu erklären, warum das Bild, dass ich bisher von meiner Frau hatte, nicht mehr stimmt. Und ich versuche natürlich, mir ein neues Bild von ihr zu machen. Das ist jetzt eben eine Momentaufnahme aus diesem ganzen Prozess, der ja noch lange nicht abgeschlossen ist.