Zitat: Mehr so der Typ, Peitsche und wenig Zuckerbrot.
Wenn er dann mal lieb ist, selten genug, freut man sich wie Schnitzel.
Diese Dynamik beobachte ich über mein Leben verteilt. Ich dachte oft genug, JETZT habe ich es verstanden - dann lief es für eine Zeitlang (auch vor meinem Mann) für mich erfüllend. Aber immer war zu dieser Zeit dann jemand da, der das spürte und mit den altbekannten Tricks und Mustern ausbremste, zurückholte in mein "Oh je, ich bin nicht gut genug" - Ich.
Zitat: Aber für " schönere, klügere, liebevollere, tatkräftige" fehlt dir das Werkzeug.
Da kommt dann normalerweise meine Verunsicherung zu Tage. "Und wenn ich dieses Werkzeug nicht mehr finde"?
Darüber habe ich gestern ähnlich auch in der Therapie gesprochen. Und mir selbst ist aufgefallen, dass das lebenslang gewohnte "Zuckerbrot" sich immer gut genug anfühlte, um mich in den altbewährten Kreislauf zurück zu bringen - ich wollte sogar dorthin zurück. Schnelles Dopamin bei absoluter Leere in den Synapsen ist für den Körper wohl erstrebenswerter als abzuwarten, ob nicht über die seelische Ebene später etwas ähnliches kommen könnte.
Gestern habe ich aber erkannt, dass ich jetzt, nachdem mit das Universum mein altes Leben um die Ohren gehauen hat, das Bewusstsein schneller habe und das Muster durchschaue (manchmal über Umwege, über komische Gefühle wie der aus dem Himmel kommende Neid, manchmal spät).
Sollte mein Bewusstsein nicht sogar dankbar sein für die extrem heftigen Verletzungen? Weil ich es vorher mit anderen Hinweisen nicht kapieren wollte?
Irgendwo habe ich hier gelesen, das Universum hat die so lange auf die Fresse (tschuldigung), bis du endlich raffst, dass du nicht mehr denselben Weg gehen sollst.
Zitat: Wenn man sich das Wesen, von solchen "Männern" näher betrachtet, kommt man nicht drumherum, einen Psychopathen dahinter zu vermuten.
Solche spielen gern mit dem Feuer. Und ab + zu geht die Bombe eben hoch.
Hier muss ich auch in mich gehen. Eine Frage, die auch mein Mann mir gestellt hat: War denn ALLES so schlecht? War er den immer ein Ar.? Er fühlt sich dadurch, wenn ich meine Gefühle äußere, in die Ecke der Vorwürfe gedrängt.
Und ja, er ist tatsächlich so (geworden). Das ist SEIN Muster aus der Kindheit.
Aber ich habe das viele Jahre geliebt. Ihn, so wie er ist, bzw. wie er sich gegeben hat. Mich hat das beeindruckt. Der erste Mensch in meinem Leben, der FÜR MICH alles hinter sich lässt, um mit mir zusammen zu sein.
Wir hatten unendlich schöne Jahre. Vermutlich, weil ich mit der Zeit angepasst war, aber das war mir unwichtig. Ich war zufrieden, ich war glücklich.
Und dann kommt dieser Hinweis vom Leben, dass ich mal tiefer gehen soll. Sehe ich das? Ja, aber verzögert. Mein Strampeln wurde mehr, um das zurück zu bekommen, was da zwischen uns war. Mein fester Glaube, dass ein Mann, der eine Frau wie mich hat, die alles für ihn tut, ihn alles tun lässt, nie nörgelt oder Anweisungen gibt, diese Frau auf Händen tragen wird und dadurch den Blick auf Andere gar nicht ermöglicht, war nur mein eigener Irrglaube. Meine falsche Wahrnehmung, mein kleiner Werkzeugkasten.
Ich sehe jetzt, welches Bild sich ihm von mir spiegelte. Keine Wiederworte oder wenn, dann nur mäßig. Immer weniger Selbstachtung, keine Grenzen, immer weniger Selbstwert.
Was man ausstrahlt, erhält man, richtig?
Warum sollte mein Mann mich gut behandeln, wenn ich mich selbst nicht gut behandle?
Wenn er keine Energie aus mir schöpfen kann, weil ich immer kraftloser geworden bin, suchte er sich diese bei Anderen.
Das ist sein Prozess, ich weiß.
Meinen Anteil daran sehe ich aber durchaus. Jetzt.
Zitat: Das Wichtigste Werkzeug, sich selbst lieben, sich selbst, so annehmen, wie man ist, mit all den Fehlern, ob wirklich da oder nur eingebildet. Andere kochen auch nur mit Wasser. Und niemals einen Mann (in deinem Fall) als Erfüllung betrachten, ein Partner ist höchstens die Kirsche auf der Torte, niemals die Torte.
Das verstehe ich. Das denke ich oft. Nicke mir zu und fühle mich gestärkt. Dann kommt eine Situation, die mein altes Ich triggert, die gleichen Gefühle, und ich falle zurück, ohne es zu bemerken.
Und genau daran wird die Therapeutin mich unterstützen. Zu erkennen, wann es passiert. Ich bin auf einem guten Weg, aus mir selbst heraus und es wird sicher noch besser mit der Zeit.
Was sie auch gesagt hat: meinen Perfektionismus versuchen auszuschalten. Nicht, wenn es mir nicht sofort oder auch gar nicht gelingt, diese Dinge wahrzunehmen und zu erkennen, als Scheitern ansehen. Locker nehmen, schließlich darf ich lernen und auch Fehler machen. Wieder versuchen. Mit kleinen Dingen und Situationen beginnen und mich langsam stärken.
Mir immer vor Augen führen, dass meine größte Angst, das schlimmste Szenario bereits passiert ist und ich nicht mehr da bin, wo ich ängstlich die Konsequenzen meiner Gefühle in den Vordergrund stelle. Es ist passiert. Punkt.
Es war ungerecht. Ja. War es. Und das darf sich auch so anfühlen. Aber es soll mich nicht beherrschen und mein Leben vor weiteren Verletzungen ängstlich oder "kuschend" leben lassen.
Zitat: Also, das Werkzeug für Rückzug, statt Aufopferung, statt das Betteln um Liebe, statt sich klein machen, muss man ja erst finden und dann auch anwenden lernen. Du bist keinesfalls allein. Wir sind Viele.
So leid es mir für jede Einzelne tut - es tröstet mich auch. Nicht allein zu sein mit meinen Erlebnissen, meinen Gefühlen, meiner Aufarbeitung und Selbstfindung.
Kein Angst zu haben vor dem, was kommt, denn hier lese ich starke Frauen, zufriedene Frauen, die das alles in ähnlicher Form erlebt haben. Die komplett dadurch gegangen sind.
Das macht mir Mut. Hilflosigkeit wäre das Schlimmste, was ich jetzt noch mal spüren müsste.
Gestern habe ich auch gelernt, dass ich diese Hilflosigkeit aus der Kindheit in mein Leben übernommen habe. Damals war das real. Da musste ich so sein, ich war abhängig. Wie alle Kinder.
Heute versuche ich zu erkennen, dass es zwar die gleichen Gefühle sind, aber ich Handlungsspielraum habe.
Das und noch einiges mehr sind meine Aufgaben für mich.
Zitat: Du malst immer das schlimmste in die Luft, dabei hat auch dies immer zwei Seiten, es muss folglich auch das absolute Gegenteil der Sichtachse drin sein.
Die Erwachsene sieht das. Das Kind in mir bisher nicht. Ich lerne. Ich verstehe. Ich will mich neu erleben.