@Heffalump
Zitat: Magst du ihm mal erläutern - warum "vergessen" nur passieren kann, wenn auch er sich dem, warum es geschah, öffnet.
Vergessen ist für mich unmöglich, das weiß er.
Verdrängen, so wie er am besten damit umgeht, kann und will ich auch nicht.
Verarbeiten und verzeihen war und ist MEIN einzig möglicher Weg.
Das habe ich oft genug kommuniziert. Er hat es wiederum oft genug „akzeptiert, verstanden“. Aber eben mit Worten, nicht mit den Worten folgenden Taten. (Nachricht an mich selbst: daran muss ich arbeiten...!)
Zitat: Du wirst und hast auch schon, die Ursache für seinen Fehltritt nur bei dir gesucht, aber du bist nicht fremdgegangen - sondern er. Er hatte seine Hände und mehr - in einer anderen Frau!
Mag er das nicht erklären? Erläutern?
Wenn man es benennen kann, kann man es auch abwehren, falls er wieder in Versuchung käme.
Ich glaube, das Problem sind unsere beiden Herangehens- und Sichtweisen bezüglich Verarbeitung.
Natürlich, das ist mir klar, auch und besonders unser verschiedenes Innenleben.
Bei ihm die Schuld vordergründig, das „ertappt“ worden sein, das sich selbst einzustehende egoistische, lieblose, manipulierende Verhalten mir gegenüber.
Bei mir die Enttäuschung, der tiefe Eingriff in mein/unser Intimstes und dessen Heraustragen aus dem geschützten Bereich in fremde Gefielde sowie der komplette Sturz meines Rest-Selbstwertes ins Nichts.
Sein Problem, die Tat, ist für ihn doch schon längst abgehakt, lange vorbei. Er will sich damit auch nicht mehr im Nachhinein so intensiv auseinandersetzen.
Mein Problem hingegen sitzt ganz woanders und tiefer. Das hat mit seiner eigentlichen Tat des Fremdgehens weniger zu tun, als mit den langfristigen, emotionalen Auswirkungen auf meine Psyche.
Die Auswirkungen für und auf ihn sind völlig andere, als für mich. Dafür müssen wir beide im Erwachsenenmodus ankommen, um damit beidseitig verständnisvoll umzugehen.
Ich in Verletzung und Demütigung, Er in Anklage und Schuld - da findet sich erstmal kein gemeinsamer Nenner zur langfristigen Verarbeitung. Und weil mir das klar ist und ich nicht ewig mit den gleichen Argumenten neue Erkenntnisse erwarten kann, suche ich MEINEN Weg aus dem Teufelskreis.
Nur wenn ich aus meiner alten Rolle raus komme, gibt es eine Chance, dass auch er aus seiner heraus findet.
Zitat:Ein großes Thema der letzten Wochen bei uns ist,
Er - Ursache. Du - Wirkung. Er brachte etwas auf dem Weg, was sich nun nicht mehr aufhalten lässt, die Reise zu dir selbst, die Entdeckung, du bist mehr, als deine Mutter dir beibringen will - heute noch! Du bist eine eigenständige Persönlichkeit und du lässt dir kein U mehr als V vormachen.
Er hat es auf den Weg gebracht, in dem Glauben, dass er damit die Verantwortung „meiner Heilung“ abgeben kann und dann von weiteren „Paargesprächen“ und „Aufarbeitungen“ verschont wird.
Es fordert ihn zu sehr. Es überfordert ihn schlicht, überhaupt so tief zu gehen und dann noch lange in seinen Emotionen zu bleiben und vielleicht die Auswirkungen in sich zu SPÜREN. Das macht ihm Angst.
Er blockiert das durch entweder bockige Art, durch Schuldumkehr oder durch Jammern. Alles davon lässt normalerweise mein Bedürfnis nach Fürsorge oder Selbstverteidigung erwachen.
Einmal in seinem Selbstmitleid und Jammern über alles gefangen, gibt es keinen vernünftigen Weg, ihn da raus zu holen. Es gab bisher gefühlt nur einen Ausweg aus der Situation: Kampf. Wer hat den längeren Atem... Wer kann seine Schiene am längsten fahren…
Das ist zermürbend. Für beide. Nur wussten wir bislang keinen Weg hinaus.
Bleibe ich jetzt lange genug in meinen Grenzen und bewusst von den erwarteten Mitleidsgefühlen fern, zeichnet sich eine mögliche Art der Lösung für uns beide ab.
Das verlangt extrem viel Energie von mir, die ich aber gerne aufbringe. Um bei mir zu bleiben und mich zu schützen. Und gleichzeitig nicht dem Drang nach dem vor mir liegenden, altbekannten und so einfachen Weg nachzugeben. Die Komfortzone ist verlockend. Mein Bewusstsein aber ist aufgeweckt worden. Ich lasse mich nicht auf Verlockungen ein, sondern stelle mich der Herausforderung.
Der Umschwung in mir fühlt sich unglaublich gut und richtig an. Viel besser, als mein gewohntes Empfinden. Aber es ist verdammt schwierig. Muss es wohl sein, damit es sich nicht nur "mal eben", sondern langfristig in mir festsetzen kann. Und für "mal eben" bin ich nicht mehr bereit.
Das wiederum gelingt mir natürlich noch nicht sofort und auch noch nicht ständig. In mir kämpfen dann vertraute Gewohnheiten (mit denen ich ja durchweg gewohnt relativ gut gefahren bin) gegen die neu gewonnene Erkenntnis, dass es anders auch, und vielleicht für mich viel besser, gehen kann.
Manchmal fühlt es sich an, wie ein göttlicher Impuls, der mir sagt: DA IST NOCH SO VIEL MEHR !
Zitat: Ja, kann sein, du rückversicherst dich, deine Wahrnehmung bei deiner Therapeutin oder hier im Forum, aber dein Bauchgefühlt trügt dich selten. Dazu gehört auch, die Aufarbeitung seines Abenteuers. Nicht totschweigen oder scheibchenweise zugeben, denn dass ist dir gegenüber Respektlos.
Wer seinen Willy in anderen Frauen einbringen kann, kann auch Manns genug sein - dazu zu stehen, warum das passiert ist.
Darauf warte ich noch. Dass er „Manns“ genug ist, dazu zu stehen. Mein eigenes Reflektieren bringt zwangsläufig mit sich, dass ich meinen Mann auch anders sehe. Sein Weg zu sich selbst ist noch viel länger.
Er bleibt zu gerne in seiner gewohnten Komfortzone und stellt (ein bisschen sorgenvoll und ängstlich) gerade fest, dass dies nicht mehr einfach so akzeptiert und unterstützt wird von mir.
Zitat: Frau kann erst zur Tageordnung übergehen, wenn Aufarbeitung erfolgt
Gerade, während ich das hier schreibe, fällt es mir wie Schuppen von den Augen: er versucht (unbewusst, weil es ihm Angst macht) die viele Energie, die ich gerade in mir habe und für MICH aufwende, von mir abzuziehen.
Für sich zu nutzen - wohl wissend, dass es mich selbst schwächt.
Allein, dass ich versuche ihn zu verstehen und zu analysieren, zieht mir Energie ab. Ich merke das gerade und bin dankbar, dass es mir auffällt.
Ich muss mir immer wieder sagen: Das ist sein Thema, nicht meins.
(Nachricht an mich selbst: Kleine Schritte. Zeit lassen. Es wirken lassen. Erst dann reagieren ... oder auch nicht).
Danke für die Denkanstöße - das hat mir wieder ein kleines Stück weitergeholfen und mich weiter gebracht.
LG
Liliana.