Zitat von Caecilia: Am Scheitern habe ich sicher entscheidende Anteile
Stolper
Deine Ehe lief doch bestimmt auch ein, zwei Jahrzehnte, bist vermutlich auch jung zusammen gekommen, quasi beide mit Grün am Ohr. Man wächst ja zusammen, erarbeitet sich ein Gerüst, in dem beide konform gehen.
Und irgendwo ist das hüpfende Komma, wo man für sich, just in dem Moment nicht mehr mit zieht. Sei es, weil sich Ansichten ändern, sei es, weil gerade nicht gut in Form, sei es, weil andere familiäre Tragödien deine Aufmerksamkeit ablenken. Du eben nicht, deine wachsamen Augen in oder auf deiner Ehe/Partner hast.
Man hat schon vieles gemeinsam erlebt / überstanden, da vertraue ich doch darauf, das dieses Riff, wie alle anderen zuvor auch umsegelt wird.
Ich gehe doch nicht davon aus, das mein Mann, mein bester Freund, mein Partner, mein..., dies zum Anlass nimmt, sich anderweitig umzusehen ->und auch noch fündig zu werden
🤬 .
"Entscheidende Anteile"
Nach zwei Jahrzehnten, den statistischen 1,5 Kindern, ist Alltag, das Regelwerk, das es braucht, um zu funktionieren. Ob gut, ob schlecht, Ansichtssache.
Und wenn er dieses Alltag aufbrechen will, dann kann er es doch tun, aber nicht in fremden Gärten und unter fremden Nachthemden.
Natürlich läuft man nimmer barfuß im Park, weil Glasscherben oder barfuß im Regen, weil Schnupfen und Gicht, auf einem warten, noch tanzt man barfuß im Regen auf der eigenen Terrasse, weil dafür ist er nun wirklich zu alt, du hingegen würdest schon, aber er fragt nicht mehr.
Früher hing man Abende in Szenekneipen ab, redete mit jedem, der dort war - heute muss der Fernseher reichen, wenn er, wie tausend Andere, der bessere Fußballtrainer wäre, der bessere Politiker, der bessere Formel Eins Fahrer.
Das andere Leben, das von damals und das von "bald", lockt, zuerst leise, dann immer lauter.
Entscheidend ist nicht, wie viel Alltag sich einschlich, sondern, ob es möglich ist, den Alltag für das Besondere zu brechen. Davon zu zehren, bis man wieder aufbricht, den Alltag zu etwas Besonderem zu formen.
Und, ich muss gestehen - das war mit ihm extrem schwer.
Seine Marotten, die sogar Außenstehenden extrem auffielen, zu durchbrechen schier unmöglich.
- Der nie zu erreichende Geschmack von Ömsens Plätzchen als Beispiel von Vielen
um nur eines zu nennen, an den ich scheiterte bis er auszog. Den Geschmack erreichte ich nie, aber die Behältnisse der Plätzchen, waren oft schon Wochen vor Weihnachten leer und ich musste nachbacken. Ganz am Anfang unserer Ehe, da half er sogar noch bei Backen. Beim ausrollen, beim Ausstechen, beim Dekorieren.
Das endete, weil Arbeit.
Dann wurde bemängelt, das ich mir auch welche buk, obwohl ich doch den Geschmack seiner nie traft und hätte am Rezept feilen können.
Dann ging er zum Bäcker und kaufte dort, 100gr. für 7 Euro. Zusätzlich zu den meinen. Aber obwohl, der erinnerte Geschmack nie eintraf, kaufte er weiter beim Bäcker und mir wurde jedes Jahr suggeriert, das man meine Plätzchen schon essen könne - es fehlte eben nur dieser Geschmack.. !
Das ich mir ein Beispiel an meiner Schwester nehmen sollte, die buk 30 Sorten, ich müsste doch nur eine Sorte hinbekommen, dafür aber endlich mal richtig. Öms konnte ich nicht fragen, weil die gute Frau zum einen, nie seine Öms gewesen ist - und leider früh verstarb.
..wo waren Wir - ah, entscheidende Anteile
Letztes Jahr wollte Sohn auch wieder selbst gebackene Plätzchen von mir, weil früher hätte ich doch gern gebacken.., ich zu ihm, gern, wenn DU hilfst.
Er gab nach einem Nachmittag auf, weil viel Arbeit. Und es war nur eine Sorte, aber eine die er gewünscht.
Man fällt in so Rollen, die meist dann doch klassisch verteilt werden, spätestens, wenn Kinder da. Ja - es gibt Ausnahmen - ich kenne persönlich keine. Da wurde dann Alles, was Haus und Kinder betraf, mein Part. Er war zwar da, aber nur dabei, nicht mittendrin. Wenn er mitten rein wollte, dann mit despotischer Hand und nur so und nicht anders ging es.
So aus 7 Trennungsjahren Entfernung, würde ich fast von Absicht sprechen. Damit er nicht mehr als nötig tun musste - um Alltag zu leben, ihn mir aber vorzuwerfen.
Und um dann, sein Heil, in der Flucht zu suchen.
Trivia:
Vorletztes Jahr Weihnachten wurde ich eingeladen, bei Ihnen einen Weihnachtsumtrunk zu nehmen und auf dem Tisch standen Plätzchen.
