Zitat von acre: Und wenn nur noch 55 erfüllt werden und du dir von jemand anderem 85 versprichst?
Ich sehe übrigens auch nicht so absolut auf Beziehungen, aber langfristig sollten sie schon einen Mehrwert für mich haben.
Ich kann das gar nicht quantifizieren oder "Punkte abhaken". Für mich ist wichtig, dass ich mich in einer Beziehung wohl und aufgehoben fühle, dass Vertrauen da ist, dass es einfach dieses besondere "wir beide"-Gefühl gibt (nennt es "Liebe", von mir aus). Alles andere ist irgendwie "nachgeordnet". Für mich ist übrigens auch eine lange gemeinsame Geschichte etwas Besonderes und ein "Wert" an sich - und dieses darauf aufbauende "sich-blind-Verstehen", das man nur mit diesem Menschen hat. Das wird man in einer neuen Beziehung, zumindest in meinem Alter, nicht mehr erreichen.
Zitat von acre: Mein Punkt ist, dass er schon lange vor der Trennung so weit war, mich nicht mehr anständig behandeln zu wollen. Und ich habe einfach lange gebraucht, um das zu verstehen. Vielleicht erst mit Next, vielleicht schon vorher ist etwas in ihm so aus dem Lot geraten, dass es mir gegenüber keinen Anstand, kein Mitgefühl, kein Begehren, kein Verliebtsein mehr gab.
Das klingt schrecklich. War hier, abgesehen vielleicht von ein paar Wochen unmittelbar vor der Trennung, nicht so.
Zitat von acre: Vielleicht nicht bis an euer Lebensende, aber eine ganze Weile war es doch ganz gut? Lass dir das durch seinen Abgang nicht nehmen.
Für mich war es gut. Aber für ihn hat es offensichtlich nicht gepasst. Manchmal frage ich mich, ob er sich zu sehr auf mich und meine Vorstellungen von Beziehung "eingeschwungen" hat und damit seine zu kurz kamen? Eigentlich empfand ich uns immer sehr "auf Augenhöhe" - aber wissen, wie das aus seiner Sicht war, kann ich natürlich nicht.
Zitat von Unterwegs2023: Vielleicht hätte es mir leichter gemacht, unsere lange Beziehung als "trotzdem wert-voll" anzusehen. Damit bin ich immer noch beschäftigt ....
Ja, möglicherweise. Hier gab es das ja auch nicht. Mir fällt es auch schwer, meine lange Beziehung im Nachhinein als, wie du treffend schreibst "trotzdem wert-voll" anzusehen. Irgendwie finde ich das aber nicht mehr so schlimm. Es ist, wie es ist.
Zitat von Unterwegs2023: Ich finde das selbstverständlich - den Faden gibt's ja nur wegen der Trennungen. Genau hier ist/war ja der Ort, wo ich mich mit der Trennung auseinandersetzen konnte, mehr als im "echten" Leben und mit mehr Menschen, die diese Erfahrung gerade auch durchlebten. Vielleicht wie bei einem Klassentreffen, da schaut man auch zurück.
Ich finde deswegen schön, wenn und dass das "neue" Leben hier einfließt.
Genau das wollte ich gerade auch schreiben.
Zitat von Unterwegs2023: Habe trotzdem das Gefühl, alle hier in dem Faden blicken nach vorne. Eben in ganz unterschiedlichen Alltagen.
Absolut.
Zitat von SchlittenEngel: Oder wie es Michelle Obama formuliert hat "The beauty of my husband and our partnership is that neither one of us was ever really, ever going to quit at it, because that's not who we are."
Blöd halt, wenn man unwissend an einen "Quitter" gerät.
Den Michelle Obama-Spruch finde ich total schön. Bei meinem Ex hätte ich eigentlich schon vorher wissen können, dass er ein "Quitter" ist (er hatte ja schon mal eine Familie mit Kindern verlassen). Das meinte ich auch mit den unterschiedlichen Vorstellungen von Beziehung: Ich würde niemandem dazu raten, dauerhaft in einer Beziehung zu bleiben, in der er sich grundsätzlich nicht mehr wohlfühlt, keine Perspektive mehr sieht, dieses besondere Zusammengehörigkeitsgefühl nicht mehr spürt (ich schreibe bewusst nicht "unglücklich ist", weil das für mich irgendwie nicht passt). Wenn ich mich dauerhaft unwohl gefühlt hätte und alle Versuche, daran etwas zu ändern, nichts gebracht hätten, hätte ich mich auch getrennt.
ABER: Ich bin der "Fluss"-Typ von @Jamirah s Mutter oder Michelle Obama: So lange mein Grundgefühl gut ist und ich das Gefühl habe, wir haben ein stabiles Fundament, kann ich auch längere "Durststrecken" gut aushalten. Der "Wert" der Beziehung ist für mich dann immer noch da. Das ist ein bisschen, was ich oben mit "der Ex und ich hatten unterschiedliche Vorstellungen von Beziehung / waren dahingehend nicht kompatibel" meinte. Lange Zeit hat es vermutlich trotzdem ganz gut gepasst, auch für ihn - aber er ist der "Glück"-Typ und Next versprach eben "mehr Glück".
Ich hingegen hatte mich ja während der Beziehung auch mal verliebt und bin damit völlig anders umgegangen als er. Meine ich jetzt überhaupt nicht irgendwie "moralisch wertend" - sondern schreibe es, um zu illustrieren, dass unsere Sicht auf unsere lange Beziehung, der Stellenwert von "Streben nach Glücksmaximierung" etc. sehr unterschiedlich war.
Zitat von Jamirah: eine Ehe ist doch kein Fluss, der immer das gleiche Wasser hat.
Ja, genau - s.o..