@Rheinländer Ich versuche es mal ein bisschen aufzudröseln, aber habe im Hinterkopf, dass es um Gefühle geht und deshalb nicht unbedingt logisch ist.
Zitat von Rheinländer: Ich persönlich habe eher Mitgefühl erfahren, als ich den Freundes und Bekanntenkreis über die Trennung informiert habe.
Ich habe unglaublich viel Mitgefühl erfahren. Aber direkt nach der Trennung war ich auch in einer Situation, in der ich mich ständig anderen gegenüber offenbaren musste. Ich musste den Lehrern der Kinder schreiben, dass wir uns getrennt haben, ich musste anderen Eltern Bescheid geben, dass wir jetzt Umgangsregelungen haben, ich musste mit dem Finanzamt und der Bank sprechen. Ich war so tief verletzt und so am schwimmen, dass es jeder mitbekommen hat. Und es war eine so persönliche Angelegenheit, die ich nach außen tragen musste. In der Zeit hatte ich nur dieses Wissen: Er ist für eine andere gegangen. Und darüber musste ich Leute informieren mit denen ich mein innerstes gar nicht teilen wollte. Für dieses Angegriffensein, diese Hilfsbedürftigkeit, diese Ohnmacht, diese Erschöpfung in dieser Zeit habe ich mich immer mal wieder geschämt. Mein Selbstbild von starker, souveräner Frau hat nicht mehr funktioniert.
Jetzt nach 2,5 Jahren und meinen eigenen Kindern gegenüber ist es etwas anderes. Auch da möchte stark und souverän wirken. Und dass sie zunehmend verstehen wie ausgeliefert ich dieser Situation war, beschämt mich. Ein kleines bisschen sollen sie noch an meine mütterliche Allmacht glauben.
Das andere ist aber auch, dass ich mich für Ex schäme. Meine Kinder werden irgendwann verstehen, dass ihr Vater eine Zeit im Leben hatte, wo sie für ihn unwichtig waren. Ich schäme mich, dass ich nicht sagen kann, für euch haben wir alles versucht. Haben wir ja nicht. Er ist einfach gegangen.
@Jamirah Ich kann so viel schönes sehen, was in den Kindern durch diese essentielle Erfahrung entstanden ist. Da ist so eine Ehrlichkeit und Großherzigkeit entstanden, dass ich denke, ich werde stolz sein, wenn sie zu Männern werden. Ich hätte es aber gern, wenn sie noch ein paar Jahre Zeit gehabt hätten bis sie über mich und meine Befindlichkeiten nachdenken müssen.
Wenn sie zum Beispiel dabei erwische, dass sie in meinem Gesicht meine Gedanken lesen können, bin ich auf der einen Seite sehr stolz, dass sie diese Empathie haben, auf der anderen Seite wünsche ich mir noch mehr kindliche Ignoranz.
Zitat von Rheinländer: Siehst du dich so wie Plague geschrieben hat und hast deshalb auch Schamgefühle? So wie ich dich lese, kann ich mir das zwar nicht vorstellen, aber wer weiß.
Überhaupt nicht. Für mich gehen Scham und Schuld auch nicht so Hand in Hand. Ich kann mich auch für Sachen schämen ohne Schuld zu haben.