Zitat von acre: Und gar nicht so sehr weil eine Partnerschaft schön ist, oder man eine starke Schuler hat, wie susi schreibt, sondern viel eher, weil im Kopf dann Dinge wieder anders besetzt werden.
Schön, von Euch zu lesen allen!
Ich bin ja nun eine derer mit neuer Partnerschaft, und ich möchte nur aus meiner Sicht ein paar Sachen schreiben:
Bei mir wurde durch die neue Partnerschaft im Kopf nichts mit Blick auf Beziehung oder die alte Beziehung neu besetzt. Tut mir leid, @acre , vielleicht wird das bei Dir anders sein. Das existierte erstaunlich parallel - die Verarbeitung war sicher vor einem Jahr nicht erledigt. Die neue Partnerschaft und Verliebtheit waren aber für sich so tolle Gefühle, dass ich mich anders gefühlt habe. Ich finde es aber eher schwieriger, mit dem "Gepäck" der alten Beziehung diese neue zu leben ...
Zitat von Jamirah: Vielleicht ist es sehr entscheidend, wie die lange Beziehung erlebt wurde. schrieb von längerem Kampf vorher
Satz 1: absolute Zustimmung. Satz 2 (der bezog sich auf mich): Ich habe spät verstanden, dass das Gefühl von schlechter Beziehung nicht "aus dem Nichts wegen Langjährigkeit" kam. Sondern ein direktes Spüren der Abwesenheit meines Ex war - der war einfach schon raus (Erinnerung: zweieinhalb Jahre, 2 Frauen), eben Truman Show rückblickend.
Zitat von acre: Es waren vielleicht nicht ganz zwei Jahre, aber ich habe lange gehofft, die Beziehung zurückzubekommen. Gar nicht so sehr wegen Ex, eher weil ich mein Leben mit Ex so gemocht habe.
Ich glaube, das könnte einen größeren Unterschied in Trennungs- und Verarbeitungskonstellationen ausmachen:
Mein Ex war komplett gelöst, als er sich getrennt hat: gelöst von mir, aber auch gelöst, weil es raus war und er jetzt zu seiner Next konnte ... Es hat lange gedauert, bis ich festgestellt habe, dass mir auch eher mein Leben fehlt. Hätte mein Ex die Tür zu einem "zurück" aufgemacht, hätte es länger gedauert.
Zweiter Unterschied: Wir haben keinen Kontakt seit langem, da die Kinder erwachsen sind. War hart, macht es sicher einfacher.
Zitat von acre:Aber vieles in mir ist durch diese lange Beziehung und traumatische Trennung geprägt und ich denke mir, es wäre nett dem andere Erfahrungen entgegensetzen zu können. Auch damit es ein bisschen an Gewicht verliert und nur ein Teil von meinem Leben wird.
Das hat mich berührt, und ich würde Dir gern sagen, wovon ich überzeugt bin:
Es ist schon jetzt nur ein Teil deines Lebens. Eine neue Partnerschaft ist toll, besonders für den Selbstwert und das leichte Gefühl darin. Absolut. Aber es hat auch ohne schon an Gewicht verloren und wird es weiter; Du schreibst schon anders.
Vielleicht das noch: Die Trennung war für mich damals schlimmer als ein etwas länger vergangener traumatischer Todesfall in meiner Familie. Obwohl ich innerhalb der Beziehung recht autonom war, immer auch gearbeitet etc. Aber gefühlt war mein Leben weg (was @Caecilia schrieb: Kontrollverlust, Selbstwert). Heute weiß ich aus der Erinnerung an Anfang 2023 noch, wie zerstört ich mich durch den Betrug und Verlust meines liebsten Menschen gefühlt habe - aber ich fühle es nicht mehr. Der Todesfall hat heute noch die Wichtigkeit, nicht mehr den Schmerz, aber er steht singulär in meinem Leben. Die Trennung ist abgeflacht. Ich glaube, das hat mir mehr als vieles andere gezeigt, dass die Trennung eine große Veränderung war in meinem Leben. Ein wichtiger Teil. Aber nur ein Teil.
Zitat von Caecilia:Daher passt vielleicht der Begriff "gefüllt" gar nicht, sondern "neu definiert" wäre besser - und dabei hilft der neue Partner (m,w,d), der ja viele neue Impulse gibt.
Da hab ich jetzt drauf rumgedacht, weil es bei mir eher andersherum ist. Leerstellen oder Bedürfnisse werden gefüllt, ganz klar. Neu definiert ... weiß ich gar nicht. Vielleicht weil ich eh keine Beziehung (leben) will, mein Partner und ich uns aber sehr wohl miteinander fühlen .... wir sprechen da ab und an

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Ich glaube nicht, dass Menschen mit neuem Partner schneller in der Verarbeitung sind, eher im Gegenteil: Verarbeitung könnte eher verdrängt werden. Mit neuem Partner/Partnerin braucht man sich mit den inneren und den organisatorischen Veränderungen gar nicht so rumzuschlagen, sondern dockt halt woanders an.
Anders herum vielleicht: WENN die Verarbeitung schnell(er) durch ist, weil es keine Hoffnung auf zurück gab etc., dann ist man offener für neue Menschen, nicht zwingend neue Partner/-innen, auch Freundschaften, Flirts etc. Also zuerst Verarbeitung, dann überhautp erst Interesse an Neuem (oder so eben bei mir, vielleicht bei anderen anders).