Zitat von Unterwegs2023: Ich glaube, das könnte einen größeren Unterschied in Trennungs- und Verarbeitungskonstellationen ausmachen:
Mein Ex war komplett gelöst, als er sich getrennt hat: gelöst von mir, aber auch gelöst, weil es raus war und er jetzt zu seiner Next konnte ... Es hat lange gedauert, bis ich festgestellt habe, dass mir auch eher mein Leben fehlt. Hätte mein Ex die Tür zu einem "zurück" aufgemacht, hätte es länger gedauert.
Zweiter Unterschied: Wir haben keinen Kontakt seit langem, da die Kinder erwachsen sind. War hart, macht es sicher einfacher.
Das ist bei mir ja auch beides so (bzw. durch K3 ist "indirekt" noch etwas Kontakt da - aber direkt (Telefon, persönlicher Kontakt) auch schon ewig nicht mehr, über zwei Jahre). Insbesondere war bei meinem Ex auch sofort klar, dass es keinerlei Chance auf ein Zurück gibt, dass er daran nullkommanull Interesse hat (er wollte nur zu seiner Next und mich so schnell wie möglich loswerden, das war mehr als eindeutig) - rational war mir das sofort klar und emotional nach etwa sechs Monaten.
Trotzdem bin ich "langsam" in der Verarbeitung.
Zitat:Vielleicht das noch: Die Trennung war für mich damals schlimmer als ein etwas länger vergangener traumatischer Todesfall in meiner Familie. Obwohl ich innerhalb der Beziehung recht autonom war, immer auch gearbeitet etc. Aber gefühlt war mein Leben weg (was schrieb: Kontrollverlust, Selbstwert). Heute weiß ich aus der Erinnerung an Anfang 2023 noch, wie zerstört ich mich durch den Betrug und Verlust meines liebsten Menschen gefühlt habe - aber ich fühle es nicht mehr. Der Todesfall hat heute noch die Wichtigkeit, nicht mehr den Schmerz, aber er steht singulär in meinem Leben. Die Trennung ist abgeflacht. Ich glaube, das hat mir mehr als vieles andere gezeigt, dass die Trennung eine große Veränderung war in meinem Leben. Ein wichtiger Teil. Aber nur ein Teil.
Das ist auch sehr spannend - ist bei mir nämlich nicht so. In meiner engsten Familie gab es knapp zwei Jahre vor unserer Trennung auch einen sehr traumatischen Todesfall (und einen weniger traumatischen vor ein paar Monaten). Ähnlich wie bei dir war bei mir, dass ich unsere Trennung tatsächlich als deutlich schlimmer erlebt habe als diese Todesfälle. Das Markierte ist bei mir aber nicht so: Das Einschneidende der Trennung für mein Leben ist für mich nicht abgeflacht (der entsprechende Schmerz natürlich schon). Es ist wie eine Kerbe, die sich nicht mehr reparieren bzw. "abschleifen" lässt.
Zitat:Da hab ich jetzt drauf rumgedacht, weil es bei mir eher andersherum ist. Leerstellen oder Bedürfnisse werden gefüllt, ganz klar. Neu definiert ... weiß ich gar nicht. Vielleicht weil ich eh keine Beziehung (leben) will, mein Partner und ich uns aber sehr wohl miteinander fühlen .... wir sprechen da ab und an .
Ich glaube nicht, dass Menschen mit neuem Partner schneller in der Verarbeitung sind, eher im Gegenteil: Verarbeitung könnte eher verdrängt werden. Mit neuem Partner/Partnerin braucht man sich mit den inneren und den organisatorischen Veränderungen gar nicht so rumzuschlagen, sondern dockt halt woanders an.
Anders herum vielleicht: WENN die Verarbeitung schnell(er) durch ist, weil es keine Hoffnung auf zurück gab etc., dann ist man offener für neue Menschen, nicht zwingend neue Partner/-innen, auch Freundschaften, Flirts etc. Also zuerst Verarbeitung, dann überhautp erst Interesse an Neuem (oder so eben bei mir, vielleicht bei anderen anders).
Das Markierte kann bei mir gut sein. Wobei Interesse an Freundschaften bei mir schon anders getriggert ist als Interesse an einem potentiellen neuen Partner. Interesse an neuen Freundschaften hatte ich im Prinzip ab dem Punkt, als der initiale, heftige Trennungsschmerz abgeflacht war (war nach ein paar Monaten). Da war trennungsmäßig noch nicht viel verarbeitet - aber das war für mich einfach ein anderes Thema.
Zitat von acre: Das andere ist, dass sicher viele verschiedene Faktoren wichtig sind, wie schnell oder langsam man verarbeitet. Ganz entscheidend wird aber auch sein, wie die eigenen Konflikt- und Verarbeitungsfähigkeiten sind. Und vielleicht auch, was das Ziel ist.
Das ist der entscheidende Punkt, glaube ich.