Zitat von acre: Und das habe ich nicht. Manche Sachen haben sich verändert, aber ich habe die gleiche Wohnung, eine ähnliche Arbeit auf niedrigerem Niveau und zwei Schulkinder, was wenig Flexibilität ermöglicht. Mein normaler Alltag hat sich nur wenig geändert, aber die Belastung ist höher geworden.
Das mal vorangestellt: Unabhängig von unseren Trennungserfahrungen ist ein Leben mit Klein- oder Schulkindern per se fremdbestimmter als ohne/mit erwachsenen Kindern. Als Alleinerziehende/r oft umso mehr.
Dein Post hat mich trotzdem geplättet, wie unterschiedlich sich das Leben durch oder nach einer Trennung gestaltet. Deine höhere Belastung tut mir leid: Ich dachte, weil Du und Dein Ex Euch viel mit Eurer Situation auseinandergesetzt habt, hättet Ihr vielleicht ein faires Wechselmodell, das Dir Freiraum gibt, auch wenn Du Hauptansprechpartnerin für Eure Kinder bist. Bei einer Freundin habe ich diesen Freiraum erlebt, ist aber vermutlich sehr selten.
Mir ging nochmal unsere Gespräche hier im Thread durch den Kopf: Kleinere Kinder können den Alltag nach einer Trennung stabilisieren, sie brauchen, aber geben auch Halt, auch emotional. Man balanciert nicht nur die eigenen Gefühle, sondern auch die der Kinder, also auch die im Alltag. Ohne Kinder im Haushalt hat man mehr Freiheit zu entscheiden, aber auch weniger "Halt" im Alltag, Blatt im Wind ...
Ich hoffe, Dein Ex wächst da weiter rein, so dass es für Dich neuen Freiraum in der Konstellation gibt und nicht nur höhere Belastung. Und für Eure Kinder zwei Zuhause, die beide gut für sie sind. Wünsche ich Euch!
Zitat von acre: Wie geht es denn deinen Kindern inzwischen mit der Trennung?
Mein Gefühl ist, dass die Trennung sie in ihrem Leben nicht belastet, obwohl die Affären einen Bruch im Verhältnis zum Vater ausgelöst haben. Besonders für K (Mitte bis Ende zwanzig inzwischen). Der Betrug war und ist für ihn nicht in Ordnung, und sein Vater interessiert ihn quasi nicht mehr. Er bleibt höflich-freundlich, besucht ihn auch mal, wenn er "zuhause" ist, aber inzwischen befürchte ich, dass das so bleibt. "Zuhause" in der Heimatstadt ist jetzt eben meine Wohnung. Ich finde es traurig, weil mein Ex ein super Vater war, wir hatten eine lange Zeit beide Teilzeit, beide gleiche Zeit mit den Kindern usw.
Ich erinnere mich aber auch daran, dass ich mit Mitte 20 mein eigenes Leben hatte. Das war die Zeit, in der ich meine Eltern am seltensten besucht habe "in der Heimat", ganz ohne Zerwürfnisse. Vielleicht ist es für sie also wirklich quasi egal inzwischen, obwohl sich ja auch einige geändert hat, siehe Rituale oder das verkaufte Familienzuhause. Schwer zu sagen ...
Zitat von Caecilia: Trotzdem ist so etwas wie z.B. die Etablierung eines neuen "Kernfamilien-Weihnachtens" hier nicht mehr wirklich möglich gewesen
Das ist hier bisschen anders. Ich bin schon Ende des Jahres nach der Trennung umgezogen, also schon zwei Weihnachten. Wir haben wenige, aber kleine schöne Rituale seitdem. Circa die Hälfte des früheren Weihnachtens über Bord geworfen, die andere Hälfte übernommen. Ich fand beide Weihnachten hier super heimelig, vielleicht auch im Kontrast zu den letzten Weihnachten "als Familie", die sich fake angefühlt haben ... was sie letztlich waren. Klassisches Weihnachten mit Kirche und Krippe ist hier nicht, gemütliches Weihnachten aber sehr.
Zitat von Caecilia: Die haben das also bisher auch nicht hinbekommen, obwohl ich das gehofft hatte und noch hoffe, also, dass die Kinder dort eine "familiäre Heimat" finden.
Zum Markierten: Deine Kinder sind ja auch erwachsen oder fast erwachsen. Ich glaube nicht, dass die Kinder eine andere familiäre Heimat brauchen (weil Du schreibst: hoffe). Ich könnte mir vorstellen, dass sie Eure Familie als Familie "behalten", auch wenn es diese nicht mehr gibt. Aber in dem Alter braucht es vielleicht keine Ersatzfamilie? Schön wäre, wenn sie sich bei ihrem Vater weiterhin wohlfühlen .... vielleicht sogar "trotz" Next.
Dein Ex klingt bisschen wie meiner in der Hinsicht, alles easy peasy, ist doch alles fein, können ja mal einen Kaffee trinken? Aber wie soll sich Nähe zwischen Deinen Kindern und der Next plus deren Kind einstellen, wenn es noch nicht einmal häufige räumliche Nähe gibt? An Ostern und Weihnachten? Ich höre übrigens oft, dass auch erwachsene Kinder eine/n Next doof finden, unabhängig davon, wie die Person tatsächlich ist. Aber auch logisch: Das sind erstens fremde Erwachsene, die zweitens die eigene Mutter/Vater verdrängen, zu denen das Kind auch solidarisch ist, nicht nur, aber auf alle Fälle auch. @Jamirah : Du oder Ihr scheint das sehr gut hinbekommen haben, quasi im Spannungsfeld zwischen kein neuer Vater, aber Vertrauensperson. Dazu scheint es mir aber deutlich mehr Gespür fürs eigene Kind zu brauchen, als das, was Dein @Caecilia oder mein Ex offenbar verstehen ...