Liebe @Jamirah
ich danke dir für deine offene und direkte Ansprache, die ich wirklich(!) sehr zu schätzen weiß und habe lange überlegt, ob und vor allem wie ich dazu was sagen möchte.
Zitat von Jamirah: Du klingst immer so klar, fast hart. So als ob wir da versagen.
Es tut mir aufrichtig Leid, wenn dir meine Meinung das Gefühl gibt, dass du oder andere auf dem von euch gewählten Weg, in meinem Augen versagen würdet. Ich bin nicht hier um die Entscheidungen oder das Verhalten wildfremder Menschen in schwierigen Situationen, zu bewerten oder gar anzuklagen, sondern berichte lediglich über
meine persönlichen Erfahrungen und Werdegang mit Menschen, die sich - und das auch noch insbesondere im Namen der Liebe- als respektlos, feige, egoistisch ,verantwortungslos, kalt und ignorant erwiesen haben.
Vielleicht ist es an dieser Stelle einmal wichtig zu erwähnen, dass ich mit "Versagern" weniger Probleme habe (im Grunde eher gar keins), als mit Flüchtenden! Denn versagen bzw. scheitern, kann nur derjenige, der
stehen bleibt und tatsächlich etwas versucht, auch wenn es ihm/ihr im Inneren sowie Äußeren schwerfällt! Besonders schlimm für mich wird es somit erst dann, wenn Menschen flüchten und dabei auch noch das Opfer ihrer eigens getroffenen Entscheidungen spielen und sich lieber im permanenten Selbstmitleid suhlen.
Ich muss ehrlich gestehen, dass ich mit solch einer Haltung bereits seit frühester Kindheit konfrontiert worden bin und mein Vertrauen in Menschen, daher stark beschädigt hat. In meiner Kindheit wurde ich mit verbaler Liebe regelrecht überschüttet uns es verging praktisch kein Tag an dem man mich nicht daran erinnert, hat, dass alles was man tut, ausschließlich für uns und unserem Besten tun würde. Das lustige dabei ist, dass ich noch nicht einmal behaupten kann, als Kind keinerlei Mitspracherecht gehabt zu haben oder mir man zumindest nicht einmal die Möglichkeit eingeräumt hätte, meine Meinung zu diesen "Entscheidungen" kund zu tun, denn das durfte ich sehr wohl. Leider bringt das aber herzlich wenig, wenn man am Ende der Fahnenstange feststellen muss, dass die eigene Meinung dazu, dennoch nur wenig bis gar keine Relevanz hat, weil die Entscheidung bereits schon vorher feststand.
Es hat mich sehr viel Selbstdisziplin gekostet in zwischenmenschlichen Beziehungen jedweder Art,
entgegen meiner Intuition zu handeln und NICHT voreingenommen zu sein. Es ist schwer eine solche Haltung beizubehalten, wenn man nie eines besseren belehrt wird, sondern vielmehr eine (traurige) Bestätigung darin findet.
Zitat von Jamirah: man muss den Menschen da abholen, wo er steht.
Dem kann ich nur voll und ganz zustimmen, da dies auch schon immer meine Gesinnung war.
Allerdings hat mich persönlich irgendwann einmal die Erkenntnis eingeholt, dass um jemanden abholen zu können, derjenige auch irgendwo SICHTBAR stehen muss. Denn wenn dem nicht so ist, dann ist man Ende nur damit beschäftigt, stets hinterherlaufen zu müssen und jedes mal , wenn man denkt das man endlich angekommen ist, das Gegenüber bereits schon wieder in den nächsten Bus gestiegen ist.
Aus diesem Grund (auch wenn es mir wirklich sehr sehr schwergefallen ist) habe ich irgendwann den Mut dazu aufgebracht, mich diesem ambivalenten Verhalten durch ständiges Mitlaufen ( Stichwort "Kompromiss") NICHT mehr anzupassen, sondern bin stehen geblieben und habe mich klar in die Richtung positioniert, in die ICH nun laufen werde und das vollkommen unabhängig davon, wo es dem anderen und
aktuell gerade beliebt zu stehen oder zu gehen.
Im Flugzeug heißt es immer : " Im Notfall setzten sie sich bitte immer zuerst selbst die Beatmungsmaske auf und helfen erst dann Kindern oder älteren Menschen." Logisch oder? Denn wenn man selbst droht zu ersticken, dann kann ich auch niemanden anderen "retten" oder zu Hilfe eilen. Da ich ein sehr emotionaler, tiefgründiger, leidenschaftlicher und resilienter Mensch bin, habe ich lange gebraucht um das auch wirklich umzusetzen.
Spätestens seit der Geburt meines ersten Kindes, ist es mir persönlich nur noch bei Kindern absolut gleichgültig wo diese stehen, denn Kinder hole ich immer ab...egal wo sie gerade gehen oder stehen.
Ich hoffe du verstehst meinen Auftritt hier nun besser und fühlst dich in deinen Entscheidungen oder Verhalten nicht mehr persönlich angesprochen oder getriggert.
