Zitat von acre: Ich bin da super zurückhaltend. Es ist gut mit den Kindsvätern/mütter zu diesem Thema im Gespräch zu bleiben, aber ich denke, dass deutsche Recht, dass Kinder ab 10 gehört werden und ab 12 mitentscheiden können ist da sehr vernünftig.
Deine kleine Maus kann ja wahrscheinlich gerade so eine Woche überblicken (vielleicht zwei). Sie ist noch zu jung für diese Entscheidung. Ich stelle mir Wechselmodelle für die Kinder sehr anstrengend vor, einfach weil sie so viel hin und her haben. Wenn deine Tochter aber insgesamt entspannt ist, würde ich an eurem Modell nicht drehen.
Mitentscheiden und angehört werden sind aber 2 Paar Schuhe. Auch kleinere Kinder werden von dafür geschulten Personal gefragt ob sie sich denn auch vorstellen könnten bei Papa/Mama zu leben....vielleicht nicht so direkt wie bei älteren aber allein die Frage bewirkt ja eine Art "ich muss entscheiden". Und auch ab dem 12. LJ ist es nur ein "mitentscheiden". Ich kenne eine Mutter deren Tochter wollte unbedingt zu ihr, sie war da wohl schon 14...> wurde abgelehnt vom Gericht. Es dauerte wohl über 1 Jahr bis dem Wunsch des Kindes folge geleistet wurde.
Für die Kinder ist am Ende jedes Modell irgendwie anstrengend, zumindest wenn man mal davon ausgeht, das vor der Trennung der Alltag irgendwie gut funktionierte und die Kinder nicht zu kurz kamen.
Zitat von Caecilia: Das hatte ich noch gar nicht mitbekommen, dass Deine Eltern sich auch getrennt haben. Du warst in etwa so alt wie mein K3 (bei der Trennung 14, jetzt 15). Magst Du mal ein bisschen was dazu schreiben, wie das für Dich war?
Zitat:Ich hoffe schreibt dir noch was zu seinem Erlebnissen bei der Trennung seiner Eltern.
Ich hab ne Weile überlegt ob und wie ich es mache....hier öffentlich oder per PN. Aber am Ende isses wurscht, mich kennt hier eh keiner.
Im Grunde weiß ich nicht ob ich dir da wirklich helfen kann @Caecilia. Zum einen ist jedes Kind anders und zum anderen war es bei uns damals eine ganz andere Situation. Mein Vater ist Alk., inzwischen zwar schon viele Jahre trocken, aber damals eben noch nicht. Das Thema Trennung stand schon öfter mal im Raum, über Jahre hinweg war es immer mal schwierig. Mir wurde von meiner Mutter erzählt, das ich ca mit 9 oder 10 im Urlaub mit meinen Großeltern mal geweint hatte und fragte wo ich denn schlafen werde wenn meine Eltern sich trennen.
Du siehst also das es sich noch einige Jahre gezogen hat bevor es zur eigentlichen Trennung kam.
Des weiteren war ich schon recht früh selbstständig geworden. Zu besagtem Trennungszeitpunkt meiner Eltern waren mir die Probleme durchaus bewusst (kurz nach dem Jahreswechsel...scheint sich bei mir wie ein roter Faden durchzuziehen. Affäre > Weihnachten 20, keine Gefühle mehr Anfang Jan.22, Trennung inkl. Warmwechsel Mitte Jan. 23)
Ich weiß noch das ich bereits geschlafen habe und hörte das es unruhig wurde im Haus. Als ich aus meinem Zimmer kam ist meiner Mutter runter in die Garage, mein Vater (wie fast immer damals betrunken) hinterher....Mutter ins Auto.
Mein Vater stand nur da und sagte noch zu mir "**** sag doch irgendwas"....das einzige was ich sagte war "lass sie gehen".
Keine Ahnung warum ich zu dem Zeitpunkt so nüchtern betrachtet habe. Aber auch wenn viel nur noch schemenhaft, wie verschwommen in meiner Erinnerung ist werde ich diesen Moment wohl nicht vergessen.
Aus meiner Perspektive und was ich so mitbekommen hatte dachte ich immer das der Scheidung recht friedlich ablief ohne Streit. Dem war wohl nicht so, sagte mir meine Mutter vor einigen Monaten. Ich weiß auch noch das ich irgendwann man mit meinem Vater bei seiner Anwältin saß, das war ein beschissenes Gefühl...weil es sich so anfühlte als würde ich gegen meine Mutter "aussagen" oder "ankämpfen". Sie hatte ja nichts unrechtes getan, mein Vater ja auch nicht. Der Alk. war das Problem.
Ich entschied mich damals bei meinem Vater zu bleiben. Ich weiß das es meiner Mutter sehr weh getan hat....und diese Entscheidung wirkt bei mir noch immer irgendwie nach, keine Ahnung warum oder wie, aber irgendwie habe ich auch knapp 23 Jahre später noch immer ein komisches Gefühl dabei. Und jedes Weihnachtsfest, Geburtstag fühlte sich immer wieder auf's neue an wie "sich entscheiden müssen". Einerseits hatte ich damals Angst das mein Vater endgültig auf die Schiefe Bahn gerät. Andererseits wollte ich in meinem jugendlichen Egoismus wohl auch einfach nicht auf die Annehmlichkeiten mit dem Haus verzichten, mein Freundeskreis war da, meine Schule war da, meine Mutter zog in eine andere Stadt, nicht weit.
Ich hatte eine gewisse Narrenfreiheit da mein Vater auch in Schichten arbeitet und ich sehr viel auf mich allein gestellt war.
Aber wie du siehst ist meine Geschichte keine gute Blaupause...ich ahnte was passieren würde. Damals schon mit 15 und habe rational entschieden, das kann ich heute teils auch noch....als würde ich funktionieren, innere kälte und rational entscheiden/beraten. Was da passiert ist überkommt mich meist erst später. Wie es mir damit ging, das kann ich garnicht mehr so richtig sagen. Ich glaube ich habe viel verdrängt. Aber dadurch hatte ich auch immer Angst vor eigenen Kindern, weil ich nie wollte das sie sowas auch durchmachen müssen. Das ich mich dann doch auf die Falsche Frau eingelassen habe konnte nach über 10 Jahren Beziehung und dem angefangenen Hausbau ja keiner ahnen.
Wie jemand das verarbeitet ist sehr individuell, ich habe immer alles mit mir ausgemacht und bin damit eigentlich gut gefahren. Ich würde es wie einen Schutzpanzer bezeichnen. Geändert habe ich das erst nach der Affäre meiner NF und habe gelernt -> über Gefühle/Ängste /Sorgen reden ändert auch nichts. Weiß dann nur einer mehr. Auskotzen bei dritten tut vielleicht mal gut, aber ändert nichts grundlegendes.
Wenn ich dir einen Rat geben kann, dann eigentlich nur das ihr versuchen solltet die Kinder so weit wie nur irgendmöglich herauszuhalten, nicht Teil werden lassen des Entscheidungsprozesses. Nach Befindlichkeiten fragen ist ok denke ich, aber mit 15 dürften die meisten ihre Wünsche auch selbst äußern. Vielleicht ist es für Jugendliche sogar ein wenig einfacher, weil man sich eh gerade irgendwie aus dem Elternhaus lösen möchte, selbstständig sein, erwachsen sein und sich viel im Umbruch befindet. Ich stelle es mir für kleinere Kinder schwerer vor.
Bei Fragen fragen....aber ich weiß nicht ob dir das was nützt.