Zitat von DasWird: Aber vor allem: Ex hat sich ja damals nicht mehr um mich bemüht, sondern erwartet, dass ich etwas ändere.
Ich finde Eure Erfahrungen sehr spannend, weil das für mich ja auch eine Kernfrage ist inzwischen - wie bleiben Beziehungen lebendig und hätte ich etwas anders machen können. Mein Ex war hier anders, siehe unten: Er hat sich nicht mehr bemüht. Es war ihm aber auch schnuppe, dass ich mich bemüht habe.
Zitat von DasWird: Hätte nämlich er sich mehr um mich bemüht, hätte das mit Bestimmtheit dazu geführt, dass auch ich wieder mehr investiert hätte.
Ja, da stimme ich zu. Nur: Ich hatte ja mehr investiert, bestimmt eineinhalb Jahre vor der Trennung damit begonnen. Es hat nicht dazu geführt, dass er seinerseits sich dann wieder um mich bemüht hat. Also, letztlich ist das genauso ein hätte hätte wie viele andere meiner Gedanken, warum wir es "nicht geschafft" haben.
Zitat von Caecilia: dann wäre das ja etwas gewesen, was nicht in meiner Macht gestanden hätte.
Ich bin relativ sicher, dass genau das der Fall ist, nämlich dass es NIE in Deiner Macht gestanden hat, weil Du eben "nur" 50 Prozent der Beziehung bist. Und zwar wirklich egal, ob Du geredet hättest oder nicht. Und weil noch tausend andere Momente außer Euch zweien vermutlich die Beziehung beeinflusst haben. Siehe die Erfahrungen von @Payne und letztlich meine.
Bei mir ist es so, dass ich mich oft gefragt habe, warum ich nicht früher geredet habe. Also: vorwerfen, nicht genug für die Beziehung getan zu haben, kann sich vermutlich jeder Mensch. Und zwar komplett egal, was er/sie getan hat.
Ich glaube aus meiner Trennungserfahrung nicht mehr, dass es Sinn macht, eine Beziehung im Kopf zurückzuverfolgen zu dem Punkt, wo man/ich eine Chance auf Änderung gehabt hätte. Das ist ein bisschen diese Roman-Idee von der Zeitreise - wie hätte sich die Welt verändert, wenn schlimmste Menschen der Zeitgeschichte nicht geboren worden wären ... Bisschen überspitzt, aber da gibt es so unendlich viele Faktoren, allein auf Deiner Seite. PLUS: Deinen Ex als eigenständige Persönlichkeit. Ich fände eher an Deiner Stelle interessant, warum Dich dieser Gedanke nicht loslässt: Wärst Du jetzt noch lieber in Deiner Beziehung? Ich glaube, ich bin immer noch wütend manchmal und ich könnte mir gut vorstellen, dass Du vielleicht auch wütend - auf Dich wegen Nicht-Reden - bist bei dem Gedanken, durch welchen Mist Du durchmusst? Aber wenn Du Dir nur Deinen Ex anschaust als Mensch, als Mann: ist es eher der Mist oder eher der Mann oder eher die Selbstwirksamkeit, à la "Ich wünschte, das wäre alles nicht passiert, und ich hätte es in der Hand gehabt"-Gedanken?
Aus meiner Erfahrung raus würde ich an Deiner Stelle versuchen, einen Punkt im Kopf zu setzen und das loszulassen, weil ich das Gefühl habe, Du wirfst Dir ernsthaft etwas vor und quälst Dich und machst Dich verantwortlich, zu sehr. Ich glaube, das ist sachlich falsch.
Zitat von Caecilia: Schließlich habe ich nichts gesagt, weil ich - wie Du - warum auch immer - überzeugt davon war, dass der Ex mich nie verlassen würde.
Den Gedanken hatte ich genauso, bei mir ist es nicht "warum auch immer", sondern wir hatten gemeinsam "für immer" vereinbart - oder eben reden. Ich dachte, das kann man ernstnehmen. "warum auch immer" finde ich aber auch bei Euch falsch: Ihr wart eine Familie, habt gemeinsame Kinder, verlassen ist da nicht im Kopf (dachte ich .... naiv, vielleicht).
Zitat von Payne: Das Problem war bei uns, meinem Ex war nicht mal bewusst, dass was nicht stimmte.
Hier auch, glaube ich ihm sogar. Nicht alle Menschen spüren, was sie fühlen. Dass mein Ex konfliktscheu ist, habe ich geahnt. Ich dachte zu lange, er ist halt entspannter mit vielem, ich möchte immer reden. Stimmte nicht. Er war nicht entspannter, er hat nur nicht geredet. Oder nicht wirklich gefühlt: Er hat mir ja vier Wochen vor der Trennung freundlich versichert, dass alles in Ordnung ist und er gern mit mir zusammenlebt. Und was ich denn hätte. Er hat das völlig ernst gemeint. Zu dem Zeitpunkt hat er vermutlich gedacht, die zweite Affäre kann er wie die erste im Hintergrund laufen lassen. Die Biochemie hat das ratzfatz geändert. Aber dahinter steckt schlimmste Konfliktscheuheit ... Edit: Und vermutlich genau deswegen hätte auch früheres Reden bei uns nichts geholfen.