Zitat von acre:Mit dem Lösen von mir hat er sich aber auch aus vielen anderen Bereichen gelöst. Das schmerzt und es war wesentlich schlimmer als erwartet.
Wie wenig es für ihn um mich als Person noch geht, und wie viel um mich in meiner Funktion, habe ich aber erst durch den gemeinsamen Versuch verstanden.
Das trifft es wohl.
Diese Erkenntnis ist sehr schmerzhaft. Als geliebter Mensch (wenn ich es überhaupt mal war), habe ich schon lange keine Rolle mehr gespielt.
Aber genau das ist es, ich hatte eine Funktion. Ich war leider notwendiger Teil dieses gesamten Konstruktes (Wohnort, Familie, Freundeskreis usw), wobei das jetzt negativer klingt, als es gemeint ist. Ich war jetzt für sie keine Qual, das glaube ich nicht, aber ich wäre es um meiner selbst Willen auch nicht wert gewesen, gehalten zu werden. Das Gesamtpaket war das, was für sie am Ende ok war.
Aber: Wenn das Angebot nur gut genug war, kann man das Gesamtpaket auch "in Zahlung geben".
Zitat von Caecilia:Was für mich zählt, ist die emotionale Affäre - und da bin ich bei uns recht sicher, dass die auch schon ziemlich lange ging.
Da bin ich absolut bei Dir. Ich will gar nicht wissen, wie oft sie mit dem weißen Ritter getextet hat, während sie neben mir saß. Auf den Gedanken, sie könne mit einem anderen schreiben, wäre ich überhaupt nie gekommen. Vertrauen und so.
Für sie war nur wichtig, "ich bin nicht fremdgegangen", also das Körperliche. Dass sie tatsächlich doch fremdgegangen war, hat sie nie verstanden.
Lag aber sicher auch an ihr selbst. Ich kann mich erinnern, dass sie mich mal gebeten hat, ich solle es ihr bitte sagen, wenn ich fremdv.... würde, sie wolle das nicht von anderen erfahren.
Das war aber nicht so eine "Ehrlichkeitssache", es ging dabei darum, dass es für sie die schlimmste Vorstellung war, man könne hinter ihrem Rücken über sie tuscheln und Späße machen.
Nicht, dass der geliebte Mann einer anderen beiläge war die eigentlich schlimme Vorstellung, sondern dass sie von anderen als gehörnter Trottel wahrgenommen werden könnte.
Deswegen hatte sie auch überhaupt keine Gewissensprobleme mit gegenüber. Äußerlich ist nichts gelaufen, sie hat "ordnungsgemäß" die Trennung ausgesprochen und gut ist.
Dass genau das, was Du hier schreibst, das eigentlich Schlimme ist, auf die Idee wäre sie niemals gekommen. Sie kann das nicht verstehen.
Zitat von Unterwegs2023:Aber mit Blick auf die Kinder: Das Schlecht-Anfühlen haben sie damals nicht mitbekommen. Die Trennung war für sie, wenn man so will, noch abrupter als für mich. Thema: Sicherheit in Bindungen, Sicherheit im Leben etc. .....
Diese Sorge habe ich auch. Unsere Kinder haben die Trennung überhaupt nicht kommen sehen. Also noch viel weniger als ich (und ich habe es gar nicht gesehen).
Was macht das mit einem? Wenn dieses Familienkonstrukt, auf das immer Verlass war, das immer da war, wo man ein Urvertrauen hatte, wenn das zerbricht?
Ich fürchte fast, für Kinder, die aus so einer heilen Welt kommen, ist eine Trennung traumatisiertender als für Kinder, die es ahnen, etwa weil Mama und Papa sich eh dauernd streiten. Scheint mir jedenfalls logisch zu sein, dieser Gedanke.
@Newbee
Schön zusammengefasst. So ist es wohl, es ist wie ein Dro., vermute ich. Und wenn es schief läuft kommt danach ein übler Entzug.
Das alte Leben hat der Dro. durch seine Sucht verloren und die Dro. bekommt er nicht mehr. Klingt öde.