Zitat von acre:Das sind ja eigentlich Fragen, auf die es keine richtige Antwort gibt. Wie bewußt oder unbewußt haben sich die Verlasser schon abgenabelt? Wie viel "Liebe" in der Beziehung war Gewohnheit? Wie sehr haben sie wirklich in der Beziehung gelitten?
Mein Ex wollte auch keine Reflexion in der Aktuphase. Ihm ist auch da erst aufgefallen, dass sich seine Gefühle für mich verändert haben. Sein "Grund" für Next hat seiner Aussage nach, nichts mit mir zu tun. Aber er war sich meiner nicht mehr sicher genug um diesen Grund zu besprechen.
Das ist aber ja genau das, was ich schrieb. Da folgt jemand irgendwelchen Impulsen, es sind egoistische Motive. Das ist jedenfalls meine Schlussfolgerung.
Sich des anderen "nicht mehr sicher genug sein" ist eine normale Phase, die sicher jeder mal durchlebt, behaupte ich.
Als Menschen haben wir aber neben dem Stammhirn auch noch das Großhirn. Wir können steuern. Wir können uns beherrschen, wir können uns selber mit purem Willen zu etwas zwingen.
Das hat er aber offenbar nicht getan.
Ich bleibe bei meiner These, es gibt diese durchgängige romantische Liebe aus den Grimms-Märchen nicht. Eine lebenslange Beziehung ist halt Arbeit und auch Disziplin gegen sich selbst. Natürlich nur, wenn man die Option, sich aus dem Staub zu machen - wie unsere Exen hier - auch hat (sonst braucht es mangels Optionen ja keine "Disziplin").
Und bitte: Wenn ich hier von Disziplin schreibe, meine ich nicht, dauerhaft etwas zu unterdrücken, sondern einer Option zu widerstehen, um wieder einen klaren Blick zu bekommen auf das, was ich habe.
Ich habe meine Ex-Frau kurz vor der Trennung mehr geliebt als kurz nach der Hochzeit.
Was Du für mein Empfinden durcheinander wirfst, sind Beziehungen wo es wirklich Quälerei ist und Beziehungen, wo es mindestens mal okay ist.
Bei letzteren ist es schon ein sehr Ich-bezogener Schritt, alles in die Tonne zu treten. Weil - und da bleibe ich bei - in einer Ehe, und noch viel mehr in einer Familie, habe ich mich verbindlich gebunden. Für mich ist und bleibt das eine andere Hausnummer.
Ich habe das rauf und runter gedacht und durch das Aufkommen dieses Themas habe ich auch wieder viel über das Wie meiner eigenen Trennung hier nachgedacht. Hatte ich eigentlich schon abgehakt, aber, wir wissen ja, es kommt und geht in Wellen.

Mich würde wirklich ihr ehrliches Empfinden und auch ihre heutige Sicht auf die Dinge interessieren. Ich werde es aber nie erfahren.
Es ist immer noch seltsam, darüber nachzudenken, was man mit diesem Menschen alles geteilt hat und was dann wie alles passiert ist.
Vor zwei Jahren noch war sie die Liebe meines Lebens, ich habe wirklich geglaubt, einer von uns beiden würde am Sterbebett des anderen sitzen und gehofft, sie möge die Sitzende sein (ok, egoistisch, ich schrieb das glaube ich schon mal hier).
Und nun sind wir geschieden und ich traue ihr kein bischen mehr.
Was lehrt mich das? Scheinbar gibt es die Liebe, wie ich sie begriffen habe, nicht. Vielleicht ist es wirklich einfach nur alles Biochemie.