Zitat von GanzerKerl: Das "über mich hinweg entscheiden von ihr" empfinde ich als mentalen Betrug. Als absoluten Vertrauensbruch, vergleichbar mit eine 6uellen Betrug.
Damit ist so gut wie jede Trennung ein mentaler Betrug, denn so und so oft steht der Verlassene oft nichts ahnend vor einem Scherbenhaufen. Sie hat ihre Entscheidung getroffen und es Dir dann gesagt. Sicher gärte es schon länger in ihr und als die inneren Ängste die Oberhand gewannen, machte sie es endgültig.
Sie hätte schon eher mit Dir darüber reden können/müssen, während Du noch in der Blase der Verliebtheit warst und Dich auf sie gefreut hast.
Das ist hart, passt aber auch ins Bild der Bindungsvermeider. Sie gehen dann, wenn das Maß voll ist und dann ganz plötzlich.
Das ging mir auch so. Ich dachte noch naiv und gutgläubig, wir seien jetzt nach den vielen Problemen auf einem guten, gemeinsamen Weg. Dadurch fühlte ich mich endlich wohler, weil gleichwertiger, hatte aber übersehen, dass ich die Distanz zu ihm verringert hatte. Ich war ihm gefühlt mehr auf die Pelle gerückt und hatte dann tatsächlich den Mut gefasst, einen Wunsch auszusprechen. Ich wollte mal ein Wochenende mit ihm verreisen, einfach irgend wohin.
Er startete eines seiner Ausweichmanöver: Wo würdest Du denn hinfahren wollen?
Das wäre mir ganz egal gewesen, aber ich merkte, dass er nicht zog. Wir beschlossen dann, das Telefonat nach dem WE fortzusetzen.
Am WE war er nicht erreichbar, nahm kein Gespräch an, meldete sich nicht. Das war komisch und mir wurde es etwas seltsam. Am Sonntag Abend bekam ich leichte Panik. War ihm etwas zugestossen? Verkehrsunfall, Herzinfarkt und alleine in seiner Wohnung?
Gegen 22 Uhr erhielt ich eine sehr kurze SMS von ihm. Und am Montag Morgen fand ich eine Mail von ihm vor, in der er sich trennte. Die Mail spiegelte die Panik wieder, in der er sich befand. Ich konnte es nachvollziehen, weil ich ihn kannte und mittlerweile gut kannte. Trotzdem hatte ich nicht damit gerechnet.
Der Verlassene bzw. derjenige der noch nicht ahnt, dass er verlassen wird, kann sich eben nichtg darauf einstellen. Wüßte er es, würde er die falschen Strategien aufwenden und alles versuchen, um die Beziehung zu halten. Das aber ist bei einem Bindungsvermeider die falsche Strategie und führt zur Trennung.
Es wäre im Grund genommen nicht viel anders, nur dass sich die Beziehung noch ein paar Atemzüge länger hinzieht, aber eigentlich eh schon dahin ist.
Der Verlassene muss mit dem "Informationsvorsprung" des Verlassenden zurecht kommen und obendrein damit leben, dass über ihn entschieden wird. Das ist eine Sache des stark angekratzten Egos und das hast Du heute noch.
Verabschiede Dich irgendwann davon. Es ist wie es ist und Menschen sind wie sie sind, aber über die kleinliche Haltung eines kleinen Buben, der lamentiert, weil man ihm die Zunge rausgestreckt hat, solltest Du als erwachsener Mann hinweg kommen. Dieses ewige Aufrechnen, sie hat das getan und jenes, wie gemein, wie hinterhältig, wie verlogen ist im Grund genommen Kindergarten.