Zitat von Springfield:Ich weiß, es wäre dir am liebsten, dass sie gar kein Verlangen nach einem anderen hätte. Und wenn sie es hätte, sollte sie darüber tunlichst schweigen, dagegen ankämpfen und ihre "Fehlentwicklung" wieder in den Griff bekommen. Das alles ohne, dass du auch nur das Geringste bemerkst. Natürlich soll sie danach ein ordentliches schlechtes Gewissen haben, was sie für immer und ewig vor einer eventuellen Wiederholung sicher bewahrt. Ich glaube nicht, dass das reale Leben Platz für solche Wunschträume bietet.
Da muss ich dir nun etwas widersprechen. Anziehung und Verlangen/Interesse zu anderen Menschen halte ich für alles andere als verwerflich oder auch nur ungewöhnlich. Ich finde es darüber hinaus auch völlig ok, wenn meine Partnerin mir offen und ehrlich äußert, dass sie auch andere Männer attraktiv findet. Wünschen und fantasieren kann und darf man eine Menge, auch bei mir. Da empfinde ich Paare, die sich aus Scham und falschem Stolz nicht einmal erlauben gegenseitig andere Menschen offenkundig attraktiv finden zu dürfen deutlich unehrlicher.
Zitat von Springfield: Sehen wir doch der Wahrheit ins Auge: Menschen fühlen sich auch unabhängig vom Beziehungsstatus zu anderen Menschen sexuell angezogen. Und diese Anziehung setzt gewaltige Prozesse in Gang. Dieses Forum bietet ein Fülle von solchen Geschichten, zeigt extrem traurige Schicksale, deren Ursache genau dieser Anziehung zugrunde liegen. Und diese Geschichten hier, sind in ihrer Anzahl nur die Spitze eines riesigen Eisberges. Anziehung ist allgegenwärtig und macht nun auch vor deiner Freundin nicht halt.
Da bin ich doch voll und ganz bei dir. Gegen das Modell offene Kommunikation habe und hatte ich also nichts einzuwenden. Erst recht nicht bei einer Partnerin, die außer mir keinerlei andere Erfahrungen sammeln konnte. Ich bin da nun echt nicht päpstlicher als der Papst. Bei mir ist das Ende der Fahnenstange jedoch erreicht wenn aus diesem Interesse eine klar formulierte Absicht kommuniziert wird diese Fantasie auch unabhängig von den Folgen in die Tat umsetzen zu wollen. Das hat meine Freundin getan und ist damit vollends auf die sprichwörtliche Schnauze gefallen, indem ich ihr die klare Absage erteilt habe. Einen Freifahrtschein bekommt sie von mir nicht, was (rein sachlich gesehen) im schlimmsten Fall dazu führt, dass sie bei einem Ausbruch aus der Beziehungsvereinbarung damit leben muss doch nur die gewöhnliche Fremdgängerin zu sein.
Was mich an der Geschichte bisher so fertig macht ist eben der Umstand, dass ich offenbar eine Partnerin erwischt habe, die von sich aus nicht in der Lage zu sein scheint ihre sexuellen Bedürfnisse soweit selbstständig zu regulieren, dass ihr aktueller Partner für die Erfüllung der meisten Wünsche ausreicht. Hat für mich schon ein bisschen was von jenen Leuten, die ständig neue Autos brauchen obwohl die alten noch voll funktionstüchtig sind. Klingt hart, spiegelt aber mein Empfinden wieder. Das man im Leben nicht alles haben kann sollte einem im Lauf des älter Werdens doch eigentlich schon aus anderen Situationen heraus klar genug werden. Wie gesagt finde auch ich andere Frauen attraktiv, lege aber keinerlei Bedürfnis an den Tag diese "auszuprobieren", selbst wenn alle anderen Umstände dies problemlos ermöglichen würden. Menschen sind schließlich nicht rettungslos ihren Impulsen ausgeliefert. Sonst wäre es nicht ohne weiteres erklärbar, dass es selbst in der heutigen schnellen und unbeständigen Zeit Menschen gibt die innerhalb normalen und einigermaßen harmonischen Beziehungen keine Schwierigkeiten damit haben sich an sexuelle Exklusivvereinbarungen zu halten. Es ist ja auch nicht so, dass Seitensprünge ausschließlich aus sexueller Neugier heraus getätigt werden, auch wenn es sowas natürlich auch gibt. Wenn eine Beziehung also auch so schon in Schräglage liegt, dann dürfte die Wahrscheinlichkeit, dass das Gras auf der anderen Seite plötzlich viel grüner erscheint schon erheblich höher sein, als wie bei einer intakten und harmonischen Beziehung.
Zitat von thegirlnextdoor: Das ganze Blabla, dass dieser Frau Sex angeblich nach acht Jahren plötzlich nichts mehr bedeutet und ach so beliebig ist, nehme ich speziell dieser Frau nicht ab.
Kleine Korrektur: Sie sagt deutlich, dass Sex für sie noch nie den selben Stellenwert besaß wie für mich. Sie fühlte sich mit dieser Einstellung nur stets falsch/"krank" und hoffte über die 8 Jahre eine Lösung zu finden. Was ich ihr ehrlich gesagt immer noch etwas Krumm nehme, da in meiner Vorstellung solche Sachen normalerweise zu Beginn einer Beziehung zu klären sind. Aber ok, ich bin halt ihr erster Partner und da sollte ich vielleicht nicht so streng denken. Jetzt steckt sie quasi in der Falle, welche sie sich (unbewusst) selbst gestellt hat und hat nur noch die Wahl:
- Beziehung beenden (will sie nicht)
- Betrügen und damit den negativen Stempel "Fremdgängerin" auf der moralischen Stirn kleben haben (will sie auch nicht)
- Irgendwie damit klar kommen und eine Alternative finden
Für den heutigen Tag kann ich sagen, dass es mir gar nicht mehr so schlecht geht, wie noch am Vortag. Das kann natürlich jederzeit wieder kippen. Jetzt in diesen Minuten wo ich diesen Text verfasse kann ich dem ganzen aber durchaus sachlicher und weniger emotional entgegen sehen. Wenn mich meine Freundin entgegen unseres inzwischen klar formulierten "Beziehungsvertrages" betrügen will/schon betrogen hat so lässt sich dies doch eh nicht verhindern. Damit liefert sie mir dann aber wenigstens den endgültigen Anlass die Nummer zu beenden, meine Koffer zu packen, mich eventuell bei S. für das missbrauchte Vertrauen zu "bedanken" und einen Neustart zu wagen. Bis jetzt schaffe ich es ohne diesen klaren Beweis aber einfach emotional noch nicht die Reißleine zu ziehen, so sehr ich mich auch in den Minuten tiefster Traurigkeit danach sehne. Ich weiß vom Verstand her auch, dass es gesünder wäre dies zu tun um nicht noch einen größeren Schaden bei mir zu verursachen. Nur klappt es aktuell einfach noch nicht bei mir, so irrational das Ganze auch sein mag.