Zitat von Leonhard:Möchte ich hier einwerfen: AANicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich!AA? Ich denke ,ja!
Das stimmt! Auch die Argumente gegen hinkende Vergleiche hinken.
Es beginnt schon damit:
Zitat von Leonhard:dann ist das beiden (Vertrags-) Partnern bewusst.
Das ist mir zu papieren. Liebe und alles, was sich in ihrem Dunstkreis abspielt, ist eben nichts, das sich vertraglich regeln ließe. So wie man mit dem Leben an sich keinen Vertrag abschließen kann. Es kommt, wie es kommt.
Zitat von Leonhard:Wenn meine Frau mir die Treue verspricht und nach Jahren dieses nicht mehr einhalten kann und mir dennoch weiterhin klar vermittelt, sie würde dies (Fremdgehen) niemals tun, dann ist das ein Hintergehen. Natürlich weiß ich ich nicht, ob ich jemanden für immer lieben kann, doch wenn ich Liebe und Treue vorgaukle und den Anderen dadurch im Glauben lasse, der Vertrag würde noch gelten, dann ist das hinterhältig.
Nenne es, wie Du es willst, aber das, was hinter dieser "Hinterhältigkeit" steckt, ist etwas sehr Komplexes, das durchaus abhängig ist von der Vorderhältigkeit.
Wenn jemand weiß oder mit einer gewissen Sicherheit annehmen muss, dass, gesteht er die "Untreue", die Fremdliebe, alles zusammenbricht, der Partner ihn verlässt, es Schwierigkeiten aller Art gibt, wie nach einem Schwerverbrechen, so wird er sich dieses Geständnis klugerweise wohl gründlich überlegen, noch dazu, wenn ihm bewusst ist, dass dieses Fremde oftmals bald uninteressant wird und flöten geht. Das Lächerliche und Unbegreifliche ist doch nicht das Fremdgehen, sondern die explosive, vernichtende Reaktion darauf! Das muss einem doch einleuchten, wenn man nicht vollkommen verwirrt ist! Gibt es überhaupt irgend etwas anderes, das eine so geringe Ursache und eine so verheerende Wirkung hätte?
Zitat von Leonhard:Meine Wunschlösung: AADu, Trebor72, ich hatte es Dir zwar versprochen, möchte mich aber zukünftig mit jemanden Anderem auf ein B. treffen. Es tut mir sehr leid, doch ich möchte es Dir lieber vorher selbst sagen, bevor ich Dich belügen mussAA. Das wäre ehrlich und beide wüssten Bescheid. Der Vertrag wird für beide sichtbar beendet, auch wenn Trebor traurig sein wird.
Und hier sind wir beim größten Hinker meines Vergleichs. Denn in diesem Fall steht ja so gut wie nichts auf dem Spiel, keine Liebe, kein Partner, keine Beziehung (die vielleicht an sich durchaus gut funktioniert), kein Haus und Hof und Kind, sondern höchstens eine gewisse Trebor-Traurigkeit, eine Enttäuschung, ein gebrochenes Versprechen. Und ich wäre rücksichtlos genug, ihm dieses zuzumuten.
Übrigens: Meine Ex hat es genau so gemacht, wie Euch das vorschwebt. Sie war verheiratet, hat sich in mich verliebt, säggsuell war die Ehe seit 10 Jahren tot, die Hälfte der Ehezeit, keine Liebe mehr usw., aber es hat halt funktioniert wie eine WG, wie das oft so ist. Es hat nichts gegeben, keine Berührung, keinen Kuss, keine Begegnung, also auch keinen "Betrug". Sondern sie hat es zuerst ihrem Mann gesagt, sich dann scheiden lassen, eine eigene Wohung genommen usw. - und einige Monate danach haben wir uns erstmals überhaupt gesehen. Also alles ganz so abgelaufen, wie es nach Euren Vorstellungen laufen sollte.
Und was ist herausgekommen dabei? Ein Jahr der Liebe, des Glücks, der Leidenschaft ... Ein hoher Preis für ein bisschen Leben und Lieben, wie mir scheint. (Übrigens: Ich habe sie in keiner Weise zu irgend etwas gedrängt oder ermutigt, um etwaigen Vermutungen gleich vorzubeugen, ja ich habe sogar von mir abgeraten, trotz oder vielleicht gerade wegen aller Liebe auch meinerseits.)
Jedenfalls ist dieses Modell, wie es noch heute als Ideal in den meisten Köpfen festsitzt, nicht mehr haltbar und nicht mehr tragbar. Es wird schlicht und einfach der heutigen Lebensrealität nicht mehr gerecht. Ob es einem gefällt oder nicht.
Sondern das ideale Modell für die heutige Realität wäre: Eine feste Beziehung, ganz wie bisher, die man auch beibehält, wenn sie stimmig und stabil ist, und säggsuelle Offenheit für beide. Denn der springende Punkt bei diesem Dilemma ist doch, dass der Säggs in einer Beziehung im Lauf der Zeit ermüdet, auch wenn vieles andere sogar besser werden kann, als es anfänglich war. Der Trieb, das Begehren nach (erfüllendem, leidenschaftlichem) Säggs und allem, was damit verknüpft ist, wie etwa Attraktivitätsbeweis, Steigerung des Selbstbewusstsein, Wertgefühl usw., stirbt hingegen ja zumeist nicht frühzeitig ab, und mit dem gewohnten Partner lässt es sich eben nicht mehr so ausleben, wie es ausgelebt sein will. Und für drei Wochen oder drei Monate Höhenflug etwas Wichtiges und Gewachsenes und Verlässliches aufgeben? Das ist nichts anderes als verrückt.
Man sollte einfach einmal diese maßlose Übertriebenheit aufgeben, die dem Säggs zugesprochen und zugefühlt wird. In Wahrheit ist Säggs doch etwas vollkommen Banales, das man übermorgen schon wieder vergessen hat. Und gäbe es nicht schon seit Jahrtausenden ein solches Theater darum, als ginge es hier schier um Leben und Tod, Himmel und Hölle sogar, sondern sähe und verstünde man ihn endlich einmal richtig, als das, was er ist, so könnte man damit völlig entspannt umgehen und bräuchte sich nicht solche ganzen Lebenstragödien daraus zu machen.
Mein Verdacht ist ja, dass offenbar nicht wenige in dem Bewusstsein leben, mehr als Säggs hätten sie gar nicht zu bieten, und deshalb hängt alles, inklusive des Selbstbewusstseins, an diesem halbseidenen Strumpfbandfaden.
Zitat von Gast2000:Eine Ehe hat eine rechtliche, und damit völlig andere Dimension, als das was @whynot60 in seinem Beitrag
zur Erläuterung heran gezogen hat.
Aha, rechtlich. Na damit kann man ja überhaupt am meisten anfangen! Das Recht als präventiver Kitt des Zerfallsverdächtigen.
Soweit mir bekannt ist, bringt dieses Recht im Endeffekt mehr Scherereien als sonst etwas.
Aber bitte, Freunde des Rechts und der Ordnung noch dazu, dann ehelicht, mir soll's recht, aber nicht Recht sein, und mit dem Recht auf Eurer Seite kann dann ja auch nichts mehr schiefgehen, vom Wohlgefühl her zumindest.
Zitat von Trebor72:Genau das verstehe ich bei der Frau nicht, wenn sie etwas verspricht, es nicht halten kann, muss sie das mitteilen, auch ausserhalb der Beziehung, aber gerade dort, sie kann doch nicht einfach irgendwelchen Weltverbesserern oder Liebhabern hinterherlaufen, mich abwatschen, was interessiert mich mein Geschwätz von gestern.
Was ich dazu noch zu sagen hatte, habe ich bereits gesagt.
Was mich allerdings noch interessieren würde: Was hast Du immer mit den Weltverbesserern? Hat Dir ein solcher Deine Frau abspenstig gemacht, oder meinst Du, nur diese wären zu einer solchen Schandtat fähig, im Gegensatz zu den konservativen Leutchen? Dass Du Dich da nicht täuschst! Die Konservativen sind nur die besseren und standhafteren Leugner, Tarner und Verheimlicher. Gerade einen Weltverbesserer, der diesen Namen auch verdient, wird etwas Nebensächliches wie Säggs noch am wenigsten interessieren.