Zitat von Nachtlicht:Es gibt unglaublich viele Dinge, die man als exklusiv mit jemandem empfinden kann. Mit wem feiere ich Weihnachten und mache meinen Traumurlaub? Wer darf mich trösten wenn ich traurig, wer mich pflegen wenn ich krank bin? Wer ist mein Ansprechpartner für meine wichtigsten Themen, mit wem habe ich eine lange gemeinsame Geschichte, mit wem habe ich Kinder oder Haustiere oder Eigentum, wer ist der Einzige für den ich ein ganz spezielles Gericht koche, wer entscheidet wenn es drauf ankommt über lebenserhaltende Maßnahmen usw.... kurz, für wen habe ich die größten Gefühle und das größte Vertrauensverhältnis? Und allein das ist doch schon so viel was man jemand anderem von sich anbieten kann, aber das reicht wohl immer noch nicht, es muss auch noch ein lebenslanges Zölibat ausgesprochen werden gegenüber jedem möglichen anderen Se*ualpartner außer diesem einen, egal nach wieviel gemeinsamen Jahren... das hat etwas so Absolutes, so etwas radikal beschränkendes für einen selbst und für die Person, die man doch liebt.
Alles, was Du benannt hast, wird oder wurde auch mit Dritten geteilt: Vertrauen ist kein exklusives Privileg- es gibt Menschen, denen ich ebenso vertraue, wie meinem Partner. meinem Bruder zum Beispiel und auch meiner besten Freundin.
weihnachten feier ich in der familie. Ich mache geschäfte mit Leuten, denen ich vertraue, Wer mich tröstet, wenn ich traurig bin? viele, Traumurlaube habe ich auch ohne Partner erlebt, gepflegt wurde ich von einem Netzwerk, ich habe über die lebenserhaltenden maßnahmen meiner Mutter entschieden.
natürlich- im Gesamtpaket ist der Partner priviligiert, aber noch einmal- eine Exklusivität habe ich nur auf dem Gebiet der 6ualität. Strenggenommen.
Ansonsten bin ich ein wenig über den Begriff Zölibat gestolpert. Ich finde ihn unpassend. Aber ich verstehe, was Du meinst. So sehr dagegen geschimpft wird und so sehr auch andere Formen der Beziehung zunehmend akzeptiert werden, so sehr ist es nun einmal so, dass die Erwartungshaltung in aller Regel die Treue ist. Es ist auch mMn das einzige, in der breite lebbare Konzept. Denn alle anderen Konzepte sind nicht einfacher- im Gegenteil. Es bedarf Absprachen im Vorfeld und wahnsinnige Beziehungsarbeit, weil es einen Haufen zu klärender Fragen gibt.
Am Beispiel der offenen Ehe: Darf ich mehrfach denselben Partner aufsuchen, darf ich Gefühle haben und ausleben, gibt es Einschränkungen was die Praktiken betrifft, muss ich Bericht erstatten, wen ja wie detalliert etc etc.
Was Deine Ansichten betrifft, man könnte den besten Se* haben ohne mit dem Partner liiert zu sein und umgekehrt- nein, nach meinen Erfahrungen kann das gar nicht funktionieren, denn mit dem Partner ( der Lebensbvertraute) findet der Akt auf Ebenen statt, die Dritte nicht erreichen können- dazu müsste ich mit diesem Menschen erst diese Ebenen erreichen- und dann ist es kein Dritter mehr. Umgekehrt- nein, auch da sehe ich eine gewisse Diskrepanz, dauerhaft führt Langeweile im Bett definitiv zu Partnerschaftsproblemen. Und da zähle ich ein Nebeneinander her genauso als Problem. Und ja, es gibt nun einmal auch paarungen, bei denen funktioniert es aus bestimmten gründen eben nicht klassisch. Aber auch solche Menschen erleben Se*ualität. Anders, aber ganz sicher nicht enthaltsam. Ich kenne auch keinen einzigen Menschen, der glücklich in einer Partnerschaft lebt, obwohl selber ase*uell veranlagt.
Ich verkenne nicht, dass es Menschen gibt, die anders ticken. Schon immer gab es mehr oder wenig offene beziehungen, polyamoröse Menschen, Transgender, Homose*uelle etc. In der heutigen Zeit finde ich es gut, wenn jeder wirklich nach seiner facon glücklich werden kann. Ich würde auch jederzeit meine Stimme erheben, damit das auch klappt.
Die Realität allerdings zeigt, dass dies Randerscheinungen sind. Es ist nun einfach so, dass die meisten Menschen tatsächlich Treue erwarten. Und auch die wenigsten definieren am Anfang ihrer Beziehung auch explizite Ausnahmen.
Zitat von LarsWilhelm:Ich denke, nach wie vor, dass Affären und Seitensprünge nicht einfach so passieren. Wenn es dazu kommt, ist etwas faul an der Beziehung.
Zitat von Nachtlicht:Das ist sicher oft der Fall, aber manchmal steckt auch einfach bloß banale Lebenslust, Triebhaftigkeit, der Wunsch noch mal was zu Aufregendes zu erleben bevor man in der bestehenden Beziehung glücklich stirbt oder ähnliches dahinter. Ich glaube, es ist einfach zutiefst menschlich, nicht 40 Jahre oder mehr in se*ueller Monogamie zu verharren.
In einer reifen, unabhängigen Beziehung verspürt man nicht den Wunsch nach ONS oder Affären. Wenn die Beziehung steht und richtig läuft, *passieren* diese Dinge nicht. In reifen Beziehungen werden Triebhaftigkeit und Lebenslust kommuniziert, Aufregung findet auch in rauhen Mengen statt. Und ja, in einer reifen Beziehung sollte man lernen, seine bedürfnisse auch offen zu kommunizieren. Und dann kann man damit auch umgehen. Ich persönlich halte es für völlig legitim, zu kommunizieren, dass man gerne noch einmal einen anderen partner haben wollte. Warum auch nicht? Den Wunsch halte ich für legitim, abre bitteschön nicht heimlich.
Offene Beziehungen haben auch im Vorfeld spielregeln definiert, die halt anders sind als das common understanding.