Zitat von Gast2000:Bei Dir habe ich den Eindruck, Du preist hier Deine Beziehungsform gegenüber der monogamen
Ehe als überlegen und zeitgemäß richtig an.
Nur jetzt einmal zu Deiner Abkühlung:
Meine "Beziehungsform" ist die des Alleinseins, der willentlichen Askese. Dies müsste für Dich ja die edelste und unverdächtigste Form von Beziehung überhaupt sein, die sogar rechtskonform ist.
Irgendwann hat man von diesem ganzen kindischen Pallawatsch einfach die Nase voll, wenn man sich diese fortwährende Herumkriecherei im scheinheiligen Gefühls- und Normdusel nicht zur einzig möglichen Welt und Existenzform gemacht hat, deren Jahrtausendgewürm einem ja letzlich ohnehin nur die Nerven zernagen kann. Es bleibt, ist man dazu fähig, noch immer der aufrechte Gang, auch wenn der ein vereinsamter sein sollte.
Meine Sichtweise beruht einfach auf dem, das ich sehe. Es tut zwar nicht viel zur Sache, weil die Gefinkelteren mir ja noch immer einen bevorzugenden Subjektivismus vorwerfen können, aber jedenfalls habe ich in meinem Leben mit geschätzen 1000 Menschen in einem vertiefteren Sinn geredet, also jenseits der präsentierten Fassaden, auch und sogar vor allem über solche Liebes-, Beziehungs-, Säggs- und Sehnsuchtsangelegenheiten. Und das, was allen die allermeisten Probleme gemacht hat in diesem Zusammenhang, war eben dieses Gefangensein, sich nicht ausleben können, diese Zwangsjackenexistenz wider allen Sinn und alle Wahrheit. Im Grunde ist eine Beziehung, wie sie allgemein verstanden und gelebt wird, ja auch nichts anderes als die Fortführung der minderjährigen Kindheit mit anderen Mitteln. Das nenne ich einen Fortschritt, eine Entwicklung! Von der Raupe zum Wurm gewissermaßen.
Im Übrigen: Welches Modell jemand leben muss, das ist mir aber wirklich vollkommen schnuppe. Solange nicht ich selber damit zurechtkommen muss, und das muss ich ja nicht, zumindest, solange ich mir keine Inhaberin eines mir missfälligen Modells auf die Pelle rücken lasse, stört mich überhaupt kein Modell, und wenn es archaisch wie eine Versteinerung.
Warum die meisten gerade dieses Modell leben, das ich nicht lobpreise, liegt eben daran, dass man tut, was man muss, was einem von Anfang an in Fleisch und Blut und Wille übergegangen ist. Man will und kann ja gar nichts anderes wagen. Allein über nur einen einzigen Schatten zu springen, ist den meisten schon zu viel der ungewissen Hüpferei - was dann erst bei zehn, zwanzig Schatten, über die man springen müsste? Die kann, hat man das Glück, nur das Leben selber auslöschen.
Und zudem werden ja auch ganz falsche Vorstellungen davon geliefert und gehabt. Das ist so wie bei den Kindern, von denen viele zunächst ja auch meinen, sie seien so etwas wie bessere Kuscheltiere. Und dann weiß man gar nicht, wohin damit. All die Märchen, die zum Alptraum werden - aus dem man dann in seiner ausgesuchten Schwäche auch gar nicht mehr herausfindet.
Noch etwas Persönliches von mir: Ich selber neige absolut nicht zum "Fremdgehen", vermutlich ist mir dazu S. viel zu unbedeutend. Wenn ich generell ohne S. leben kann, dann ist es ja auch keine große und kämpferische Leistung gegen mich selber, in einer Beziehung keinen Fremds. zu haben.
Aber ich war und bin ein Anhänger und Befürworter der Natur und der Freiheit und werde auch nie etwas anderes sein. Ob das nun erwünscht, erlaubt, gestattet ist oder nicht. Alles andere als das, was aus der Freiheit heraus lebt, ist für mich auch nichts anderes als wertloser Tand, und daher brauche ich weder irgendeine vorgespielte, halbseide Liebe noch diese seltsame Form der "Treue". D. h., auch wenn ich selber nicht zur Seite springe, kann meine Partnerin hinspringen, wohin sie will, selbstverständlich. Und das sage ich auch von Anfang an. Ich bin ja nicht der Herr und Zucht- und Rittmeister einer Frau und fühle in keinster Weise auch nur das kleinste Recht dazu, über ihr Leben zu bestimmen.