Guten Abend illustre Runde

Kurz vorweg:
Zitat von ma777:Das macht ja in der Theorie alles irgendwie Sinn,
ich habe langjährige sowohl monogame als auch nichtmonogame Partnerschaften geführt. Belogen und betrogen habe ich in meinen insgesamt 28 Beziehungsjahren nie jemanden, bin jedoch selbst schon betrogen worden. Ich kenne also nicht nur Theorie, sondern auch ein wenig Praxis.
Huhu paulaner, du sagst das hier:
Zitat von Nachtlicht:Realität ist, dass Betrug alltäglich stattfindet, in Beziehungen und auch in allen anderen zwischenmenschlichen und gesellschaftlichen Belangen.
hat dich zu folgendem Schluss geführt:
Zitat von paulaner:Und darum, also weil es so oft stattfindet, ist die individuelle Verletzung zu vernachlässigen?
Es tut mir leid aber ich sehe da einfach keinen kausalen Zusammenhang zwischen diesen Aussagen.
Zitat von paulaner:Naja, weißt du denn wieviel und mit wem ich 6 hatte bevor ich mit meiner Frau zusammengekommen bin?
Zitat von ma777:Aber kann man diese ganzen vielen vielen Erfahrungen nicht sammeln, bevor man sich mit dem einen Menschen niederläßt?
Hierzu möchte ich anmerken, dass Se*ualität nichts Statisches ist. Sie ist Veränderungen und Schwankungen unterlegen im Laufe eines Menschenlebens, immer im Fluss und in Entwicklung.
Se*uelle Neugier richtet sich nach vorn, auf das, was man (noch) nicht kennt. Niemand, auch nicht jemand der vermeintlich schon alles kennt, ist davor gefeit, in eine Phase seines Lebens zu geraten, in der die Lust auf etwas Neues wirklich richtig groß wird, egal wie gut oder vielfältig das vergangene Erlebte schon war. Selbst nach Jahren se*ueller Unlust kann es plötzlich Frühling werden, wenn einem auf einmal die richtige (oder ganz und gar falsche) Person über den Weg läuft.
Zitat von LarsWilhelm:Es *kann* doch genauso sein, dass man gerne dieses versporechen gibt, weil man sich im Gesamtpaket wohl fühlt.
Klar, in dem Moment hat man ja auch kein Problem. Das Problem ist ja erst dann da, wenn das Versprechen von einem selbst oder vom anderen nicht mehr eingehalten wurde.
Zitat von LarsWilhelm:Die Pauschalisierung, langjährige Partnerschaft und wilder animalischer Se* schließen sich aus, ist alleine durch mein Leben falsifiziert.
Hat soweit ich das mitbekommen habe niemand so behauptet - es ging um Tendenzen.
Klassiker ist eben, dass in vielen langjährigen Beziehungen die Se*ualität ein wenig Staub ansetzt. Nicht umsonst berichten diejenigen, die aktiv betrügen/ passiv betrogen werden, in der Regel von zuvor lange Zeit eingeschlafenem und eintönigem Se*leben, das sich auch nicht mal eben so leicht wieder entfachen lässt..... (jedoch oft durch den Seitensprung ganz überraschend entfacht wird - Konkurrenz belebt das Geschäft)
Zitat von LarsWilhelm:Und da wird dann auch darüber gesprochen, ob man nicht doch noch einmal Erfahrungen sammeln können wollte, und wenn ja, ob und wie man das angehen kann.
Verstehe ich dich da richtig, dass es in diesem Gespräch um die (teilweise) Aufhebung eurer Exklusivität geht?
Zitat von ma777:Denn schon die Frage an sich sagt aus "Du bist nicht genug, ich will noch was anderes". Könnte ich persönlich sehr schlecht mit umgehen.
Ja, das kann ich verstehen und ich halte das für ein weit verbreitetes Empfinden, als junge Frau tickte ich genauso. Ich habe für mich persönlich nicht mehr den Anspruch, für meinen Partner alles zu sein. Ich möchte für ihn die Wichtigste, aber ich muss nicht zwingend die Einzige sein. Das bedeutet nicht, dass ich keine Unsicherheiten oder Verlustängste kenne ... aber ich will keine Versprechen.
Zitat von ma777:oder ob zwei Leute in einer "normalen" monogamen Beziehung leben und einer von beiden sagt "Du, ich würde gerne mal mit xy, ist das okay für dich?" Da würde ich mich dann schon sehr ungenügend fühlen und seeehr sauer sein!
Ja, das ist es was ich meinte: für die meisten Menschen bedeutet es schon eine Beziehungskrise, wenn der Partner solche Wünsche äußert. Da wird die sonst so geforderte Ehrlichkeit zwischen den Partnern oft schon im Keim erstickt, und hinterher ist der Schmerz doppelt so groß, wenn der Partner sich für den Weg der Lüge entschieden hat. (Bevor das wieder falsch interpretiert wird: ich sage nur, dass häufig gelogen wird (Realität) und woran das liegen könnte, ich sage
nicht dass ich das gut oder richtig finde.)
Zitat von paulaner:Und interessant in dem Zusammenhang ist dann halt auch, dass fast keiner, der seinen Partner betrügt, das selbe seinem Partner zugestehen würde.
Was vielleicht daran liegt, dass generell eher Menschen zum Lügen/Betrügen neigen, die etwas mehr ihr eigenes Wohl im Blick haben als das ihrer Mitmenschen? Wäre zumindest eine mögliche Erklärung.
Monogame Menschen verwechseln nichtmonogame Beziehungsmodelle gern mit Betrug. Das ist aber falsch. In beiden Beziehungsformen geht es um vertrauensvolle Absprachen, und in beiden Beziehungen können Absprachen gebrochen und Vertrauen missbraucht werden. Der Unterschied liegt nicht darin, dass es keine Absprachen gäbe, sondern im Inhalt der Absprachen. Diese sind individuell, aber deswegen doch nicht weniger bindend für diejenigen, die sie getroffen haben.
Zitat von Trebor72:Eine Öffnung ist etwas, was kompliziert und zeitintensiv ist.
Du bringst es auf den Punkt, Trebor. Auch das ist nicht jedermanns Sache. Man muss es wirklich wollen, damit umgehen können und bereit sein, viel und sehr ehrlich mit seinem Partner in Kontakt zu gehen, und man braucht bisweilen ein sehr robustes Selbstwertgefühl, um sich nicht in Konkurrenz zu wähnen.