Zitat von thegirlnextdoor:du hast doch offensichtlich ein sehr gutes Verhältnis zu deiner Ex und zu den Kindern und jetzt offenbar (bisher) eine sehr gute Beziehung, die dich glücklich macht.
Ist es da wirklich ratsam, jeglichen Schutt, der nicht in deine aktuelle Beziehung gehört, auf dem Partner abzuladen?
Definitiv nicht. Deshalb versuche ich ja auch, das nicht zu tun. Mich abzulenken etc. irgendwas anderes zu machen, als auf meinen Gefühlen sitzenzubleiben.
Zitat von thegirlnextdoor: Andere Frage - warum ist es bei dir emotional so extrem schwierig..?
Ich bin es nicht gewohnt. Es ist nicht so, dass ich meine Gefühle absichtlich verschweige, oder mich davor scheue, mit wem auch immer über Gefühle im Allgemeinen zu sprechen, aber ich rationalisiere lieber alles (sprich, die Situation und das Verhalten der anderen involvierten Personen), als mich damit auseinanderzusetzen, wie
ich mich dabei fühle.
Das war auch bis dato immer in Ordnung. Ich hatte sowieso nie viel Zeit, allein schon wegen der Kinder und wenn wirklich mal etwas ganz Schreckliches gewesen ist, dann konnte ich das auch immer gut damit zubauen, dass ich mit meinen Kindern etwas unternommen habe, im Haus was umgebaut habe, mich um meine Eltern gekümmert habe oder etwas mit meiner Frau unternommen habe. Mit anderen Worten, es war ziemlich leicht beschäftigt zu sein, um nicht auf meinen Emotionen sitzen zu bleiben.
Das Gute daran Gefühle zu intellektualisieren ist, dass die allermeisten Menschen es nicht merken und ihnen - wenn überhaupt - eher meine Empathie gegenüber anderen als etwas positives auffällt.
Nur wurde die Beziehung zu meinem Partner quasi schon darauf aufgebaut, dass er mir das „nicht durchgehen“ lässt. Ich vergleiche das immer ganz gerne mit einem Schwamm. Ich bin der Schwamm, der alles in sich aufsaugt und dann kommt plötzlich mein Partner in mein Leben und wringt alles aus.
Es ist zu viel.
Und jetzt macht mich alles super emotional, aber wie schon erwähnt will ich das auch nicht an ihm auslassen - wieso sollte ich das auch wollen, schließlich will ich, dass es ihm gut geht -, aber es ist nun mal da. Ich schätze, in dem Sinne habe ich schon Verlustängste, denn wenn er mich verlassen würde, dann würde das bedeuten, dass ich ganz allein auf meinen Gefühlen sitzenbleibe. Gleichzeitig will ich aber auch nicht, dass er sich an mich gebunden (oder für mich verantwortlich) fühlt, nur weil er Mitleid mit mir hat.
Es ist verzwickt. Früher habe ich mich geweigert meine Emotionen zu fühlen und jetzt fühle ich sie zwar, aber es ist mir erstens total unangenehm sie im „echten Leben“ zu teilen und zweitens, wenn ich es tu (was schon vorkommt, mein Partner lässt da meist nicht locker) fühle ich mich dann sofort auch wie eine Bürde und muss an meinen Vater denken, der immer gesagt hat „Man hat nur Probleme, wenn man sich selbst welche macht.“
Wenn es nicht ernst wäre, dann wäre es eigentlich wirklich lustig. Als Jugendlicher und speziell als ich dann Vater geworden bin, habe ich mir immer vorgenommen, dass ich niemals so werde wie mein eigener Vater. Ich war immer mehr wie meine Mutter und habe nie verstanden, warum ihn das so stört, schließlich ist es seine Frau und er liebt sie ja. Nur wollte er ihre „Qualitäten“ nicht bei seinem Sohn sehen.
Es gibt da so ein schönes Zitat von Catherine Lacey: "if you’re raised with an angry man in your house, there will always be an angry man in your house. you will find him even when he is not there.“ Und jetzt habe ich, seit ich mehr mit meinen Emotionen konfrontiert bin (und durch mehr Zeit dazu gezwungen bin, mich mit ihnen auseinanderzusetzen), das Gefühl, dass ich selbst der "angry man“ in meinem Haus geworden bin.