Ach Mensch gerade erst raus gefunden und dann auch noch dieser Urlaub und jetzt überstürzen sich Gedankenspiele, Wut und hilfloser Aktionismus.
Lieber TE,
Man kann sachliche Probleme nicht auf emotionaler Ebene lösen, aber umgedreht emotionale Probleme nicht auf sachlicher.
Vor ein paar Seiten schriebst Du, Du würdest über ein Verzeihen nachdenken können, aber nur wenn sie die Affäre bereut. Das empfinde ich als wenig klares Bekenntnis zur Ehe. Warst Du glücklich? Liebst Du sie? War Eure Paarbeziehung für Dich im Alltag erfüllend und lebenswert? Hast Du Dir dazu irgendwann in den letzten Jahren mal Gedanken gemacht? Und schließlich die wichtigste Frage, magst Du sie als Mensch?
Mir ist klar, daß das recht häufig als emotionales Gedöns oder wozu soll ich mir dazu Gedanken machen, wenn sie nicht xyz tut oder wenn sie gerade xyz tut, abgetan wird. Aber ohne Antworten auf diese Fragen, ist es völlig egal, zu welchen Ergebnis ihr kommt, früher oder später landet ihr am gleichen Fleck. Du musst für Dich ausloten, ob das die Beziehung ist, die Du überhaupt noch willst und wenn ja unter welchen Umständen. Und dazu brauchst Du nicht sie, oder diesen Typen sondern Deine ehrliche Klarheit.
Wenn Du zu dem Schluss kommst, daß Du noch echtes Interesse an der Beziehung hast, kommt Baustelle zwei, Eure Kommunikation. Und die ist, jedenfalls nach dem was ich hier lese, unterirdisch. Auf beiden Seiten, Deine Frau schläft lieber mit einem Typen als Dir ins Gesicht zu sagen, daß sie auf Dich (im Moment) keinen Bock hat und kommt dann noch um die Ecke mit, mimimi, meine einseitige Aufkündigung unserer Ehe war völlig gerechtfertigt, weil Du ja (mich) nicht hören wolltest.
Deine Reaktion, dann nehme ich Dir das Haus weg. (ist jetzt ein bissl verkürzt, aber auch nicht völlig abwegig).
Wie alt seid ihr? 5?
Egal, wofür Du, sie oder ihr Euch gemeinsam entscheidet, in jedem Fall seid ihr durch die Kinder verbunden und werdet noch Jahre lang mit einander kommunizieren müssen.
Um die Gunst der Kinder zu buhlen ist von Euch beiden ein ganz mieser Schachzug und lässt mich fragen, warum ihr überhaupt zusammen wart.
Also emotional ersten klären, was Du willst und nicht darauf warten, daß sie dieses oder jenes macht oder nicht macht und dann mal Butter bei die Fische und sich die Kommunikation anschauen. Wenn ihr da auf keinen grünen Zweig kommt, dann unbedingt Unterstützung ins Boot holen, sonst verlagert ihr das in die rechtliche Auseinandersetzung und dann bleibt es nicht nur unbefriedigend sondern wird auch teuer.
Bevor wir zu den Sachproblemen wechseln noch eine letzte Anmerkung zu den Emotionen, Du hast angedeutet, daß es Deiner Frau psychisch längere Zeit nicht gut ging und sie zum Psychiater musste. Ist das aufgearbeitet?
Sachprobleme wären Unterhalt, Haus und Kinderbetreuung. Brightness hat richtig angemerkt, das Trennungsjahr kann frühestens nach dem gemeinsamen Urlaub beginnen. Das kann auch im gemeinsamen Haus stattfinden, braucht ein bissl Organisation ist aber für Euch vielleicht gar nicht die schlechteste Idee. Getrennt von Tisch und Bett. Ich würde nach Auskunft eines Anwalts mal ausrechnen lassen, wie Unterhalt für die Kids und Trennungsunterhalt im Verhältnis zum Haus und der 50:50 Betreuung der Kinder ausschauen und dann die gemeinsamen Konten auflösen und jeder muss dann sehen, wie er mit seinem Anteil klar kommt. Sie bekommt dadurch mal ne Prise Realität und du wirst daran gehindert, über Geldgaben Wut kompensieren zu wollen. Es ist die eine Sache herumzupoltern, daß das Haus in die Zwangsversteigerung geht, es ist etwas anderes mal klare Zahlen zum Kindesunterhalt zu sehen.
Eine Scheidung ist immer wirtschaftlicher Schaden und zwar für alle Beteiligten. Findet ihr gemeinsam konstruktive Wege, muß daraus aber kein totaler werden.
Wichtig wäre auch, daß sie deutlich mehr arbeiten geht. Erstens muß sie sich dann eventuell mal deutlich genauer mit ihrer psychischen Verfassung auseinandersetzen und zweitens hat sie auch viel weniger Zeit für "Sport".
Auch wenn manche hier jetzt erst einmal ein bissl hart wirkt, ich meine das hilfreich. Ich für meinen Teil bin ein großer Gegner der Versorgerehe: Eine gute Mutter ist die, die auch beim vollständigen Wegfall des Einkommens des Ehemanns in der Lage ist, wirtschaftlich für ihre Kinder zu sorgen. Ein guter Vater indes ist jemand, der auch bei vollständigem Wegfall der Ehefrau, alle Arzt- und Impftermine, Kindergeburtstage und Weihnachtsgeschenke sowie emotionalen Ansprüche der Kinder im Blick hat und diesen versucht gerecht zu werden.
Von daher was willst Du eigentlich für eure Ehe und was glaubst Du zu können?