Elerya
Gast
Zitat von Ned:Ich verstehe trotzdem nicht wieso du dich verloren hast? Du hast dich verbogen um eine Beziehung zu bekommen aber wusstest doch das du dich verbiegst, also warst du immer bei dir, nur hast du dich absichtlich verbogen.
Ich komme nicht bedürftig rüber, sondern eher abweisend denke ich.
Nein, ich habe mich nicht absichtlich verbogen um eine Beziehung zu bekommen. Ich hatte das Gefühl, in meiner langen Beziehung zuviel falsch gemacht zu haben (zu dominant, zu divenhaft, zu distanziert, zu dramenhaft, zu egoistisch, zu schnell Schluss gemacht usw.) und habe versucht, anders zu sein, weil ich glaubte, dass nur so die Beziehungen halten können. Das war mein fester Glaubenssatz: Du musst etwas an dir ändern, sonst wirst du wieder in einer Beziehung landen, die dich unglücklich macht.
Dazu muss man sagen, dass die drei Männer, die mich geliebt haben und mit denen ich länger bzw. einmal lange zusammen war, jetzt alle mit arbeitslosen, von ihnen abhängigen, ungebildeten, aber hübschen Frauen zusammen sind. Das klappt prima und daraum habe ich gedacht, dass ich auch etwas mehr so werden muss, damit eine Beziehung hält.
In diesem Änderungsprozess habe ich mich dann eben auf andere Männer eingelassen und herumprobiert. Das hat mich unsicher gemacht, weil ich nicht mehr bei mir war, d. h. ich habe nicht mehr so reagiert wie ich früher einmal war wie ich bin, sondern so wie ich glaubte laut Beziehungsratgebern, laut Aussagen von Ex-Freunden, laut Hinweisen meiner Freundinnen sein zu müssen. Da diese natürlich nicht identisch waren, hatte ich ein ganz schönes Chaos in meinem Kopf. Und weil ich manchmal nicht wusste, wie ich handeln sollte, habe ich gar nichts gemacht, mich zurückgezogen, kaum gemeldet, kaum mehr geredet. Ich brauchte ja schon immer extrem viel Freiraum, auch in meinen früheren Beziehungen. Aber ich habe die Männer nicht mehr an mir, meinen Gedanken teilnehmen lassen, war dann auch zu lieb, habe mich nur auf mich fokussiert. Keine Ahnung. Mit Sicherheit auch viele Fehler gemacht, war ja bei jedem anders.
Zudem habe ich begonnen, mich sehr stark nach oben zu orientieren und mir sehr gebildete, sehr reiche, sehr eloquente Männer geschnappt. Nach ein paar Monaten habe ich festgestellt, dass mein Herz leer ist, dass ich mich gar nicht mag in der Beziehung, dass ich eigentlich jemand anders bin. Manchmal habe ich dann Schluss gemacht, manchmal sie.
Als Resultat halte ich fest, dass ich mich verloren hatte, dass ich jetzt wieder sehr nah bei mir selbst bin und weiß, wer ich bin und was ich will, welche Werte ich im Leben vertrete. Ich werde mich mehr probieren, eine Frau zu sein, die einfach ist, bei der Männer gerne sind, sondern ich werde einfach ich bleiben. Ich werde keine Männer mehr übers Internet kennen lernen, ich werde auch keine Männer mehr in einer 1:1 Situation treffen (außer eben gute Freunde), bevor ich sie nicht über Freunde/Familie/Bekannte eine längere Zeit in einer Gruppe erlebt habe, also sie schon besser kenne. Die Anziehungskräfte, denen ich ausgesetzt bin, werde ich ignorieren und Männer ganz langsam kennen lernen. Also wenn ich mich nicht in einer Gruppe länger mit einem Mann gut unterhalten kann, wir nicht viel zusammen zu lachen haben, die Unternehmungen keinen Spaß machen, ich kein Kribbeln im Bauch fühle, wenn er da ist und das sagen wir mal über den Zeitraum eines halben Jahres, dann wird nichts aus uns. Diese Maßstäbe lege ich jetzt an.
Ich muss sagen, dass ich zum Glück einen großen Bekannten- und Freundeskreis habe, in dem bei verschiedensten Aktivitäten immer neue Leute mitkommen. Heute Abend lerne ich beispielsweise beim ersten Grillen in diesem Jahr wieder zumindest zwei Freunde von nem guten Freund kennen. Und wenn der Richtige eben nicht zufällig irgendwann dabei ist, dann ist es so. Ich genieße jetzt erstmal das wundervolle Wetter

