paul258
Gast
Sechs Monate nach dem Auszug wurden gestern neue Bücherregale geliefert, die ich auch gleich aufgebaut habe. Stellt euch zwei sehr große Regale vor die komplett vollgestellt sind mit Bücher.
Ich muss sagen, dass dadurch die Wohnung echt aufgewertet wird. Vorher standen/lagen die Bücher einfach rum bzw. waren in Kartons. Auch habe ich 2-3 Bilder und Poster angebracht und habe ich mittlerweile Teppich, Staubsauger, Pinnwand und schon alles gekauft, um im Frühjahr den Balkon zu bepflanzen
Dennoch ist mir vorhin etwas Merkwürdiges passiert: Ich habe mein Handy aufgeräumt und ich hatte ja schon längst alle Fotos usw. gelöscht. Bei Screenshots fand ich aber zwei Screenshots von Chat Gesprächen, die ich mit meiner Ex NACH meinem Auszug hatten. Sprich Ende Juni/Anfang Juli, also ca. 5-6 Monate her. Dort schickte mir meine Ex (genau wie in dem Brief zuvor) ein Foto von dem Kuscheltier, dass ich ihr zum Beziehungsanfang geschenkt hatte und ich schrieb ihr, dass ich nicht begreifen kann was bei ihr im Kopf abgeht. Das war schon alles…aber es hat mich irgendwie nochmal voll erwischt.
Ich musste sogar plötzlich weinen, ganz komisch. Ich habe viel nachgedacht und glaube immer noch nicht ganz genau erklären zu können was mich daran so getroffen hat. Es ist nicht so, dass ich meiner Ex hinterher trauere. Der Zug ist recht schnell abgefahren und ehrlich gesagt was das auch der Grund warum ich immer so schmallippig reagiert habe, wenn man einfach hört „Vergiss sie.“, weil es nicht mal ansatzweise an das herankommt was mich bewegt.
Erstmal ist „vergessen“ ein passiver Prozess, den man zwar befördern kann durch Umstände, aber niemals erzwingen. Würde das gehen, würde es keine Traumata (und vermutlich kaum Dro.) geben und alle Menschen wären immer glücklich…daher halte ich nicht viel von dieser Phrase.
Andererseits war und ist es nie sie gewesen was mich so erschüttert hat. Vielleicht nicht mal "das Ende der Beziehung", weil ich ja weiß, dass es mir ohne sie besser geht und gehen wird. Sondern einfach wie das alles ablief. Es fühlt sich einfach nicht greifbar an. So ein wenig wie wenn man an die Unendlichkeit des Universums nachdenkt. Ich verstehe vieles und rational kann ich mir vieles erklären – aber am Ende steht man doch da mit einer großen Leere im Kopf.
Ich habe diesen Menschen in über 20 Jahren niemals etwas Negatives getan. Im Gegenteil, ich hätte ihr den Mond vom Himmel geholt. (Ich weiß, beziehungstechnisch ein Fehler - aber es steht dennoch für etwas. Dass ich ihr immer zugewandt war, bis zur letzten Sekunde).
In der Beziehung war es sogar so, dass ich mir wegen z.B. Corona oder Krieg (Ukraine usw.) ehrlich gesagt niemals einen Kopf gemacht habe. Das einzige was wichtig für mich war, war diese Beziehung. Womit nicht mal das als Beziehung im klassischen Mann- Frau – Sinn gemeint ist, sondern, dass da einfach ein Mensch war, der mir sein dunkelstes Geheimnis anvertraut hat. Dem ich alles gesagt habe. Mit dem ich Stunden und Stunden zusammen lachen und reden konnte. Der immer da war und der auch wusste, dass ich immer da bin.
Ein Trennung erschien für mich so dermaßen unrealistischer, dass ich nicht mal daran dachte. Sie bestätigte das ja auch permanent – „Noch nie jemand ist so wichtig für mich wie du!“ usw. habe ich ständig zu hören bekommen.
Und wenn ich mir dann anschaue wie das alles ablief falle ich vom Glauben ab. Es war das komplette Gegenteil von „normale Trennung“ und auch das völlig ohne Grund. „Es ist mir egal ob du obdachlos wirst!“. Es ist einfach so unvorstellbar, dass das alles so kam.
Vor ca. genau ein Jahr lag sie wegen einem Routine Eingriff im Krankenhaus und ich habe sie die ganze Zeit besucht. Vor 11 Monaten haben wir meinen Geburtstag gefeiert, so wie die Jahre davor auch immer. Waren dann mit Freunden feiern usw. Alles entwickelte sich gut, alles ging voran.
Ich weiß nicht, ob klar ist was ich meine, aber traumatisch trifft es vielleicht am besten.
Was übrigens nicht heißt, dass die Trennung nicht richtig war! Denn das war sie zu 100% und auch viel zu spät. Und ich würde auch niemals wieder mit dieser Frau zusammenkommen, oder gar befreundet sein. Mein Leben hat sich dermaßen verändert in den letzten Monaten wie wohl vorher noch nie – und ich finde es gut. Ich bin älter geworden, weiser, würde ich behaupten. Es geht in eine gute Richtung, egal ob beruflich oder privat. Der Kompass zeigt in die richtige Richtung und das gibt mir sehr viel Kraft.
Dennoch sind 6 Jahre 6 Jahre. Ich verglich das neulich im Gespräch mit einer Freundin so:
Stell dir vor du stehst jetzt auf, gehst aus dein Leben raus, ziehst in eine kleine Hütte nach Alaska und dort lebst du mit einem anderen Menschen in dieser Hütte. Ich versteht euch gut, streitet euch aber auch. Es gibt nur euch. DU und DIESER MENSCH. Ansonsten niemanden. Ihr habt euren Alltag, über 2000 Tage lang redet ihr jeden Tag, erzählt euch alles, lacht zusammen, weint zusammen, besteht Krisen zusammen, Tod, Krankheit, Leid, Freude, Zäsuren des Lebens. Eigentlich nur ihr zwei, sonst keiner. Nur ihr zwei gegen den Rest der harten Welt.
Und dann eines Tages wachst du morgens auf und bist in deine altes Leben zurück, ohne den anderen Menschen. Als hätte es ihn nie gegeben. Dein Leben ist gut und toll. Du hast viel gelernt…aber natürlich denkst du ab und an an die 2000 Tage in Alaska. Wie auch nicht?
Und dann triffst du den Menschen aus der Hütte irgendwann mal – und er tut einfach so als wenn er dich nicht kennt. Als hätte es die 2000 Tage nicht gegeben, als wären sie niemals passiert. Dabei weißt du ja, dass es sie gab. Es waren immerhin 2000 Tage. Die ganze Zeit, die Tränen. Es ist nicht schlimm, dass die Zeit vorbei ist, da es dir ja jetzt gut geht. Aber es war ein Teil deines Leben und der einzige Mensch, der diesen Teil auch gesehen hat tut so als seist du ein Fremder. Du zweifelst sogar an deinen Verstand - habe ich mir die 2000 Tage nur eingebildet? Aber nein, hast du nicht. Es ist wie in der Trueman Show, als Jim Carry bewusst wird, dass alles fake war. Eine Lücke im Lebenslauf, eine Leerstelle, die du dir einfach nicht erklären kannst.
Und die ganze Welt dreht sich weiter und dir geht es gut…aber irgendwie fühlt es sich komisch an manchmal.
Zitat von Femira:Irgendwie hab ich es noch immer nicht verstanden... Hast du nun ein soziales Netz, von dem du dich getragen fühlst oder nicht?
Sagen wir mal so: Ich habe Freunde, ja. Vermutlich mehr als manch anderer vielleicht. Aber gleichzeitig ist es nicht so, dass ein aktiver enger Kreis wäre. Die Wochenenden verbringe ich regemäßig alleine. Also ganz alleine.
Nur absurderweise ist dieses Netzt schon viel, viel mehr als es in der Beziehung je war. Ich Depp habe ja im Grunde alles gekappt in der Zeit, fast auf 0. Genau das ist mir ja dann auch zum Verhängnis geworden und passiert mir auch niemals wieder.
Vielleicht trifft es das: Ich kenne sehr viele Menschen und würde auch behaupten, dass es einige Menschen gibt die mich mögen, die sich auch mal mit mir treffen wollen, mit denen ich Kontakt habe. Aber so richtig innig, wie man sich das wohl so bilderbuchmäßig vorstellt sieht es eher mau aus.
Zitat von Femira:Denn Geld wird dich immer retten können. Im Zweifel sind Problemlösungen nämlich "nur" teuer. Das würde dir viel mehr Sicherheit in deinem Leben geben.
Das ist auch etwas was ich bisher falsch gemacht habe. Vorher dachte ich immer, dass das Glück und Gefühle wichtiger sind, mal salopp gesagt. Aber ich sehe ja wohin es mich gebracht hat. Der einzige Mensch dem ich mir bis zum Tod gewiss bin, bin ich selber. Also ist es auch sinnvoller alles dafür zu tun, dass es MIR gut geht. Dass ICH abgesichert bin. Dass ICH Geld verdiene. Vorankomme im Leben.
Wie schon mal angedeutet: Nach der Trennung bin ich ja vieles angegangen und ernte nun langsam die Früchte. Besseres Gehalt, mehr Sicherheit usw. Und das ist erst der Anfang. Nun heißt es dranbleiben und ich habe auch so sehr Bock darauf wie noch nie zuvor im Leben.
Zitat von Femira:Das glaube ich auch. Dein Leben ist ja ein paar Mal zusammen gebrochen. Vielleicht hast du gelernt, dass du es immer wieder selbst aus eigener Kraft schaffst, dich raus zu ziehen. Das wäre doch schön.
Das stimmt schon. Nur wäre es mal schön, wenn mal nicht alle abgebrannt wird. Also ich weiß ja, dass man das Leben nicht vorhersagen kann, aber mein Bedarf an Drama ist erstmal gedeckt für die nächsten Jahre.
Zitat von Femira:Es gibt Menschen, die trennen sich, fühlen ihre Gefühle, verarbeitetn diese, pflegen sich und es gibt andere, die nicht allein sein können oder die nicht gelernt haben, mit Emotionen umzugehen, die Spalten einfach. Deine Ex spaltet. Sie spaltet euch, ihre Gefühle und ihre Gedanken einfach ab. Um das tun zu können, musst du ganz raus aus ihrem Leben,
…aber am Ende sind wir doch alles Menschen mit einen Herz, oder nicht? Um es mal so platt auszudrücken. Ich verstehe ja, dass spalten (verdrängen, zerstören etc.) für manche eine Handlungsoption seien mögen… aber ich weiß nicht. Es impliziert ja zeitgleich eine enorme Egozentrik, weil es offenbart, dass es einen nur um sich selber geht. Und das finde ich schon krass und ekelhaft zu gleich – und genau deshalb werde ich das ihr von ihr an den Tag gelegtes Verhalten niemals verzeihen.
Mega! Ich freu mich sehr für dich!
