Ich sehe die Krankheit auch nicht im Vordergrund. Du schreibst, dass sie medikamentös gut eingestellt war und beschreibst aus eurer zweijährigen Beziehung keine der für nicht richtig eingestellte Personen typische Szenen.
Da mir selbst (als psychisch Gesunder) von zwei Ex-Partnern NACH der Trennung psychische Erkrankungen angedichtet wurden, die erklären könnten, warum keine einzige ihrer Verhaltensweisen zur Trennung geführt hat, sie also nichts an sich hinterfragen müssen, sondern alles von Anfang an wegen des Defekts der Frau zum Scheitern verurteilt war, scheint das eine beliebte gedankliche Ausflucht für Männer zu sein, sich eine "Trennung aus heiterem Himmel" zu erklären.
Aber auch Deine Trennung kam nicht plötzlich, sondern kündigte sich lange vorher an.
Und Du selbst hast meiner Meinung nach schon unterbewusst kapiert, woran es lag, möchtest damit aber nicht leben, weil es Deinem Selbstbild nicht gut tut.
Zitat von Jolle: Es kommt mir vor, als wenn ich in der ganzen Beziehung nur reagiert habe.
So kam mir Dein ganzer Text auch vor. Sie musste Dich ziehen und Du musstest Dich erst langsam einlassen oder sogar überwinden.
Und DAS ist ein Problem.
In einer langfristigen Beziehung müssen da zwei Motoren in die gleiche Richtung laufen. Nicht beide stets mit voller Kraft. Aber zumindest mit etwas Schub dann und wann in die gleiche Richtung.
Und Du warst in einigen wesentlichen Punkten eher ein Bremsklotz.
Und ich denke, dass sie sich getrennt hat, weil sich vieles zu schwer und träge angefühlt hat, sie Dich zu häufig überzeugen und mitreißen musste. Und Deine Grundeinstellung war, dass erst sie etwas tun muss, damit Du überhaupt etwas tun kannst. Selbst jetzt siehst Du Dich ja eher als Beifahrer im Auto der Ex:
Zitat von Jolle: Ich denke Krisen sind so eine große Chance als Paar zu wachsen und ich war dafür bereit.
Du warst bereit, um sofort loszulegen, sobald sie XYZ tut.
Es ist sehr anstrengend, wenn ein Partner immer erst auf Aufforderung tätig wird und die Vorbereitungen, Initiativen und guten Bedingungen immer von einem selbst geschaffen werden müssen.
Siehe auch hier:
Zitat von Jolle: Ich finde sie hat zu wenig unternommen dafür, dass sie bis zuletzt sagt, dass sie mich liebt und ich das auch spürte.
Absolute Erwartungshaltung deinerseits und Du gibst ständig die Verantwortung an sie ab. Du willst Deine Gefühle von ihr reguliert und verstärkt bekommen. Du willst von ihr die Trennung erklärt bekommen. Sie soll für Dich die Sexualität so einrichten, dass Du Dich nicht überwinden musst. Selbst zu merken, dass Du zu einem Menschen, dessen Körpergeruch Du nicht magst, sexuell gar nicht passt, kannst Du nicht. Sie soll bleiben und eben in der Intimregion neutral riechen, damit Du sie befriedigen kannst.
Und wenn sie selbst merkt, dass ihr sowohl vom Temperament als auch von den Erwartungshaltungen als auch von den Grundeinstellungen als auch von der Chemie het nicht zusammen passt und sich trennt, machst Du sie wieder für Deine Gefühle verantwortlich statt ihr zuzuhören UND zu verstehen zu versuchen.
Lieber gehst Du den einfachen Weg, sie als kranke oder kaputte Frau als generell für jegliche Beziehungen zu disqualifizieren, statt Dir einzugestehen, dass ihr nicht zu einander passt und sie einen Mann finden wird, mit dem sie glücklich wird, und Du eine Person finden wirst, mit der Du Dich sexuell zu nichts überwinden musst. Aber dafür musst Du in Zukunft die Signale Deines Körpers besser wahrnehmen und dann auch konsequent handeln.
So wie Du ihr Verhalten beschreibst, liegt der Frau viel an Dir, Du wurdest geliebt, aber es reicht nicht für eine Zukunftsplanung, weil es zwischen euch zu anstrengend und unpassend war. Sie wäre gerne mit Dir befreundet geblieben. Aber es ist auch völlig okay, wenn Du das nicht möchtest oder nicht kannst.
Und natürlich kannst Du jetzt Dein Ego schonen und behaupten, dass alles an der Krankheit Deiner Ex lag. Nur lernst Du dann nichts dazu und wirst bei der nächsten Frau garantiert wieder an eine "Kranke" geraten, mit der es nicht halten wird.
P.S. In GenZ ist Therapie zur Aufdeckung generationeller Traumata und toxischer Muster bei Männern UND Frauen völlig normal. Sie arbeiten auf, was zwei Generationen vor ihnen erfolgreich verdrängt haben. Kann man gut oder blöd finden, ist aber nichts besonderes. Genauso wenig wie systematische Arbeit an der Beziehung, also Relationship Check-Ins bei diesen "Neo-Hippies" außergewöhnlich wären. Das ist nur die Heimvarianten einer Paartherapie, bei der man über gleiche und unterschiedliche Lebens- und Zukunftsvorstellungen spricht. Danach weiß man dann spätestens, ob es noch passt oder nicht.