Jolle
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es ist für mich das erste Mal, dass ich mich dem anonymen Internet öffne. Ich habe schon viel mit Freunden geredet. Das hat mir gut geholfen, trotzdem ist ein starker Wunsch nach weiterer Objektivierung für die Trennung da. Meine Erwartungen an den Post sind, wenn es gut läuft Antworten, die mich zum Nachdenken bringen und meine Perspektive auf die Trennung erweitern.
Der Text wird recht lang. Ich hoffe ich verletze damit oder mit bestimmten Details keine Forumsregel.
Vorgeschichte und Beziehung
Im März 2024 bin ich mit meiner Exfreundin zusammengekommen und im April 2026 hat sie (28) sich von mir getrennt. Für mich (30) war es die erste Beziehung und das erste Mal Intimität. Ich war eine Person mit großen Hemmungen was Sexualität und körperliche Nähe angeht. Sie war unendlich geduldig mit mir, sie wollte die Beziehung unbedingt und wir haben uns ein halbes Jahr kennengelernt, in dem wir uns Stück für Stück nähergekommen sind. Nach dem ersten Sex sind wir ein Paar geworden.
Bis Anfang dieses Jahres würde ich die Beziehung als sehr warm, unterstützend, liebevoll und wirklich positiv beschreiben. Wir haben so gerne miteinander Zeit verbracht uns gegenseitig unterstützt und ergänzt. Wir haben noch im Januar über Kinder geredet und wie es wäre, was wir dazu planen müssten etc. Von außen wurde das auch so gespiegelt. Ich habe gedacht wir waren uns nie näher.
Krisengespräch und eine Woche später Trennung
Zwei Wochen vor Ostern hat sie angekündigt, dass wir reden müssen, wozu es eine Woche später gekommen ist. Das Gespräch wurde von ihrer Seite positiv und konstruktiv eingeleitet, sie hat Wein und Snacks gekauft und von einer Freundin ein „Relationchip Check-in“ Bogen mitgebracht und vorgeschlagen, diesen ab jetzt zu verwenden. Nach einiger Zeit wurde das Gespräch aber intensiv und sie hat Dinge gesagt, die mir ab dem Gespräch plötzlich und völlig unerwartet die Trennung signalisierten.
Sie hatte drei Punkte, die sie wie folgt formulierte: „xy ist etwas, was ich in einer langfristigen Partnerschaft nicht will/kann“.
Punkt 1: Thema Gendern. Wir hatten schon einmal einen Konflikt, nachdem sie mich einmal korrigiert hat. Ich habe ihr gesagt, dass ich nicht korrigiert werden will. Daraufhin kann es zu einer langen Diskussion, in der wir Argumente ausgetauscht haben und dabei eher, wie in einer Talkshow diskutiert haben. Sie hat mir gesagt, dass ich gerne das Argument gewinnen und nicht sie als Frau verstehen möchte. Zu einer Lösung sind wir nicht gekommen. Hatten uns aber geeinigt ein feministisches Buch zu lesen und zusammen darüber zu reden. Ich habe das Buch gelesen und sie zwei Mal darauf angesprochen. Sie hat es nicht gelesen und danach ist das Thema nur sehr unterschwellig und sehr vereinzelt aufgetaucht. In der Trennung hat sie mir mitgeteilt, dass dieses „nicht verstehen“ von mir nicht für sie funktioniert.
Punkt 2: Thema Intimität. Sie hat gesagt, es fällt ihr schwer, dass ich nicht sehr offen, neugierig und spielerisch bin. Sie hat auch gesagt, sie stört, dass ich nicht annehmen kann, wie attraktiv und „heiß“ sie mich findet. Das war ab und an ein Punkt bei uns. Dennoch, ich weiß, dass ich mich sexuell weiterentwickelt habe - ich habe im späteren Verlauf der Beziehung fast so oft initiiert wie sie, war sicherer und wir haben auch neue Dinge entdeckt. Gleichzeitig stimmt es, dass ich immer noch eine gewisse Unsicherheit hatte. Drei Monate vor der Trennung konnten wir keinen Sex haben aufgrund einer gesundheitlichen Thematik bei ihr. Davor hatte ich das Gefühl hatten wir sogar Fortschritte gemacht. Deswegen wundert es mich, dass dieser Grund zu dem Zeitpunkt als absolut herangezogen wurde.
Punkt 3 Therapie: Sie hat gesagt, sie erwartet, dass ein langfristiger Partner eine Therapie macht, um seine blinden Flecken zu kennen (diesen Punkt hat sie bei der Trennung zurückgenommen und als falsch klassifiziert).
Dann kam Ostern und wir waren bei unseren Familien. Ich habe mir schon große Sorgen gemacht, hielt ein Ende der Beziehung aber noch für unrealistisch. Sie hatte mir auch einen Zettel geschrieben, dass sie mich sehr liebt und glaubt, dass wir diese schwierige Diskussion lösen können. Nach Ostern vereinbaren wir dann ein Treffen, dass sie mit der Frage nach „Quality Time“ ankündigt.
Dann passierte aber genau das Gegenteil: während des Treffens hat sie noch nicht entschieden, dass sie sich trennen will, sondern währenddessen. Die oben aufgeführten Gründe hat sie bestätigt und noch hinzugefügt, dass der große Unterschied in unserer emotionalen Verarbeitung für sie auch ein Trennungsgrund ist. Sie möchte mit einem Partner gemeinsam weinen können. Weinen und große Emotionalität ist bei nicht so präsent, das stimmt. Das ich das bis zur Trennung das erste Mal höre, macht es nicht einfacher. Für mich ist eine Welt zusammengebrochen.
Entwicklungen nach der Trennung und Bipolarität
Fünf Tage nach der Trennung fragt sie nach Übergabe der persönlichen Gegenstände und erklärt mir, dass sie nicht fähig ist über die Trennung, die plötzliche Distanz und mein Unverständnis zu reden. Sie stellt ein Treffen im Juni in Aussicht.
An dieser Stelle hilft es möglicherweise zu erwähnen, dass sie eine Bipolare Störung hat. Ich frage mich die ganze Zeit, wie dies die Beziehung, die Konflikte und die Trennung beeinflusst. Während unserer Beziehung hatte sie die Krankheit immer gut im Auge, hat ihre Medikamente genommen, stark auf sich und einen entsprechenden Lebensstil geachtet, der Episoden unwahrscheinlicher macht. Sie hatte in unserer Zeit auch keine Episoden. Trotzdem hatte sie manche Verhaltensweisen, die so wie ich es gelesen habe Symptome der Erkrankung sein können (Impulsivität, Schwarz-Weiß-Denken, in bestimmten Dingen weniger Ambivalenz, eine gewisse Getriebenheit)
Mittlerweile weiß ich, dass sie nach der Trennung einen Zusammenbruch gehabt hatte. Sie war wegen der Bipolaren Störung in der Klinik. Trotzdem gebe ich keinesfalls der Krankheit die Schuld – ich habe sie nie und möchte auch nicht sie als Patientin betrachten.
Treffen nach der Trennung
Letztes Wochenende, also 8 Wochen nach der Trennung, kommt besagtes Treffen zustande. Ich habe mich halbwegs erholt und habe vorher nach ihrer Intention gefragt. Ich wusste, dass mir dieses Treffen wahrscheinlich nicht guttun wird, habe aber auf Kontext für die plötzliche Trennung gehofft. Sie hat nach Normalität gefragt, wollte von meinem Urlaub wissen und nicht über die Trennung reden. Sie wollte auch Normalität, um bei sozialen Events (wir haben teilweise einen gemeinsamen Freundeskreis), unser Verhältnis zu klären - wer kommt zu Geburtstagen und wie verhalten wir uns.
Dies habe ich aufgrund der plötzlichen Trennung als unangebracht empfunden und auch tatsächlich seltsam. Für mich kam das nicht infrage – ich wollte Kontext zu der Trennung, über die Gründe, darüber warum sie uns als Paar keine Chance gegeben hat an den Problemen zu arbeiten. Darüber, warum die Probleme so plötzlich kamen und dann sofort unüberwindbar waren. Das habe ich ihr gesagt und sie hat auch eingewilligt.
Das Treffen selbst hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen und ich war ähnlich traurig wie nach der Trennung und hatte auch physische Symptome. Sie konnte mir kein Kontext geben, sie wollte trotzdem Normalität und hat nach meinem Urlaub gefragt. Die Gründe für die Trennung sind dieselben geblieben. Sie hatte kein Gespür dafür, wie es mir geht, dass sie zu sehen so unglaublich hart für mich ist und dass es unrealistisch für mich ist ab jetzt ein normales Verhältnis aufzubauen. Ohne ein Experte zu sein, denke ich, habe ich ihre Bipolarität so klar gesehen, wie nie zuvor. Von einem Moment auf den anderen fragt sie mich voller Wärme, mit dem ehrlichsten Lächeln und einem Strahlen in ihren Augen, dass durch meine Seele dringt, über meinen Urlaub. Es hat meinem Herz mindestens ein Kratzer verpasst, nur einsilbig zu antworten und dieses Stahlen der Augen verschwinden zu lassen. Es war aber richtig es zu tun – es ging ja nicht anders.
Unterthema Intimität während des Gesprächs
Wir haben auch kurz über das Thema Intimität gesprochen. Nach der Trennung habe ich natürlich schon reflektiert und u.a. darüber nachgedacht, welche Probleme es beim Sex gab. Ihre Aussage hat mir stark zu denken gegeben. Zur Erklärung dazu: einige Monate nachdem wir zusammengekommen sind, haben wir über Orals. (bei ihr) gesprochen und sie hat mir erzählt, dass es für sie extrem wichtig ist. Aufgrund meiner Hemmungen wusste ich, dass es für mich nicht einfach wird, neu wird, und ich mich daran gewöhnen muss. Ich habe es gemacht und wir haben darüber geredet. Ich habe ihr erzählt, wie es mir ging, nämlich, dass ich mich schon überwinden musste, der Geruch und Geschmack neu für mich und nicht direkt angenehm ist, ich war sehr ehrlich (vllt. zu ehrlich?) und habe ihr auch erzählt, dass ich beim ersten Mal würgen musste. Es wurde besser mit der Zeit und grundsätzlich wollte ich es auch praktizieren und es hat mich auch erregt. Dennoch habe ich offen in den Raum gestellt, ob ein waschen (nur mit Wasser) vor dem Sex vielleicht helfen würde und ob wir das versuchen wollen. Ich habe es nie gefordert und war mir bewusst was für ein sensibles Thema das ist. Darauf eingegangen ist sie nicht und nach ein oder zwei Mal war meine Bedürfnisäußerung kein Thema mehr.
Hier sehe ich auch Schuld bei mir, ich glaube das Thema hätte nicht unter den Teppich gekehrt werden dürfen. Ich bin mir sicher, das hätte auch den Sex verbessert.
Nicht unrelevant ist auch ihre Aussage, dass sie sich selbst als „schnell riechende Person“ bezeichnet hat. Sie musste sich häufiger als andere Menschen z.B. nach dem Aufstehen, waschen, um nicht nach Schweiß zu riechen.
Es kam auch vor, dass es bei ihr etwas „Material“ (vielleicht Rückstände von Ausfluss, der sich verfestigt hat) gab. Das hat mir nicht geholfen es zu genießen und mich fallen zu lassen. Obwohl sie meinte, dass sie das versteht, ist es nicht zu einem Gespräch darüber gekommen, wie man damit umgeht
Und jetzt Ihre Aussagen zu diesem Thema während des Gesprächs: Sie erzählte mir, dass meine Aussagen sie unglaublich verletzt haben, Sie hat stark mit Scham zu kämpfen gehabt und es hat sie monatelang beschäftigt. Die Gesellschaft und Industrie üben einen ungemeinen Druck auf Frauen auf, den ich als Mann niemals verstehen kann. Egal was und wie ich dieses Thema angesprochen hätte, es hätte sie immer verletzt. Ich hätte es also nicht richtig machen können. Davon erzählt hat sie mir während der Beziehung nie.
Reflexion
Ich könnte noch weitere Beispiele und Erklärungen aus unserer Beziehung bringen aber ein Grundgerüst ist denke ich erkennbar. Es fällt mir so schwer zu akzeptieren, ich finde die Trennung so schwierig und denke die ganze Zeit an die schönen Momente.
Es kommt mir vor, als wenn ich in der ganzen Beziehung nur reagiert habe. Alle wichtigen Impulse kamen von ihr. Ich war eher passiv im Kennenlern- und völlig ausgeliefert im Trennungsprozess.
Ich finde so stark, dass die Gründe nicht ausreichend sind, und sehe Potential die Konflikte zu lösen. Ich habe sogar Schritte unternommen zu einer Lösung zu kommen. Ich finde sie hat zu wenig unternommen dafür, dass sie bis zuletzt sagt, dass sie mich liebt und ich das auch spürte.
Ich weiß, dass wir ein Problem hatten Konflikte zu lösen. Ich bin rational an Konflikte herangegangen und sie emotional. Wir konnten uns jeweils nicht sehen. Das habe ich nach der Trennung verstanden und ich denke es muss in einer Partnerschaft den Raum geben, dass das in der Beziehung verstanden werden kann.
Ich denke Krisen sind so eine große Chance als Paar zu wachsen und ich war dafür bereit. Dass sie trotz Liebe nicht dafür bereit oder fähig war, macht es für mich so schwierig.
Manchmal denke ich, dass wir es ohne Bipolarität geschafft hätten, und manchmal möchte ich gerne denken, dass sie die Person ist, der Grund ist, dass eine langfristige Beziehung nicht möglich ist. Ich weiß aber auch dass diese Gedanken gefährlich sein können.
Findet ihr ich habe etwas übersehen in unserer Beziehungs- und Trennungsdynamik? Gibt es blinde Flecken in meinem Verhalten? Was sind Fragen, die ich mir stellen kann? Was hat euch in ähnlichen Situationen geholfen?
Abschluss
Dieser Post, fasst meine aktuellen Gedanken zusammen, schon ihn zu erstellen, hilft mir.
Falls ihr diesen langen Text lest, sag ich schonmal vielen Dank! Auch über Antworten würde ich mich freuen.