QueenA
Mentorin
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Man sollte sehr vorsichtig sein, wenn man aus einzelnen Tätern Rückschlüsse auf ganze Gruppen oder Religionen zieht! In beiden genannten Fällen geht es um schwere Straftaten, die völlig unabhängig von Herkunft oder Glauben zu verurteilen sind.
Dass einige der Jugendlichen aus muslimisch geprägten Familien stammen, erklärt das Verhalten aber nicht automatisch.
Kriminologische Forschung zeigt (kann bei Interesse jede/r selbst recherchieren), dass Jugendgewalt meist mit sozialen und familiären Problemen, Bildungsdefiziten, Perspektivlosigkeit und/oder patriarchalen Männlichkeitsbildern zu tun hat -> nicht mit Religion an sich.
In manchen Milieus wird Sexualität tatsächlich tabuisiert, gleichzeitig fehlt Aufklärung und soziale Kontrolle. Das ist ein reales Problem, das man mit Bildung, Prävention und Integrationsarbeit angehen muss -> nicht mit Pauschalurteilen.
Gerade pauschale Aussagen wie „doofe Mischung“ oder „selbiges Klientel“ sind gefährlich, weil sie:
ganze Gruppen moralisch abwerten,
eine kulturelle Kausalität suggerieren („muslimische Erziehung Gewalt“),
und Debatten emotional aufheizen, statt Lösungen zu fördern. Mag auch niemand lesen oder hören, wenn wir aufgrund etlicher schrecklicher Taten von Christen, Juden oder Atheisten berichtet bekommen, „ah ja, das ist die Religion xy oder gottlosigkeit schuld!“
Solche Formulierungen schieben die Verantwortung pauschal auf eine Religion oder Kultur und lenken vom eigentlichen Thema ab: Wie verhindern wir, dass Jugendliche -egal welcher Herkunft- in Gewalt und Kriminalität abrutschen?
Es bringt mehr, über Aufklärung, Integration und soziale Verantwortung zu sprechen, statt über pauschale Zuschreibungen. Entscheidend ist, dass wir Täter*innen individuell zur Verantwortung ziehen, aber gleichzeitig gesellschaftlich Bedingungen schaffen, die solche Taten seltener machen.
Ruhigen Abend noch!