Zitat von QueenA: Was jedoch für einige oder zumindest für mich erneut schwierig ist, ist die Art, wie du von „bestimmten Personenkreisen“ oder „Exemplaren“ sprichst und daraus Muster ableitest, die auf ganze Gruppen übertragen wirken. Auch wenn das nicht deine Absicht ist, klingen solche Formulierungen schnell verallgemeinernd oder abwertend, und das macht es schwer, dir inhaltlich zu folgen, ohne innerlich auszusteigen - für mich jedenfalls.
Danke dir, für diese differenzierte Darstellung!
Zitat von Scheol: Der Forumsheilige ? Wusste nicht dass es hier Titel und Benennungen gibt.
Wie komme ich den zu der Betitelung ? Weil hier einige Menschen offen geäußert haben das ich ihnen geholfen habe ? Das macht mich sicherlich nicht zu einem heiligen.
Mir ist in dem Moment kein besserer Ausdruck eingefallen. Vielleicht würde Forumslegende eher passen. Ich verstehe nicht ganz, wie du das als Abwertung begreifen kannst. Habe ich letztendlich nichts anderes gesagt, als dass ich es besonders schlimm (im nächsten Beitrag hatte ich bestürzend geschrieben) finde, wenn sich Menschen bestimmter Rhetorik und Verallgemeinerung bedienen, von denen ich eigentlich mehr halte.
Und ja, dazu stehe ich. Gerade von jemandem wie dir, der sich so gut mit Trauma auskennt, erwarte ich mehr Differenzierung. Dazu gehört auch strukturelle Probleme von der menschlichen Ebene zu trennen. Systemfehler zu erkennen, statt auf einen polemischen Zug aufzuspringen, der die Thematik nur verstärkt.
Die meisten würden mir wahrscheinlich zustimmen, dass sich eine Horde betrunkener 20jähriger auf Mallorca auch extrem daneben benehmen kann. Bestimmte Dinge und Themen liegen in der Natur der Sache und haben nicht primär etwas mit der Herkunft, auch nicht mit dem kulturellen Background zu tun. Deine anekdotische Evidenz negiert zudem tatsächlich vorliegende Statistiken bzw. die Differenzierung dieser, die z.b. besagt, dass die Kriminalstatistik
Verdachtsfälle festhält und nicht tatsächlich verurteilte Straftäter. Und dabei klar beschreibt, dass das Anzeigeverhalten gegenüber jemandem mit Migrationshintergrund einen großen Teil der Zahlen ausmacht.
Es geht überhaupt nicht darum, dass man nicht strukturelle Probleme und auch Probleme mit Migration ansprechen darf. Das tun im übrigen auch viele Linke. Es geht darum, wie man es tut und ob einem das Gefühl dabei verleitet zu verallgemeinern oder man bemüht ist bei den Fakten und zugrundeliegenden Ursachen zu bleiben.
Ein großer Teil der Flüchtlinge der letzten 10 Jahre leidet an PTBS. Wenn hier diesbezüglich keine Strukturen geschaffen wurden, dieses riesige Problem aufzufangen, dann kann die erkrankte Person weder etwas dafür, dass sie sich keiner Behandlung unterziehen kann, noch für die Konsequenzen einer nichtbehandelten Erkrankung.
Als Fachmann musst du das wissen und differenzieren können. Als Fachmann musst du auch wissen, dass das reine Wissen, um eine PTBS noch lange nicht ausreicht, um die Erkrankung und Symptomatik kontrollieren zu können. Als Fachmann für psychologische Faktoren musst du auch wissen, was es heißt als Jugendlicher in primär männlichen Gruppen und konfrontiert mit wiederholter Gewalt und Gefahr unterwegs zu sein und in einem fremden Land zu stranden.
Ich will bestimmt nicht relativieren, welche Probleme allein diese beiden Faktoren mit sich bringen. Aber die Lösung kann nicht sein, diese geflüchteten Menschen für strukturelle Faktoren verantwortlich zu machen, anstatt deutlich zu fordern, dass integrative Maßnahmen nicht nur geschaffen, sondern auch bezahlt werden. Alles, was darüber hinaus geht ist Polemik. Und diese Polemik schafft Narrative, die vom rechts genutzt werden. Und wer sich da nicht in die rechte Ecke drängen lassen möchte, der muss sich von solchen rechten Narrativen deutlicher abgrenzen. Nicht, weil wir Linken, diese Ecke geschaffen haben und jeden dort hineinschubsen, sondern weil diese Ecke von Rechten besetzt und genutzt wird.
Das Problem mit Merz Stadtbildvortrag war NICHT, dass Merz versucht hat, differenziert über ein Problem zu sprechen, welches viele Menschen durchaus zurecht beunruhigt. Sondern es ist das wie. Es ist die Polemik dahinter und die Frage, wieso er diese Polemik nutzt und wem er damit gerecht werden will. Sprache schafft Normalisierung. Und von einem Kanzler muss ich erwarten können, dass er das weiß und entweder bewusst nicht nutzt oder ihm eben zuschreiben, hier in vollen Bewusstsein spaltend zu agieren. Und das muss kritisiert werden. Denn ein Kanzler, der bewusst spaltet, der macht keinen guten Job. Sondern verfolgt eigene Ziele.