whynot60
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Zitat von Annre:Wir leben länger und wir sterben länger.
Wir sterben in Organisationen, das Leben wird scheinbar verlängert, intensivmedizinisch erweitert.
Ja, leider.
Es ist nahezu verrückt. Als wollte der nun einmal irdisch sterbliche Mensch eine Art von Überlebenskrieg gegen den Tod führen. Und schon oft habe ich mich gefragt, wozu das gutsein soll.
Den Tod sollte man umarmen wie einen gütigen Engel. Allein die Vorstellung, meinetwegen 5.000 Jahre zu leben, irdisch, ist ja schon der blanke Horror, und es gibt kaum etwas, das noch fürchterlicher sein könnte.
Wie mir scheint, hat dieser katastrophale Unsinn im technischen Zeitalter begonnen, so etwa um die Zeit der ersten Herztransplantation. Damals meinte man wohl offenbar, man könne das irdische Leben nun in dieser Niederung zu einem ewigen machen. In der Folge gab es ja noch weitere kuriose Verrücktheiten, die immer mehr ausgeartet sind. Z. B. den Körper einfrieren zu lassen, und wer sich das nicht leisten konnte, aber dennoch das irdische Leben wollte, ließ seinen Kopf einfrieren ... Dazu muss man, glaube ich, ja nichts Weiteres mehr sagen.
Der Tod, diese letztendlich Erlösung, scheint heutzutage das Schreckgespenst schlechthin geworden zu sein. Fasse es, wer es fassen kann.
Zitat von Annre:Vor Jahrzehnten war die Pneumonie der Freund des betagten Menschen, denn dann war die Prognose ungünstig und man ließ es zu, dass der Tod ihn holt.
Genau. So war das. Der oftmalige Aufbruch war: Oberschenkelhalsbruch, Lungenentzündung, Fortflug. Aber heute scheint die Raupe auf Biegen und Brechen Raupe bleiben zu wollen.
Zitat von Annre:Das Ergebnis unserer Medizin und der gesellschaftlichen Erwartung ist, dass niemand mehr sterben "darf ".
Die Zeit eines Wimpernschlags, .... manchmal, nur manchmal, bedauere ich einiges, wünsche mir, dass jemand, der früher Freund war, schneller ist als wir.
Ja, wie gesagt, mir erscheint das wie ein Krieg, ein verordneter noch dazu, gegen den gütigen Tod. Allein daran lässt sich ja schon ablesen, wohin diese Menschheit abgedriftet ist.
Für mich selber hoffe ich, dass mir dieses neuzeitliche Martyrium erspart bleibt und ich mich rechtzeitig in die geliebte Natur zurückziehen kann, ehe diese perv. ausgeartete Medizin auf mich zugreifen kann mit ihrem staatlichen Sanktus im Hintergrund.
Meine Sorge ist absolut nicht der Tod, sondern vielmehr der richtige Zeitpunkt. Gerät man erst einmal in die Fänge dieser Aasgeier, kommt man ja kaum noch heraus aus diesen impertinenten Krallen.