Zitat von Thommy77:In den letzten Jahren ist unsere Ehe zu einer Kumpelbeziehung geworden. Wir verstehen uns grundsätzlich gut, haben kaum nennenswerten Streit aber auch seit 6 (!) Jahren keinen S. ich habe lange Zeit meine Befriedigung aus P. gezogen. Das ist natürlich auf Dauer sehr mau .
Daß Ihr kaum streitet, solltet Ihr für den Fall einer Paartherapie genauer beleuchten. Also um herauszufinden, wie ihr - ganz allgemein - Probleme miteinander löst.
Zitat von Thommy77:Auch ansonsten haben wir uns in den Jahren unterschiedlich entwickelt, ich gehe weiter mit Kumpels aus (selten, aber so ca. alle 2 Monate) - meine Frau hat kaum Freunde und bleibt zu Hause. Ich versuche körperlich fit zu bleiben, sie entwickelt sich zum Couch Potatoe mit ein paar Pfund Übergewicht.
Habt Ihr denn gar keine gemeinsamen Freunde oder Aktivitäten?
Zitat von Thommy77:Mitte 2018 habe ich in meiner Laufgruppe eine Frau kennengelernt, wir waren schnell auf einer Wellenlänge und haben uns auch außerhalb des Sport verabredet. Long Story short: nach ein paar Treffen haben wir uns geküsst und hatten dann auch S. . Ich war wie im Rausch - diese jüngere und attraktive Frau hat sich tatsächlich auf mich eingelassen, wir hatten ca. alle 2 Wochen einen gemeinsamen Abend und eine richtig tolle Zeit.
Angesichts Deines jahrelangen Notstands wundert mich der "Rausch" keine Sekunde.
In den ersten Monaten fühlt sich das zwar wie "Liebe" an, ist aber zunächst mal ein biochemisches Ding, das dann mit der Zeit (bis zu ca. 2 Jahre) auch wieder abflaut. Erst wenn die Hormone sich wieder einigermaßen eingependelt haben kann man überschauen, ob das eine ernstzunehmende Geschichte war oder nicht.
Zitat von Thommy77:Nach etwa 4 Monaten kam dann der Knall, meine Affäre hat mir eröffnet dass Sie Angst hat sich in mich zu verlieben und sie sich daher von mir trennt. GLeichzeitig hat sich sich regelmäßig mit einem anderen Mann getroffen. Soweit grundsätzlich vorher schon absehbar aber ab dem Moment habe ich gemerkt WIE SEHR ich sie brauche. Ich hatte wochenlang schlimmen Liebeskummer und echt gelitten.
Was den Liebeskummer betrifft, siehe oben.
Was Deine Ex-Affaire betrifft, hak sie ab. Die hat geradezu vorbildlich für sich selbst gesorgt und jetzt das, was sie wollte. Gönn dieser Frau ihr neues Glück, Du bist doch gar nicht in der Position, ihr was anderes zu bieten als ein paar Schäferstündchen. Es wäre unfair, sie an Dich binden zu wollen, während Du weiter mit jemand anders verheiratet bleibst. Liebe geht anders und tief im Herzen weißt Du das auch.
Was also siehst Du stattdessen in dieser Frau - also jetzt noch, wo sie längst die Segel gestrichen hat?
Anders gefragt: Was projizierst Du in sie hinein?
Zitat von Thommy77:Mit meiner Affäre war von Anfang an abgesprochen, dass aus uns nichts "ernstes" wird da ich mich meiner Familie (gemeint ist: meinem Sohn) zu verbunden fühle.
Tja - hier genau liegt der Hase im Pfeffer. Ehe ist ein Lebens
bund. Du fühlst Dich Deiner Frau also nicht mehr verbunden, sondern bloß noch Deinem Sohn? Wirklich?
Lassen wir mal den Notstand im Bett beiseite. Was sonst siehst Du noch in Deiner Frau, also außer einem Kumpel, mit dem Du in einer WG lebst und den gemeinsamen Sohn versorgst? Führt Ihr interessante Gespräche, unternehmt Ihr schöne Dinge zusammen, die gemeinsame Erinnerungen schaffen?
Auch das ist ein Punkt, den man im Rahmen einer Paartherapie mal genauer beleuchten könnte - und meines Erachtens auch unbedingt sollte. Meines Erachtens sollte am Ende so einer Therapie sowohl Deiner Frau als auch Dir klar sein, was Euch eigentlich noch verbindet. Selbst wenn es "nur" noch um Euren Sohn und die WG geht, die soweit intakt ist: Falls Euch beiden das tatsächlich reicht, dann ist es Eure Entscheidung, daran festzuhalten - nur eben dann zu neu verhandelten Bedingungen, damit niemand eingeht dabei.
Ihr könntet Euch zum Beispiel auf eine offene Ehe verständigen, in der Auswärtsspiele gestattet sind, aber eben im Rahmen zuvor festgelegter Spielregeln (etwa, daß Du Dich vorher sterilisieren läßt, damit Deine Affairen nicht schwanger vor der Tür stehen können; daß diese Geschichten diskret ablaufen und daß den AFs klar ist, daß Du Dich niemals trennen wirst von Deiner Frau, etc.).
Nachdem wir hier in einem Teil der Welt leben, wo gleiches Recht für alle gilt, bedeutet das dann allerdings auch, daß Deine Frau Dir irgendwann unter Berufung auf diese Einigung ebenfalls fremdgehen könnte. Wie würdest Du Dich umgekehrt mit sowas fühlen?
Am Ende der Paartherapie solltet Ihr Euch beide darüber im Klaren sein, ob Ihr überhaupt noch an dieser Ehe festhalten wollt und wenn ja, warum. Ist dieses "Warum" erst mal geklärt, sollten auch die Spielregeln für Eure Ehe festgelegt sein. Ansonsten werdet Ihr noch weitere Jahre mit dem Eheschiff so vor Euch hinschippern, bis es irgendwann mal auf einen Eisberg aufläuft, in welcher Form auch immer.
Zitat von Thommy77:Wenn ich mit meiner Frau spreche, dass mir die Liebe und Leidenschaft fehlt, bestätigt sie das zwar - dabei bleibt es aber und aktiv passiert gar nix. MIr fehlt aber der Mut sie vollkommen vor den Kopf zu stoßen und ihr alles zu erzählen.
Jenu - fehlt
Ihr die Liebe und Leidenschaft denn nicht? Habt Ihr etwa einen status quo erreicht, in dem das ausschließlich Dein und nicht etwa
Euer (partnerschaftliches) Problem geworden ist?
Zitat von Thommy77:Vor allem denke ich dabei an die Kosequenzen für meinen Sohn, er ist ein totales "Papa-Kind" - wir haben ein sehr gutes Verhältnis.
Ich kann nachvollziehen, daß ein behindertes Kind in ganz besonders sensibler Weise reagieren würde, wenn ein Elternteil plötzlich nur noch am Wochenende da ist. Je nach Behinderungsgrad auch, daß die Pflege nicht 24/7 allein zu bewältigen ist. Daher zögere ich auch, hier mal eben so was zu schreiben von wegen "Kinder sind besser mit geschiedenen Eltern dran als mit unglücklich verheirateten", schlage aber dennoch vor, daß Ihr beide zumindest die Rahmenbedingungen Eurer Ehe im Rahmen einer Paartherapie neu verhandelt (siehe oben).
Eure WG scheint gut zu funktionieren, also warum komplett darauf verzichten? Müßt Ihr nicht. Es gibt immer einen Weg, Ihr beide müßt Euch aber
gemeinsam klar werden, was Ihr wirklich wollt. Dann könnt Ihr die Antennen entsprechend ausrichten.
Zitat von Thommy77:Aber ob ich meine Ex-Affäre (. mit ihr hat irgendwie alles in unserem "geschönten Alltag" gepasst) zurückbekomme, sie ist seit nun 3 Monaten mit den anderen Mann zusammen, wir wohnen ca. 80 km auseinander und evtl. klappt es im Alltag mit uns ja auch gar nicht.
Siehe oben - vergiß es.
Zitat von Thommy77:Besser wäre doch, meinen Restkontakt zu der AF zu beenden - 100%.
Volle Zustimmung. Sie ist nicht Dein Kumpel, sondern jemand, von der Du was willst, was sie Dir nicht länger geben kann und möchte. Wofür ich übrigens auch vollstes Verständnis habe, denn Du bist auch nicht in der Position, mehr von ihr zu wollen - siehe oben.
Zitat von Thommy77:ALlerdings möchte ich meiner Frau NICHT von meiner Affäre erzählen. Warum? Ich denke sie reagiert total geschockt und startet einen Rosenkrieg. Was habe ich dann gewonnen?
Ich würde es an Deiner Stelle auch nicht tun. Die Affaire war nur ein Augenöffner, mehr nicht. Entscheidend ist, daß Du mit Deiner Frau klärst,
- ob Ihr überhaupt noch länger miteinander verheiratet bleiben wollt
- wenn ja: warum? Was konkret verbindet Euch noch?
- und dann: in welcher Form (Spielregeln)
Zitat von Thommy77:Mit meiner Frau werde ich Klartext sprechen was mich stört und was mir fehlt. Das habe ich bereits ein paar Mal gemacht, evtl. aber nicht ausreichend deutlich.
Gute Idee, ich kann Dich darin nur bestärken. Allerdings hoffe ich, daß auch Deine Frau Gelegenheit bekommt, mal zu sagen was
sie stört und was
ihr fehlt. Vielleicht hat
sie das bislang noch nicht gemacht oder war ebenfalls nicht ausreichend deutlich?
Dein Augenöffner war die Affaire. Doch auch Deine Frau muß zur Einsicht gelangen, daß
Ihr ein Ehe
problem habt. Es ist nicht nötig, sie dafür mit Details einer längst beendeten Affaire zu belasten. Aber Du kannst ihr unmißverständlich sagen, daß Du nicht länger wie ein Mönch leben willst und wirst. Selbst wenn sie mit dem aktuellen Zustand in Eurem Bett zufrieden sein sollte - was nicht auszuschließen ist, wenn sonst alles rundläuft: Es ist nicht nur Dein Problem, sondern
Eures, wenn sie diesbezüglich ihren Pflichten nicht länger nachzukommen vermag oder will. Das muß sie begreifen, ansonsten wird sich auch weiterhin nichts ändern.
Ohne Druck wird das leider nicht gehen, aber eben hier könnte ein neutraler Mediator Euch hervorragend unterstützen. Ich schließe mich daher der Empfehlung des Vorschreibers an, der Euch eine Paartherapie ans Herz gelegt hat. Und zwar volles Rohr.
Viel Glück.