Hallo @90Nyana90,
mir fallen bei deinen Schilderungen ein paar Dinge auf, die ich dir gerne mitgeben würde.
Zunächst finde ich einen Widerspruch ziemlich bemerkenswert. Einerseits quält dich die Vorstellung, dass ein anderer Mann deine Frau damals berührt, geküsst und mit ihr geschlafen hat. Andererseits schreibst du:
Zitat von 90Nyana90: Es war 100% meine Fantasie.
Und:
Zitat von 90Nyana90: Ich war leider so leichtsinnig und habe immer wieder das Szenario und die Fantasie im Bett als Dirty Talk benutzt.
Das solltest du dir meiner Meinung nach genauer anschauen, vielleicht auch mit deiner Therapeutin. Was hat dich an dieser Vorstellung eigentlich so gereizt, wenn dich die Realität emotional dermaßen belastet? Fantasie und Realität sind natürlich zwei verschiedene Dinge. Aber ich glaube, genau an diesem Punkt könntest du einiges über dich selbst herausfinden.
Was mir außerdem auffällt, ist deine ständige Selbstabwertung. Du bezeichnest dich als „Loser“, fühlst dich wie das „letzte A....“ und sprichst von einem „selbstgemachten Drama“.
Warum gehst du eigentlich so hart mit dir ins Gericht? Du hast eine ziemlich unkluge Entscheidung getroffen und ihre Folgen völlig unterschätzt. Das kannst du bereuen und hinterfragen, ohne dich deswegen ständig selbst fertigzumachen. Und vor allem musst du dich nicht dafür schämen, dass dich die Sache emotional so mitnimmt.
Was mich an einigen Antworten hier stört, ist außerdem die ziemlich einseitige Betrachtung eurer Situation. Manche verteidigen deine Frau gegen Vorwürfe, die du ihr gar nicht machst, und lassen sie dabei fast zur Heiligen werden.
Deine Frau hat dich damals betrogen. Das war nicht in Ordnung, auch wenn sie es freiwillig gebeichtet hat. Nicht jeder betrügt seinen Partner, nur weil er jung ist und eine Fernbeziehung führt.
Andererseits gibt es nach deinen Schilderungen überhaupt keinen Grund, ihr heute Unehrlichkeit oder mangelnde Liebe zu unterstellen. Im Gegenteil: Sie scheint sich in den vergangenen Jahren als ausgesprochen liebevolle und verlässliche Partnerin erwiesen zu haben. Und offenbar liegt ihr sehr viel daran, dass es dir gut geht.
Was ich an eurer Geschichte eigentlich besonders positiv finde, ist, wie sehr ihr euch beide offenbar liebt und wie sehr ihr einander zugewandt seid.
Ich sehe hier nicht zwei Menschen, die schlecht zueinander sind, sondern zwei Menschen, die gemeinsam eine ziemlich dumme Entscheidung getroffen und deren Folgen völlig unterschätzt haben. Ja, die Idee kam von dir. Aber umgesetzt habt ihr sie gemeinsam.
Deshalb würde ich an eurer Stelle auch nicht ständig nach Schuld und Verantwortung suchen. Vielleicht solltet ihr euch einfach eingestehen, dass ihr gemeinsam Mist gebaut habt, und versuchen, da auch gemeinsam wieder herauszukommen.
Setzt auf euer Wir!
Du musst deine Frau nicht für einen 13 Jahre zurückliegenden Fehler bestrafen. Aber du musst dich auch nicht dafür verurteilen, dass alte Verletzungen wieder aufgebrochen sind. Und deine Frau darf dich dabei unterstützen, ohne dass du dich deswegen wie ein Versager fühlen musst.
Vielleicht wäre neben deiner eigenen Therapie auch eine Paartherapie sinnvoll. Nicht weil eure Ehe schlecht wäre, sondern weil ihr gemeinsam lernen könntet, mit dem umzugehen, was dieses Experiment ausgelöst hat.
Nach allem, was du schreibst, scheint mir euer eigentliches Problem jedenfalls nicht mangelnde Liebe zu sein. Ihr habt euch mit diesem Abenteuer nur etwas eingebrockt, dessen emotionale Folgen ihr beide nicht auf dem Schirm hattet.
Und genau deshalb würde ich versuchen, das auch gemeinsam zu bewältigen.